Wahre Worte?!

Seit sieben Jahren schreibt Selim Zillich-Ünal Gedichte. Er ist Autor des 2013 erschienenen Gedichtebandes „Gedichte-edichte-dichte“ und nimmt immer mal wieder an Wettbewerben teil, das Dichten ist für ihn allerdings noch mehr ein Hobby als ein Beruf. Wir sind froh, mit dem Archäologiestudenten und seinem Gedicht mit dem passenden Titel „Wahre Worte?!“ eine tolle Eröffnung für unsere Projektpräsentation „Vom wa(h)ren Wert der Worte“ gefunden zu haben.

 Link zur Slideshow: Wahre Worte?! 

Im Interview erzählt Selim, warum die Dichtkunst ihm solchen Spaß bereitet und wie er dazu gekommen ist.

Selim Zillich-Ünal

Selim Zillich-Ünal

Was hat dich dazu gebracht, Gedichte zu schreiben?

Ich habe damit angefangen, weil meine Gedanken mich nicht losgelassen haben – das war immer sehr nervtötend, die mit sich herum zu tragen. Dann hab ich angefangen, die Dinge auf Papier zu schreiben und es hat einfach geholfen, das loslassen zu können.

Wie lässt du dich inspirieren?

Das können manchmal ganz banale Dinge sein wie zum Beispiel eine Zugfahrt. Da passieren auch sehr lustige Dinge. Oder ich hör irgendwas im Radio, sehe was im Fernsehen und davon werde ich inspiriert oder ich kann mich daran aufhängen. Dann komm ich auf Ideen und die entwickeln sich dann weiter und kommen dann zu Papier.

Was ist das für ein Gefühl, auf der Bühne zu stehen und Gedichte vorzutragen?

Es ist ein sehr interessantes Gefühl. Erstmal hat man natürlich ein bisschen Lampenfieber, wie bei allen Dingen, die auf der Bühne passieren. Man gibt etwas von sich preis, man zeigt seine nackten Gefühle und das ist eine Überwindungssache. Wenn man die aber überwunden hat und auf der Bühne ist und seinen Flow gefunden hat, dann kommt es auch beim Publikum an – wenn man möglichst mit Gefühlen arbeitet und nicht versucht, irgendetwas zu spielen, denn das funktioniert nicht.

Wie zeigt das Publikum seine Anerkennung?

Da muss man nur in die Gesichter schauen. Entweder sie (die Zuschauer) sind auf den Kopf gestoßen, weil sie mit etwas nicht gerechnet haben oder sie sind begeistert und ihre Augen leuchten, weil sie eine Passage richtig cool finden. Aber es gibt auch Momente, wenn sie ihre Augenbrauen zusammenziehen und man weiß, dass es nicht so gut angekommen ist. Ich denke, nicht jeder kann auf jeden Text anspringen.

Selim Zillich-Ünal: Hände

Selim Zillich-Ünal

Ist dir diese Anerkennung wichtig oder stehst du aus anderen Gründen auf der Bühne?

Mit den Gedichten verbinde ich schon sehr viel. Es hat auch dazu beigetragen, dass ich mich in meiner Persönlichkeit gefestigt habe und dass ich mich selbst reflektieren konnte. Ein bisschen Autor steckt ja in jedem Gedicht. Das kommt bei den Leuten ganz gut an, wenn man seine Gefühle preisgibt. Wenn sie sagen “Voll cool!” gibt einem das natürlich etwas zurück – da gewinnt man auch viel draus.

Gibt es Worte, die wirkungsvoller sind als andere?

Worte können auch viel zerstören. Wenn Worte aufgebauscht werden oder man besonders auf dieses Wort pocht oder es besonders geil findet, dann verliert es seine Wirkung. Worte, die eine besondere Wirkung hervorrufen und eine Stimmung erzeugen, sind die, die nicht gesagt werden. Diese kann man dann auch wieder mit einem Wort beschreiben, aber die besondere Atmosphäre schafft man nicht mit einem Wort.

Benutzt du ein bestimmtes Wort besonders häufig?

Ja, es gibt ein Wort, das ich sehr häufig verwende: “Massen” oder “massenhaft”. Keine Ahnung, wie ich auf dieses Wort gekommen bin und warum ich das auch so oft in Gedichten verwende. Jemand hat mal gesagt, ich soll das bitte wegstreichen. Massenhaft, das klingt immer so abgedroschen und wahrscheinlich klingt das auch so. Ich bin nicht unbedingt stolz auf dieses Wort und vielleicht streiche ich es auch irgendwann aus meiner Wortkette.

Selim Zillich-Ünal: Hände

Selim Zillich-Ünal

 

Geht es in deinen Texten mehr darum, dich selbst von deinen Gedanken los zu machen oder willst du den Zuhörern auch etwas geben?

Sowohl als auch. Erstmal natürlich um einen klaren Kopf zu bekommen, um sich nicht mehr damit auseinander setzen zu müssen. Das klingt jetzt so negativ – es ist nicht so, dass ich meine Gedichte als Müllhalde benutzen würde. Da bleibt schon was hängen und wenn man das später nochmal liest, dann findet man das auch gut. Anderen Menschen möchte ich vielleicht eine kleine Stütze geben, eine Anregung, mal über Sachen nachzudenken. Nicht immer alles hinzunehmen und einfach mal Fragen zu stellen.

Gibt es sonst noch etwas, was du gerne los werden möchtest?

Ja, vielleicht. Ich finde, jeder Mensch kann schreiben. Es gibt immer Leute, die sagen: Ich kann das nicht, ich kann keine Gedichte schreiben… Wieso? Lyrik fängt da an, wo es aufhört: nämlich beim Wort. Und wenn man Wörter aneinanderreiht und sie in Versform bringt, ist das nichts anderes als Lyrik. Ob die sich jetzt reimen oder nicht, egal. Ich finde, das kann jeder. Wozu haben wir die Sprache, wenn wir sie nicht nutzen. Jeder sollte sich animiert finden, was zu schreiben, egal in welcher Form.

 

 

 

Autoren:

Lea

simon

Corinna

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