Vom Wert der Wörter und Unwörter des Jahres

Nach langen Sitzungen mit vielen Diskussionen, haben Hessens Sprachkritiker es wieder einmal geschafft: Das Wort und das Unwort des Jahres 2013 sind bestimmt. Die „Wort-des-Jahres-Jury“ in Wiesbaden, bestehend aus Mitarbeitern der „Gesellschaft für deutsche Sprache“ (GfdS), erklärte schon im Dezember 2013 GroKo (Große Koalition) zum Wort des Jahres. Am 14. Januar 2014 zog nun Sozialtourismus als Unwort nach.

Unwörter und Wörter des Jahres

Unwörter und Wörter des Jahres

Da haben die hessischen Sprachkomitees es uns doch leicht gemacht. Sozialtourismus streichen wir einfach komplett aus unserem Wortschatz und in jeden zweiten Satz lassen wir das Wort GroKo einfließen. So sollte der Wert der Worte erhalten bleiben, oder? Nein, denn die jeweiligen Aktionen der Sprachwissenschaftler haben keinesfalls den Anspruch, Worte zu bewerten, zu feiern oder zu diskreditieren. „Wir wollen mit unserer Aktion lediglich ein allgemeines Nachdenken über Sprache erreichen“, erklärt Sprachwissenschaftlerin und Sprecherin der Aktion „Unwort des Jahres“, Prof. Dr. Nina Janich. „Und das schaffen wir glaube ich auch“, sagt die 45-Jährige weiter. Die Vielzahl an Rückmeldungen nach der Bekanntgabe des Unwortes belegten das zur Genüge. „Die Beschwerdemails gehen immer am schnellsten ein. Aber später kommen auch die ersten Anerkennungen“, teilt Frau Dr. Janich mit. Ebenso wie die Darmstädter „Unwort-Jury“ verfolgt die Jury der GfdS ein klares sprachliches Ziel mit ihren Wortnominierungen: „Wir wollen einfach bestimmte sprachliche Phänomene, die das Jahr geprägt haben, erfassen und abbilden“, so eine der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen der GfdS, Nicola Frank.

Auch die Öffentlichkeit hat ihre Rolle im Plan der hessischen Wort-Jurys für mehr Sprachreflexion in der Gesellschaft. „Wir wollen, dass durch die Berichterstattung nachvollziehbar wird, warum wir das Wort genommen haben“, sagt Dr. Nina Janich stellvertretend für die Darmstädter Aktion „Unwort des Jahres“. Und das ist auch gut so! Denn ohne Diskussion in der Gesellschaft sind das allgemeine Nachdenken über Sprache, Sprachreflexion und Sprachaufmerksamkeit reines Wunschdenken. So sieht das auch Nicola Frank: „Aus meiner Sicht ist es gar nicht so wichtig, ob die Leute die Wahl nun gut oder schlecht finden. Es ist wichtig, dass sie darüber reden.“ Und damit sie darüber reden, wird die gesamte Gesellschaft immer zu Beginn des Jahres von den jeweiligen Jurys dazu aufgerufen, ihre Vorschläge für das Wort beziehungsweise das Unwort des Jahres einzusenden. Die Zahl der Einsendungen von außen schwanke jährlich, so beide Jurysprecherinnen. Aber klar sei immer, dass vor der finalen Sitzung, in der über das Wort beziehungsweise das Unwort des Jahres entschieden wird, eine Vorauswahl der eingesendeten Wörter stattfinden muss. Bei der Darmstädter „Unwort-des-Jahres-Aktion“ werden die Einsendungen beispielsweise auf Listen verteilt. Es gibt eine „heiße Liste“, eine „B-“ und eine „C-Liste“. Die Jurymitglieder bekommen alle Listen zugeschickt. Jedoch würden die Wörter auf der „heißen Liste“ am ehesten gewählt. Denn diese entsprächen den Kriterien der Jury für die Unwörter am Meisten und seien durch ihre Einsender im Vorfeld ausreichend belegt worden. Voraussetzungen für ein Unwort des Jahres sind für die Darmstädter Jury eine diskriminierende oder verschleiernde Bedeutung oder ein Verstoß gegen die Menschenwürde oder demokratische Prinzipien.

Sucht die sprachkritische Aktion „Unwort des Jahres“ also ausdrücklich nach Euphemismen, um auf deren verschleiernden Gebrauch aufmerksam zu machen, so ist es der GfdS hingegen wichtiger herauszustellen, was für sprachliche Phänomene sie in einem jeweiligen Jahr beobachtet hat. Trotz unterschiedlicher Herangehensweisen, eint beide Aktionen der Wille um mehr Sprachreflexion und das Nachdenken über Sprache im Allgemeinen.

Wer sich näher mit den Wörtern oder Unwörtern der vergangenen Jahre beschäftigen möchte, findet auf folgenden Internetseiten Informationen dazu:

Wörter des Jahres: www.gfds.de/aktionen/wort-des-jahres
Unwörter des Jahres: www.unwortdesjahres.net


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Autorin:

diana

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