Die unmöglichsten Arten von Hashtaggern

Der Hashtag – Ein seltsames, praktisches und zugleich nerviges Element das im letzten Jahr zu unfassbarem Ruhm gelangt ist. An und für sich nur ein Stichwort (engl.: tag), das uns gemeinsam mit der Raute (engl.: hash) gleichermaßen hilft und behindert, die riesigen Datenmengen des Internets zu fassen.

Sicherlich sind Hashtags durchaus nützlich. Sie helfen uns dabei, Großereignissen (z.B. der Bundestagswahl #btw13) zu folgen, gemeinsam mit Tausenden Zuschauern den Tatort zu loben oder zu zerreißen, sie helfen uns Beiträge zu filtern, wenn wir etwas Bestimmtes suchen und mit Gleichgesinnten in Kontakt zu treten. Nehmen wir mal an, Sie möchten eine Reise nach Indien wagen. Um im Voraus einen kleinen Einblick zu kriegen, suchen Sie nach #indien. Dort finden Sie dann Bilder von Sehenswürdigkeiten, typischem Essen, einheimischen Bräuchen und überraschend viele Selfies von Leuten, die nicht wirklich wie Inder aussehen – doch dazu später mehr.

Hashtags sind ja eigentlich super.
Angefangen hat es mit ihnen im Jahr 2007 auf dem Microbloggingdienst Twitter. Doch obwohl es das Tool seit nunmehr fast sechs Jahren gibt, boomte der Gebrauch von Hashtags erst im vergangenen Jahr so richtig: Facebook, Instagram, Pinterest und Google+ bieten mittlerweile alle die Funktion an, seine Beiträge mittels Hashtags zu markieren. Sogar einzelne TV-Shows werden von ihren Machern mit eigenem Hashtag versehen und bieten somit den Zuschauern einen virtuellen, interaktiven Ort, an dem sie sich miteinander austauschen und neue Informationen zu der TV-Show bekommen können.

Anderer Meinung ist Raplegende Jay-Z, der auf seinem neuesten Album die Zeile: “Fuck hashtags and retweets!” verlauten lässt. Und auch wenn ich Hashtags als primäres Organisationstool und für den ein oder anderen Gag durchaus akzeptabel finde, spricht Jay-Z mir doch aus der Seele. Grund dafür ist der schamlose Missbrauch von Hashtags. Ein Selfie mit #banana, das Holocaustdenkmal mit #fun, oder einfach #alles # hashtaggen #was #einem #gerade #so #einfällt, entspricht nicht dem Grundgedanken von Hashtags und behindert schlichtweg die Nutzung von Hashtags als Themenfilter.

Bereits Justin Timberlake und TV-Host Jimmy Fallon machten sich in einem Video über die inflationäre und durchaus skurrile Nutzung von Hashtags lustig:

Um meinem Unbehagen gegenüber der heutigen Nutzung von Hashtags Ausdruck zu verleihen, stelle ich nun sieben verschiedene Typen von Hashtaggern vor. Bei all diesen Typen wünsche ich mir, dass ähnlich wie in Jimmy Fallons Video, der Drummer Questlove die Szenerie stürmt und mit einem „Guys? #shutthef*ckup“ versieht.

Nummer 1:
Der „Alles ist ein Hashtag“-Hashtagsetzer

Der „Alles ist ein Hashtag“-Hashtagsetzer setzt seine Markierungen frei nach dem Motto #alles #ist #ein #hashtag. Eine naheliegende Schlussfolgerung, da man relativ häufig (und ich meine nie) auf die Idee kommt, nichtssagende Füllwörter wie #würde, #war, #aber, #der, oder #nur zu suchen. An dem „Alles ist ein Hashtag“-Hashtagsetzer ist also eindeutig der Zug vorbeigegangen, in dem die Leute saßen, die ihm erklärt hätten, dass er auch einen normalen Satz schreiben kann, in dem er nur die aussagekräftigsten Wörter hashtaggt.

Nummer 1 (1)_Nummer 1 (2)

Nummer 2 (und ebenfalls ein wahres Genie):
Der „unfassbarlustigeundunfassbarlange“-Hashtagsetzer

Dieser Typ von Hashtaggern gehört zu den ganz Kreativen und etabliert sich auf seinen Social-Media Profilen a lá #heutzutagekannjajederstandupcomediansein. Was nicht nur unschön zu lesen ist und immer wieder für Verwirrungen beim Lesen sorgt, ist auch hier wieder absoluter Nonsens, da die Hashtags in keinster Art und Weise zur Themenfilterung beitragen könnten. Wenn ich nun meine Urlaubsreise nach Bali plane, dann ist es für mich logischer von Vornherein #bali einzugeben, anstatt #yoleutebaliissonice30gradwaslos.

Nummer 2 (1)_Nummer 2(2)

Nummer 3 (da ich gerade auf die Urlaubsreisen zu sprechen kam):
Der Länder-Hashtagsetzer

Dass ein Mensch heutzutage viele Ethnien besitzen kann, ist allgemein bekannt. Auf Instagram ist es häufig der Fall, dass Menschen ihre jeweilige Ethnie oder ihr Herkunftsland taggen. Das kann man machen und es leuchtet mir in gewisser Weise noch ein. Ich sollte erwähnen, dass es sich nicht um Bilder von Weltkarten handelt, sondern tatsächlich wieder einmal um Selfies. Doch ein Bild von einer Person mit fast 30 Ländern zu taggen, will mir nicht in den Kopf gehen. Wenn ich es mir erklären will, könnte die Person auf dem Bild beispielsweise gerade in einem der Länder sein, sie ist in einem anderen der Länder aufgewachsen, die Eltern kommen jeweils aus verschiedenen Ländern. Trotzdem gehen mir dann die Erklärungen für die anderen knapp 25 Länder aus. Fast genauso sinnvoll wie #hashtag.

Nummer 3

Nummer 4:
Der „Ich hashtagge einfach alles was mir grade einfällt“-Hashtagsetzer

Stellen Sie sich vor, Sie möchten etwas kochen, doch wissen nicht genau was. Eventuell kann Ihnen Instagram ja weiterhelfen, indem Sie die App benutzen, um gezielt nach #essen, einem #rezept oder einer bestimmten Zutat zu suchen. Wenn allerdings bei #banana das Selfie eines fremden Mannes erscheint, vergeht mir schnell der Appetit. An dieser Stelle möchte ich, wie natürlich den ganzen Artikel über, die Frage nach dem „Wieso nur? Wieso?“ in Ihre Gedächtnisse rufen. Ebenso gut könnte ich in diesem Moment auch ein Selfie von mir schießen und es mit #golfball #krone #kopfhörer taggen. #hä

Nummer 4

Zugegebenermaßen, bis zu diesem Punkt kann ich alles an sinnlosen und skurrilen Hashtags noch irgendwie tolerieren. Die letzten drei Arten von unmöglichen Hashtagsetzern allerdings lassen mich zu Jay-Z und Questlove in einer Person werden.

Nummer 5:
Der bedürftige Hashtagsetzer

#followmefollowback #likeforlike #likeforshoutout #shoutoutforshoutout blablabla! Mittlerweile gibt es sogar Apps, die speziell dafür konzipiert wurden, um standardisierte Auflistungen von Hashtags zu generieren. Diese versprechen den Nutzern reihenweise Abonnenten, Likes und Kommentare für ihre Bilder. Diese Form der Bedürftigkeit nimmt dank Instagram unheimliche Ausmaße aus. Sucht man beispielsweise nach #likeforlike wird man auf Instagram von unfassbaren 50267164 Beiträgen (mal wieder größtenteils Selfies) erschlagen.

Nummer 5

Nummer 6:
Der eingebildete Hashtagsetzer:

Auch hierfür gibt es wieder Apps, welche die Hashtags automatisch erstellen, die die User dann mit Copy and Paste unter den eigenen Selfies platzieren. Natürlich ist ein gesundes Selbstbewusstsein eine lobenswerte Eigenschaft. Doch der Grat zwischen starkem Selbstbewusstsein und Arroganz ist schmal. Dass man diesen Grat weit überschreitet wird allein schon mit der Zusammenstellung der Hashtags #me #cute #model #gorgeous #stunning deutlich.

Nummer 6

Nummer 7 (und wahrscheinlich der schlimmste von allen):
Der unangebrachte Hashtagsetzer:

Jugendliche, die in Berlin im Holocaustdenkmal posieren. Ich weiß nicht, ob ich wirklich noch eine große Standpauke darüber halten soll, auf wie vielen Ebenen die Zusammensetzung der gewählten Hashtags unpassend ist. #holocaustdenkmal #liebe #fun #loooove. Hier kann ich nur noch den Kopf schütteln, und hoffen, dass die Kleinen recht bald von ihrem Geschichtslehrer im Holocaustdenkmal abgeholt werden. Höchstwahrscheinlich beziehen sich die Hashtags auf die beiden und ihre niemals endende Freundschaft #bff. Dass das trotzdem wirklich nicht in Ordnung ist, da das Holocaustdenkmal nicht als Ort für Selfies, Spaß und Poserei gedacht ist, sondern als Gedenkstätte, lässt mich sowohl an den Jugendlichen als auch an ihren Geschichtslehrern zweifeln.

Nummer 7

Autorin:

maren