Schreiben ohne Bezahlung: Der Wert der Worte in Schreibforen

Was verleitet Menschen dazu, geschriebene Worte kostenlos im Internet zu zeigen? Ob es Gedichte sind, philosophische Geschichten oder Fanfiction – auf diversen Online-Schreibforen stellen Menschen aus der ganzen Welt ihre Texte ein. Wer mit dem Schreiben kein Geld verdient, muss also eine andere Gegenleistung bekommen – oder?

Ich habe mich auf der internationalen Künstler-Website DeviantART an deutsche Hobby-Schreiberlinge gewandt und sie nach ihren Motivationen gefragt.

Schreiben in einem Online-Forum

Foto: Corinna Schuster

AggroMiau: „Ich möchte gehört werden. Die Worte kommen ganz tief aus meiner Seele: Anstatt an stummen Schreien zu ersticken, rufe ich aus dem Fenster. Das hat für mich persönlich einen gewaltigen, ja sogar unermesslichen Wert.“

Für viele Hobby-Schriftsteller liegt der Sinn der kostenlosen Veröffentlichung auf der Hand: Entweder man zeigt seine Texte im Internet, oder sie vermodern in der dunklen Schublade (oder Festplatte). Dafür erhalte ich Anerkennung, Lob und Hoffnung. Für viele steht der Spaß am Schreiben im Vordergrund. Worte werden als etwas Persönliches angesehen, dass durch die Veröffentlichung an Wert gewinnt.

Metal-loving-Rebel: „Im Gegensatz zu einigen sehr lieben Freunden würde ich Geld durchaus annehmen, sofern ich dafür nichts ändern muss. Wichtig finde ich nur, dass Geld nicht die Motivation für das Erschaffen von Kunst ist, weil das natürlich extrem verfälschen würde.“

Außerdem gibt es einige Genres, die sich einfach schlecht vermarkten lassen. Fanfictions zum Beispiel sind schon allein aus urheberrechtlichen Gründen meist unverkäuflich, da die verwendeten Charaktere und Welten oft aus bekannten Romanen oder Filmen stammen. Als Forum-Schreiber dagegen muss man sich über den „Mainstream“ keine Gedanken machen – man schreibt, was und wie man möchte. Ganz ohne einen bestimmenden Verlag im Nacken zu haben und gesellschaftlichen Standards entsprechen zu müssen. Dabei bieten Online-Plattformen die Möglichkeit, sich mit anderen Schreibern auszutauschen und von ihnen eine objektivere und ehrlichere Kritik als von Freunden oder Familie zu erhalten.

DuchesseOfDusk: „Was vielleicht ein bisschen ungewöhnlich ist: Ich schreibe an einem Roman, weil ich der Meinung bin, der Hauptcharakter verdient es, dass ich mir Mühe gebe.“

Doch nicht nur aus eigennützigen Gründen stellen die Schreiberlinge ihre Texte ins Internet. Viele wollen auch andere dazu anregen, kreativ zu sein oder sich Gedanken zu einem bestimmten Thema zu machen. Ein Hobby-Schriftsteller nennt sogar das Motiv, dem „Internet etwas zurück zu geben“, da dort viel kostenlos angeboten wird, wie zum Beispiel Flash-Spiele. Das World Wide Web ist also ein Ort des Gebens und Nehmens und auch ohne monetäre Gegenleistung gibt es zahlreiche Motivationen, seine erdachten Texte dort zu veröffentlichen:

sacredZinja: “Ich persönlich bin davon überzeugt, dass man keinen Profit verliert, wenn man etwas einfach so veröffentlicht. Falls dazwischen ein Werk sein sollte, das gut (oder „mainstreamig“) genug ist, um auch als gedrucktes Buch Erfolg zu haben – dann wird man hier Ermutigung und Rückhalt finden… Das ist Hilfe, kein Verlust. Und wenn ein Werk eher für eine kleine Minderheit ist, dann hat man hier die Chance, die zwei Leser zu finden, die man damit wirklich begeistert. Wie wunderbar!”

 

Im zweiten Teil habe ich drei Hobby-Schriftsteller genauer befragt, welchen Wert ihre Worte haben und warum sie sie ohne finanzielle Gegenleistung ins Netz stellen.

Autorin:

Corinna

 

 

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  1. […] Bericht über Hobby-Schriftsteller in Online-Foren in Teil 1 und einem Interview dazu in Teil […]