Schreiben ohne Bezahlung: 3 Hobby-Schriftsteller erzählen

Im ersten Teil habe ich mir allgemein die Frage gestellt, was Menschen dazu antreibt, ihre selbst verfassten Texte kostenlos in Online-Schreibforen einzustellen. Im zweiten Teil frage ich drei Schreiberlinge ganz konkret nach ihren Motivationen.

Schreiben am Laptop

Foto: Corinna Schuster

Sonja alias sacredZinja schreibt überwiegend Lyrik, die sie in verschiedenen Foren einstellt. Aber auch Kurzgeschichten aus dem Genre Märchen oder Fantasy kann man von ihr online lesen. Was sie dafür zurück bekommt? Mitgefühl, Anerkennung, Hilfestellung, Ermutigung und Meinungen.

 Warum stellst du deine Texte ins Internet?

Es geht darum, dass andere meine Texte lesen können. Wobei ich auf deviantArt auch ein wenig „Marktforschung“ betreibe. Zu sehen, welche Texte sofort Comments bekommen, ist schon sehr interessant.

Könntest du dir denn vorstellen, allein mit der Textproduktion dein täglich Brot zu verdienen?

Wenn ich irgendwann soweit komme, dass ich mit der Schreiberei genug verdiene, dann würde ich meinen jetzigen Job als Psychologin vermutlich trotzdem nicht komplett aufgeben, weil ich ihn mag. Aber schön wäre, wenn ich in beiden Bereichen unabhängig genug bin, die Zeit so zu verteilen, wie ich möchte.

 

 

 

Der Fantasy-Schreiber EINsamer-wANDERER hat auf deviantArt eine Gruppe gegründet, bei der sich deutschsprachige Mitglieder gegenseitig ihre Texte vorstellen. Gegenleistungen erwartet er dafür nicht, bekommt aber dennoch Lob und Anerkennung für seine Texte.

Seit wann schreibst du und aus welchen Gründen ?

Kurz nach meinen siebzehnten Geburtstag trat bei mir ein zwanghaftes Verhalten an den Tag, dass bis heute anhält und mich antreibt. Es ist ein Bedürfnis nach Ausdruck, das sich im Schreiben manifestiert. Ich weiß nicht, woher es kommt. Wahrscheinlich von einem tiefen Schmerz, den ich selbst nicht begründen kann.
Zwei Wochen später war mein erster Text fertig und aus einer Neugierde heraus schickte ich ihn zum Online-Magazin Geisterspiegel. So fing alles an.

Du leitest die Gruppe „deutsche Dichter“ auf DeviantArt. Warum ist der Aufwand das wert?

Mir ist die Gruppe wichtig, um damit den Zusammenhalt der Community auf dieser Website zu stärken und dadurch ein ständiges Geben und Nehmen im Bewusstsein der Autoren zu verankern. Dafür ist mir jeder Aufwand recht.

Wenn dir jemand Geld dafür bieten würde, würdest du es annehmen?

Nein, ich würde es nicht annehmen, da ich dadurch das Gefühl hätte, meine eigene Seele zu prostituieren.

 

Schreiben in einem Schreibforum

Foto: Corinna Schuster

Jan alias Thinking-Silence schreibt über sehr tiefgründige Themen wie Psychologie, Selbstwahrnehmung und Weisheitssuche.

Als Gegenleistung für das kostenlose Online-Stellen nennt er Lob und Anerkennung, Feedback und Kritik, Verständnis, philosophische Gespräche und die Anregung zu neuen Gedanken.

Dein Name klingt schon sehr philosophisch. Über was schreibst du und wo veröffentlichst du deine Texte?

Neuerdings schreibe ich zum Beispiel an einem dystopischen Roman, weil ich der Ansicht bin, dass diese Gesellschaft in eine wirklich schlimme Richtung steuert und dabei ist, jegliche Moral und Werte zu verlieren.
Die Texte sind entweder privat und werden nur an wenige Freunde weitergegeben. Oder ich veröffentliche sie auf meinem Blog. Hier sorge ich allerdings nicht dafür, dass viele Leute es lesen, das ist mir nicht so wichtig.

Seit wann schreibst du und was war der Anlass, damit anzufangen?

Ich schreibe eigentlich seit ich 17 Jahre alt bin. Damals habe ich angefangen, meine Gefühle in Gedichten zu verarbeiten, weil ich viel zu schüchtern war, um mit anderen darüber zu reden.
Aber nicht einmal 5 % von meinen Texten sind im Internet, gerade weil das meiste sehr persönlich ist und daher nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

Wenn dir jemand Geld fürs Schreiben bieten würde, würdest du es annehmen?

Wenn er meine Ideen verbreiten möchte, würde ich das eventuell annehmen. Wenn er damit Geld verdienen möchte und mir gleichzeitig weismachen wollte, dass ich daran auch verdienen könnte, so würde ich ihn davonjagen.

Deine Worte haben also einen ganz persönlichen Wert für dich.

Ich nutze meine geschriebenen Worte gerne zur Selbst-Reflexion, indem ich ältere Texte später wieder lese und analysiere, wie ich mich verändert habe und was ich damals gedacht habe. Dabei musste ich Folgendes des Öfteren feststellen: „Die Worte von gestern werden dich morgen beschämen.“

 

Du bist auch (Hobby-)Fotograf. Wo ist für dich der Unterschied, ein Bild zu verkaufen oder einen Text?

Da ich nun bereits einen enormen Pool an Fotos zusammen habe, ist es immer ein schönes Gefühl, wenn jene alten Werke wieder wertgeschätzt werden und ich da gar nichts mehr für tun muss. Texte verkaufe ich eigentlich nicht, sie sind für mich weniger Kunst und vielmehr private Gedanken oder Erkenntnisse. Würde ich Romane schreiben, sähe das aber sicher anders aus.
Bei Fotos teile ich Eindrücke mit der Welt, bei Texten sind es eher Gedanken.

Und welches Medium wird von den Rezipienten deiner Meinung nach als wertvoller angesehen?

Die Fotos werden eindeutig mehr geschätzt, zumal sie ja auch zum Großteil öffentlich sind. Mein Fokus wird sich aber in Zukunft ein wenig verschieben, sodass ich mehr Zeit zum Schreiben (und Lesen) aufwenden werde, und weniger zum Fotografieren. Das wird vielen Leuten nicht passen. Aber es wird mir helfen, meine Kreativität niemals von Beliebtheit oder von anderen Menschen abhängig zu machen.

Autorin:

Corinna