Magischer Wortwert – wie aus einem Buch Gold wurde

Reich werden nur mit der eigenen Fantasie. Ohne Chef, fiese Bürokollegen und feste Arbeitszeiten. Einen Bestseller schreiben und mit dem Autorenhonorar im Monat mehr verdienen, als andere im Jahr − ein Traum den jeder, der gerne liest und schreibt, schon hatte.

Harry Potter Neu

Die meisten Schriftsteller sind nicht reich, auch nicht wohlhabend, viele schreiben eher an der Armuts- als an der Beitragsbemessungsgrenze. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung nennt Zahlen der Künstlersozialkasse: 1.241 Euro Netto Durchschnittsverdienst im Monat. Reich werden nur wenige, sagenhaft reich nur eine Handvoll.

Joanne K. Rowling ist eine davon. Und ihre Geschichte eines verwaisten Zauberschülers, ausgebreitet in sieben Bänden, ist solch ein Traum. Dieses (kommerziell) größte Literaturphänomen hat viele monströse Zahlen erzeugt. Rowling war – bis sie einige Großspenden tätigte − die erste Literatur-Milliardärin der Geschichte, reicher als die Queen. Bis heute hat Rowling schätzungsweise 500 Millionen Harry Potter-Bücher verkauft. Um das Jahr 1600 hätte jeder Erdenbürger ein Exemplar besessen.

Einen tieferen Einblick erhält der, der Rowlings Erfolg nicht in Büchern misst, sondern in Worten. Rowling schrieb über 1 Million Worte um Harry erwachsen werden und über Lord Voldemort siegen zu lassen. Gewitzte Fans haben mit ihren E-Books genau nachgezählt und kommen auf 1.084.170 Wörter im englischen Original. Wüsste man jetzt noch, was Rowling an den Büchern bislang verdient hat, wäre der monetäre Wert eines jeden Wortes aus Harry Potter zu beziffern. Bislang geht man von 570 Millionen Pfund Autorenhonorar aus, umgerechnet 690 Millionen Euro. Somit verdiente die Autorin bis heute mit jedem einzelnen Wort, jedem „he“, „and“ und „I“, 630 Euro. Zum Vergleich: Für den ersten Potter-Band bekam sie 1997 von ihrem Hausverlag Bloomsburry einen Vorschuss von umgerechnet 1.800 Euro – die hat sie heute mit drei Worten verdient.

Aber damit nicht genug. Es gibt schließlich weitere Geldquellen, wie die Verfilmung, das Merchandising und den Harry Potter-Freizeitpark in Florida. Aus ihnen fließen Rowling beständig neue Einnahmen zu. Trotz dieser Blüten, die das Potter-Marketing über die Jahre treibt: Das ganze Potter-Universum basiert auf den Büchern, auf jedem einzelnen Wort. Auf ihr Gesamtvermögen gerechnet, das laut des US-Wirtschaftsmagazins „Forbes“ etwa 776 Millionen Euro beträgt, steigert sich der Wortwert gar auf 715 Euro.

Und das Tolle daran: Der Wortwert steigt weiter Jahr um Jahr. Allein von der deutschsprachigen Ausgabe, die im Carlsen Verlag erscheint, werden jedes Jahr pro Band etwa 70.000 Exemplare verkauft. Rowlings Fantasie muss riesig sein, wie sonst hätte sie sich Hogwarts und den Zauberkosmos bis ins letzte Detail ausdenken können. Ob sie sich, nachdem sie das erste Wort getippt hatte, vorstellen konnte zu was dies alles führen wird, ist zu bezweifeln.

Autoren:

mauri

diana