Wa(h)re Worte http://wahrer-wortwert.de Mon, 31 Mar 2014 09:56:48 +0000 de-DE hourly 1 http://wordpress.org/?v=4.3 “Dialekte sind eine hochspannende Angelegenheit” http://wahrer-wortwert.de/dialekte-sind-eine-hochspannende-angelegenheit/ http://wahrer-wortwert.de/dialekte-sind-eine-hochspannende-angelegenheit/#comments Fri, 21 Feb 2014 10:03:01 +0000 http://wahrer-wortwert.de/?p=994

Viele Menschen halten Dialekt für eine minderwertige Sprache. Um heraus zu finden, wie wertvoll Mundart wirklich ist, trafen wir Professor Dr. Helmut Weiß von der Goethe Universität in Frankfurt: Für ihn ist Dialekt nicht nur Forschungsobjekt, sondern auch Herzenssache.

Prof. Dr. Helmut WeißHerr Weiß, sprechen Sie selbst Dialekt?

Ja, ich spreche Bairisch, das ist sozusagen meine Muttersprache. Ich bin auf dem Land in einer mehr oder weniger einsprachig bairischen Umgebung aufgewachsen. Hochdeutsch habe ich erst später in der Schule gelernt.

Was mögen Sie an Dialekt besonders gerne?

Persönlich verbinde ich damit positive Erinnerungen an eine schöne Kindheit. Es hört sich vielleicht kitschig an, aber Dialekt ist für mich so etwas wie Heimat. Ich habe immer noch sehr engen Kontak zu meinen Geschwistern und wenn ich mit denen rede, spreche ich natürlich immer noch Dialekt. Wissenschaftlich mag ich Dialekt, weil er ein sehr interessantes und hochwertiges Untersuchungsobjekt ist. Mein Spezialgebiet ist ja die Syntax und da hat man in den letzten 20 Jahren entdeckt, dass die Dialekt-Syntax sehr viel Interessantes zu bieten hat, im Unterschied zu den Vorurteilen, die weit verbreitet sind. Viele denken ja, Dialekte hätten keine Grammatik und keinen Satzbau, dass sich nur einfache Sätze aneinanderreihen und so weiter. Aber das Gegenteil ist der Fall: die wirklich interessanten Phänomene findet man in den Dialekten und nicht in den Standardsprachen. Und irgendwie ist es auch schön, wenn man sich als Wissenschaftler mit seiner eigenen Sprache beschäftigt.

Warum sind Dialekte wertvoll? Was kann Mundart, was Hochdeutsch nicht transportieren kann?

Für die Wissenschaft sind sie wertvoll, weil sie natürliche Sprachen sind, was bei Standardsprachen nicht immer der Fall ist. Dialekte zeichnen sich dadurch aus, dass sie zum einen gesprochene Sprachen sind, für die ganz andere Anforderungen gelten, gerade auf syntaktischer Ebene. Zum anderen kennzeichnet sie, wie sie weiter gegeben werden von Generation zu Generation. Sie werden Kindern nicht durch Sprachunterricht vermittelt, sondern immer in einer natürlichen Umgebung gelernt. Abseits der Wissenschaft sind Dialekte wertvoll, weil sie so etwas wie Ausdruck kultureller Identität sind, weil sie Assoziationen mit bestimmten Lebensentwürfen enthalten. Aber das ist alles relativ. Dialektsprecher sind keine besseren Menschen, die ihre Heimat mehr lieben. Ich persönlich spreche gerne Dialekt, denn Wortwitz und Wortspielereien lassen sich im Dialekt besser machen. Das sieht man auch daran, dass viele Kabarettisten häufig auf Dialekt zurückgreifen. Theoretisch kann man das alles auch ohne Dialekt, aber für mich persönlich wäre eine Welt ohne Dialekt irgendwie ärmer. Das liegt aber natürlich daran, dass ich damit aufgewachsen bin.

Wie steht es um den Dialektgebrauch in Hessen, gerade unter jungen Menschen – stirbt Hessisch aus?

Mit der älteren Generation wird das originale Hessisch weitgehend aussterben, aber der Dialekt als solcher nicht. Er wird in einer anderen Form, in Regionalsprache überleben, was zwischen Standardsprache und Dialekt liegt. Ein Kennzeichen von Dialekt ist ja auch die Kleinräumigkeit, also dass in jedem Dorf unterschiedlich gesprochen wird. Das wird auf jeden Fall verschwinden. Es werden dann größere Regionen sein, wo die Leute dann den selben Regiolekt sprechen. Das ist aber nicht überall der Fall. In der Deutschschweiz zum Beispiel verdrängt der Dialekt langsam das Standard-Deutsch. Das kann man zum Beispiel beobachten, wenn man Sendungen auf 3sat sieht, die von Schweizer Fernsehen kommen. Sobald nicht vorgefasste Texte vorgelesen werden, wird in den Dialekt gewechselt. Aber es ist eher unwahrscheinlich, dass das auch in Deutschland passiert, denn hier  gibt es seit den 70er Jahren eine massive Bewegung vom Dialekt weg. Er soll angeblich den Schulerfolg von Kindern beeinträchtigen, was aber gar nicht stimmt. Es ist aber ein Grund warum viele Eltern nicht mehr mit ihren Kindern Dialekt sprechen.

Prof. Dr. Helmut Weiß

Prof. Dr. Helmut Weiß arbeitet an der Universität Frankfurt. Dort unterrichtet er Linguistik und erforscht die Syntax Hessischer Dialekte. Sein liebstes Wort in Mundart ist Zeitlang, was Sehnsucht oder Heimweh bedeutet. (Foto: Uni Frankfurt)

 Wie entstand überhaupt die Idee zu Ihrem Forschungsprojekt “Syntax Hessischer Dialekte” (SyHD)?

Ich hatte mich schon sehr lange mit der Dialektsyntax auseinandergesetzt, zunächst eben mit Bairisch. Bairisch gehört auch zu den mit am besten untersuchten Dialekten, wenn es um die Syntax geht. Es gibt auch Arbeiten zum Allemannischen, zum Deutsch-Schweizerischen, zum Schwäbischen – ansonsten gab es bis vor einiger Zeit zu den übrigen Dialekten relativ wenig Forschungsarbeiten. Und mit meinem Umzug nach Frankfurt, war es insofern naheliegend, mich mit dem Hessischen zu beschäftigen. Ich habe dann zusammen mit zwei Kollegen aus Marburg zusammengetan, Alexandra Lenz (jetzt Universität Wien) und Jürg Fleischer. Es gab übrigens zuvor schon einige interessante Projekte im Ausland.  Unser Projekt „SyHD“ war aber das erste in Deutschland, das sich ausschließlich mit der Syntax von Dialekten befasst – die Motivation war also, eine Forschungslücke zu schließen. Für mich persönlich bedeutete das Projekt, mich nochmals mit einem für mich völlig neuen Dialekt zu beschäftigen.

Und wie reagieren Ihre Mitmenschen, wenn Sie von Ihrem Forschungsgebiet erzählen?

Überwiegend positiv. Viele Leute freuen sich, dass man sich mit ihrer Sprache befasst. In der Wissenschaft hat die Erforschung der Syntax von Dialekten innerhalb der letzten 20 Jahre zunehmend mehr Anerkennung und auch Interesse bekommen; auf europäischer Ebene gibt es inzwischen eine Art Forschungsverbund, von Portugal bis Skandinavien. Als ich angefangen habe, war es komplizierter: Ich saß fachlich zwischen zwei Stühlen. Zum Teil in der allgemeinen Sprachwissenschaft, thematisch aber in der Germanistik angesiedelt – das wurde nicht von jedem gern gesehen, und natürlich musste man damals häufiger erklären, wieso die Dialektforschung ein so spannendes Thema ist. Heute ist es eher umgekehrt, da fragen viele: Toll, wieso beschäftigen sich nicht viel mehr Wissenschaftler mit den Dialekten?

Fragen Sie sich vielleicht, wie Prof.Dr.Weiß Dialekte erforscht? Hier finden Sie ein Beispiel. 

Bairisch für Fortgeschrittene

Prof. Dr. Helmut Weiß spricht selbst kaum Hessisch, denn er kommt ursprünglich aus Niederbayern. Er liebt seine „Muttersprache“ und hat uns folgende Kostprobe gegeben:

Die hochdeutsche Übersetzung lautet: „Hat dir etwa jemand etwas getan?“

Svenja Klassert

katharina

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Ein Tag in Bildern http://wahrer-wortwert.de/17-bilder-17-stunden-1-tag-0-worte-ein-tag-in-bildern/ http://wahrer-wortwert.de/17-bilder-17-stunden-1-tag-0-worte-ein-tag-in-bildern/#comments Fri, 21 Feb 2014 09:59:56 +0000 http://wahrer-wortwert.de/?p=916 Wie wichtig sind Worte, um einen Tag zu dokumentieren – unverzichtbar oder überflüssig?

Unsere Autorin Svenja hat es ausprobiert. Von Blog-Serien wie a day in pictures, one photo every hour oder 12 von 12 inspiriert, beschloss sie einen Tag aus ihrem Leben in Bildern zu erzählen. Ob es funktioniert hat, müssen Sie entscheiden.

8:00

Foto: Svenja Klassert

Kaffeetasse

Foto: Svenja Klassert

DIY macht Freude - Streichen

Foto: Svenja Klassert

Pausenbrot

Foto: Svenja Klassert

in der Bahn, auf dem Weg zur Hochschule

Foto: Svenja Klassert

Video-Kurs

Foto: Svenja Klassert

Pausensnack: Cranberries

Foto: Svenja Klassert

Video-Kurs II, schneiden, schneiden,...

Foto: Svenja Klassert

Sonnenuntergang am Campus Dieburg

Foto: Svenja Klassert

Video-Kurs III: fast fertig!

Foto: Svenja Klasser

Einkaufen

Foto: Svenja Klassert

Jogginghosen-Time

Foto: Svenja Klassert

Abendessen: Börek und Salat

Foto: Svenja Klassert

Fernsehen

Foto: Svenja Klassert

Fernsehen II

Foto: Svenja Klassert

Zähneputzen

Foto: Svenja Klassert

Gute Nacht

Foto: Svenja Klassert

Was denken Sie? Genügen Fotos, um von einem Tag zu berichten?

Nein? – Dann bitte weiter scrollen, zur Geschichte mit Bildunterschriften.

Foto: Svenja Klassert

Foto: Svenja Klassert

8:00 

Habe gestern zu lange Serien geschaut, muss noch ein bisschen liegen bleiben.

Kaffeetasse

Foto: Svenja Klassert

9:00

Kaffee im Bett – das Studentenleben ist gut.

DIY macht Freude - Streichen

Foto: Svenja Klassert

10:00

Aus alt mach neu: Streichen im Keller.

Pausenbrot

Foto: Svenja Klassert

11:00

Pausenbrot vorbereiten.

in der Bahn, auf dem Weg zur Hochschule

Foto: Svenja Klassert

12:00

Auf dem Weg in die Hochschule.

Video-Kurs

Foto: Svenja Klassert

13:00

Wir haben Video-Kurs. Rechts im Bild: das Pausenbrot

Pausensnack: Cranberries

Foto: Svenja Klassert

14:00

Kleiner Pausen-Snack: Cranberries und Wasser

Video-Kurs II, schneiden, schneiden,...

Foto: Svenja Klassert

15:00

Schneiden, schneiden, schneiden…

Sonnenuntergang am Campus Dieburg

Foto: Svenja Klassert

16:00

Kurze Pause: Sonnenuntergang am Campus bewundern.

Video-Kurs III: fast fertig!

Foto: Svenja Klassert

17:00

Die grobe Fassung ist fertig – bald geht’s nach Hause.

Einkaufen

Foto: Svenja Klassert

18:00

Auf dem Rückweg: schnell in den Supermarkt.

Jogginghosen-Time

Foto: Svenja Klassert

19:00

Endlich zu Hause: Jogginghose und Hausschuhe anziehen!

Abendessen: Börek und Salat

Foto: Svenja Klassert

20:00

Essen: Spinat-Börek und Bohnensalat

Fernsehen

Foto: Svenja Klassert

21:00

Mama ist zu Besuch und will, „The Voice of Germany“ schauen. Ich lasse sie gewähren.

Fernsehen II

Foto: Svenja Klassert

22:00

Wir ertragen es nicht länger und müssen umschalten.

Zähneputzen

Foto: Svenja Klassert

23:00

Zähneputzen, Gesichtspflege, Schlafanzug anziehen, YouTube Video schauen.

Gute Nacht

Foto: Svenja Klassert

11:43

Ich schaff’s nicht mehr bis 12 – Gute Nacht!

 

Autorin:

 Svenja Klassert

 

 

 

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Ein Film ohne Worte http://wahrer-wortwert.de/ein-film-ohne-worte/ http://wahrer-wortwert.de/ein-film-ohne-worte/#comments Wed, 19 Feb 2014 21:15:59 +0000 http://wahrer-wortwert.de/?p=974 Der Ton gehört zum Film wie das Popcorn zum Kino. Schon zu Beginn der Ära der bewegten Bilder wurden Filmvorführungen von Livemusik begleitet. In den 1920er Jahren löste der Tonfilm dank der Erfindung diverser Aufnahme- und Abspielgeräte sein stummes Pendant dann endgültig ab. Doch wie wichtig ist der Ton für den Film? Tragen die Bilder die Story, oder sind gesprochene Worte unabdinglich für das Verständnis? Das wollten wir herausfinden und haben drei Versuchspersonen gebeten, sich folgenden Kurzfilm mit ausgeschaltetem Lautsprecher anzusehen.

A Child Award-winning short film

Fazit: Die Handlung bleibt einigermaßen verständlich, doch die Pointe des Filmes geht verloren. Der Gegenstand unseres Experiments ist ein sehr kurzer Film von fünf Minuten – man kann sich ausmalen, wie sich der Effekt verstärkt, wenn sich die Handlung über 90 Minuten und länger erstreckt und mit Nebenhandlungen und Filmmusik gespickt ist. Wer möchte, kann sich den Kurzfilm nun mit Originalton ansehen und herausfinden, ob die eigenen Spekulationen auch tatsächlich zutrafen.

Autoren:

gina

mary

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„Mittelmaß machen schon alle anderen“ http://wahrer-wortwert.de/mittelmass-machen-schon-alle-anderen/ http://wahrer-wortwert.de/mittelmass-machen-schon-alle-anderen/#comments Mon, 17 Feb 2014 23:25:27 +0000 http://wahrer-wortwert.de/?p=959 Ein Gespräch mit Liane Jessen, Fernsehspiel-Chefin des Hessischen Rundfunks, über gute Drehbücher, gute Tatorte und das Dschungelcamp.

Frau Jessen, was macht einen guten Filmstoff aus? Ist es besser, wenn ein Verlierer mitspielt?

Ja natürlich, kein Mensch interessiert sich für ungebrochene Gewinner. Das was am besten läuft, sind Geschichten von Aufstieg und Fall oder Fall und Aufstieg. Das lieben alle Leute, weil es einem das Prinzip Hoffnung gibt. Und das ist ganz wichtig. Wie dieser wunderbare Film, bei dem Menschen von Feuerland bis zum Nordpol nicht irren konnten: Pretty Woman. Am Ende steht die Botschaft: Hört nie auf an eure Träume zu glauben. Film ist dafür da, wie Literatur, um das Leben zu vervielfachen. Wir haben nur ein Leben. Durch Filme und Literatur können wir Erfahrungen machen, die wir alle in unseren kurzen Leben nicht machen können. Das ist großartig. Jeder der nicht gerne liest und keine Filme guckt, tut mir eigentlich leid, weil er sein Leben sehr eindimensional führt.

Aber sind das nicht nur geliehene Leben?

Ist unser Leben nicht auch nur geliehen? Ich lebe manchmal intensiver in einem guten Buch als im eigenen Leben, wo ich morgens aufstehe, Brote für die Kinder schmiere, einkaufe, zur Arbeit fahre. Aber sonntags liege ich bis mittags im Bett, dann baue ich alle Zeitschriften um mich herum und alle Bücher, mache mir Kaffee und ein tolles Frühstück. So tauche ich manchmal sehr viel intensiver in andere Welten ein, in die Gefühle der Figuren. Sehr häufig haben wir keine Zeit für Gefühle im Alltag.

Liane Jessen, Foto Uli Martin

Liane Jessen, Foto Uli Martin

Braucht ein Drehbuch immer diese Kontraste von Aufstieg und Fall, Gewinnern und Verlierern?

Es gibt ein hervorragendes Buch übers Drehbuchschreiben, das nennt sich „Die Odyssee des Drehbuchschreibers“. Darin wird gesagt, ein Film funktioniert wie eine Reise und ist so aufgebaut: die normale Welt des Protagonisten, die Berufung, die Weigerung, die Begegnung mit einem Mentor, der Turningpoint und so weiter. Das gilt auch für archetypische Figuren: der Held, der weise alte Mann, der Ritter, der Trickser. Das ist interessant, denn es zeigt, dass Grimms Märchen und Fernsehspiele der Degeto vom Aufbau her eigentlich gleich sind. Eines der besten Erzählprinzipien ist das Aschenputtel-Konzept, siehe Pretty Woman. Dieses Prinzip kann man natürlich auch mit einer männlichen Figur erzählen. Solche Filme laufen extrem gut. Dann gibt es noch das Arthouse Kino der jungen zornigen Männer, die diese Strukturen brechen wollen. Nehmen wir einmal den Regisseur Dominik Graf. Filmemacher wie er wollen nicht verführen, unterhalten, einlullen. Ähnlich wie Brecht wollen sie aufrütteln, Grenzen überschreiten, aber trotzdem oben auf dem Treppchen stehen und erfolgreich sein. Sehr populär zu erzählen und dabei Film als Kunst nicht zu verraten, ist fast unmöglich. Man muss für das eine wie das andere einen Preis zahlen. Nur wenige schaffen beides, wie Quentin Tarantino, die Cohen Brothers oder ganz aktuell Steve McQueen.

Sind die Tatorte vom Hessischen Rundfunk eher Pretty Woman oder Arthouse?

Beides. Wir haben 2004 einen Tatort gedreht, der hieß „Herzversagen“. Dieser Film hat den Grimme-Preis gewonnen, die Goldene Kamera und den Deutschen Fernsehpreis. Er hatte eine Quote von über zehn Millionen – als erster Tatort überhaupt. Beim ARD-Jahresranking kam er auf Platz zwei, da stehen sonst nur Fußballübertragungen und die Tagesschau. Es passiert nur ganz selten, dass Relevanz, Gefühl, innovative Erzählung so zusammenpassen. Wenn sonntags um viertel nach acht ein Tatort läuft, dann ist das der Ort, wo wir alles ausprobieren können. Das ist mir ganz wichtig, Genregrenzen zu überschreiten: Arthouse, Schwarz-Weiß, Vor- und Rückblenden, wichtige gesellschaftliche Themen ansprechen. Die Leute gucken es. Ob eine Millionen mehr oder weniger, egal. Das ist wahre Subversion! Besser als das Kleine Fernsehspiel nachts um halb eins.

Sind sie mit dieser Position nicht ein wenig allein in der ARD?

Ja. Aber das macht nichts. Wir sind gerade wieder für den Grimme-Preis nominiert. Der Film „Jack“, eine Koproduktion des Hessischen Rundfunks und Arte, läuft im Wettbewerb der Berlinale. Unsere Tatorte mit Ulrich Tukur waren letztes Jahr auch sehr erfolgreich. Ich mache mir da keine Sorgen. Natürlich versuchen wir jedes Jahr einen Blockbuster zu machen, das gelingt uns auch. Sonst haben wir Quote oder Preise, wobei eine wirklich schlechte Quote haben wir nie. Ich bin im größten Luxus, denn als Festangestellter beim Öffentlich Rechtlichen Rundfunk muss ich keine Angst haben. Wäre ich ein Freier oder Produzent mit vielen Mitarbeitern, dann ist es klar, dass man Kompromisse eingehen muss. In meiner Situation aber bin ich geradezu verpflichtet, zu machen was ich für richtig halte.

Sie haben bereits Morddrohungen erhalten für Ihre Tatorte. Wie steckt man das weg?

Das ist mir relativ egal. Da gehe ich mit meinen Kollegen einen trinken. Das war nach unserem zweiten Tatort mit Ulrich Tukur, der hieß „Das Dorf“. Sie können sich nicht vorstellen, was wir hier teilweise für Mails bekommen. Uns beschimpfen Ärzte, Lehrer, Rechtsanwälte im schlimmsten Fäkaldeutsch. Da denkt man: Im Film wie in der Kunst gab es ständig Grenzüberschreitungen. Aber viele Leute erinnern sich nicht daran. Wir kriegen auch stapelweise unaufgeforderte Drehbücher nach dem Motto: Ich habe früher in Deutsch immer schöne Aufsätze geschrieben. Bei uns bewerben sich übrigens auch echte Kommissare als Ermittler.

Im Frühjahr wird ein Frankfurter Tatort mit insgesamt 47 Toten gesendet. Was erwarten Sie für Reaktionen?

Der Tatort heißt „Im Schmerz geboren“ und ich finde es ist die Apotheose des Tatorts. Manche werden sicher auch schreiben es sei der Abgesang. Der wird bestimmt einige Leute verärgern, weil er über Sprache funktioniert. Der Erzähler spricht nämlich wie Shakespeare. Gleichzeitig ist er eine handelnde Figur. Der Film ist unglaublich spannend, optisch herausragend und ironisch gegenüber dem Tatort-Klischee.

Wie entsteht die Idee für einen erfolgreichen Tatort?

Es klingt etwas überheblich, aber ich finde, dass Erfolg durch harte Arbeit planbar ist. Sie müssen so viel lesen und gucken, wie irgend möglich, ins Theater gehen und die Menschen an der Supermarktkasse studieren. Aus dem Stand heraus Ideen produzieren, das klappt nicht. Wenn ich darauf warten müsste Drehbücher zu bekommen, könnte ich lange warten. Es kommen zwar viele unaufgefordert an, aber wir machen selten etwas davon. Doch noch nie habe ich es in meinen 30 Berufsjahren erlebt, dass jemand mit einer tollen Idee hier hereingekommen ist und sie mir in einem Satz erzählt hat.

Haben Sie ein Beispiel für eine umgesetzte Idee?

Beim Tatort „Herzversagen“ hatte ich zuvor eine Serie im Spiegel gelesen. Es ging um einen jungen Mörder in Paris, der sein Bohème-Leben mit Morden finanziert hatte. Es war sensationell gut geschrieben und ich meinte zu meinen Kollegen, dass wir daraus einen Tatort machen. Oder wir sitzen hier morgens zusammen und erzählen, was wir so erlebt haben. Unsere Besetzungschefin hat mal einer alten Frau geholfen, die sie von der Straße herbeigewunken hat. Das Gebiss der Frau war ihr unters Bett gefallen und meine Kollegin ist also unter das Bett gekrabbelt und hat ihr mit Staubmäusen übersät das Gebiss hevorgeholt. Das haben wir so in einen Tatort mit Andrea Sawatzki eingebaut.

Wie lange dauert es von der Idee bis zum fertigen Drehbuch?

Im Schnitt ein halbes Jahr. Manchmal muss es auch in zwei Monaten gehen, wenn ein Autor nicht in die Pötte kommt, eine Schreibblockade hat oder ausfällt. Dann müssen wir einen anderen anrufen. Wir haben einige Autoren, die sind super gut. Aber die sind dann auch total ausgebucht, denn sowas spricht sich schnell rum. Da muss ich jetzt anfragen, damit sie mir Ende 2015 was schreiben.

Würden Sie nicht mal gern selbst ein Drehbuch schreiben?

Ich will was schreiben, aber kein Drehbuch. Wenn ich etwas schreibe dann einen Roman oder etwas ganz anderes. Keine Drehbücher.

Was sind die Kriterien für den Erfolg?

Manchmal ist es gerade das absolute außer Acht lassen von Erfolg das Rezept. Wie bei Topmodels oder Mode, was gestern hässlich war, ist heute in. Das klassische Abfragen, wer guckt wann was ist sinnlos, denn viele schauen aus Verzweiflung irgendwas und würden gerne was anderes gucken. Aber natürlich gibt es Kriterien für Erfolg: sehr gute Schauspieler, die auch Schauwerte haben, die attraktiv sind. Nebenbei gesagt, funktioniert der Transfer bekannter Gesichter vom Privatfernsehen zu den Öffentlich-Rechtlichen Sendern selten. Natürlich brauchen sie eine Geschichte, die entweder voraussehbar wie Aschenputtel oder ganz rätselhaft ist – das geht beides. Sie muss aber spannend anfangen. Ein sehr guter Kameramann ist wichtig, aber auch eine sehr gute Ausstattung und Kostüme. Das erzeugt den Subtext eines Films. Ein Garant für Misserfolg: Es kommt sehr schlecht an, wenn man merkt, dass sie stark auf den roten Teppich schielen und jeden Preis gewinnen wollen. Im Grunde geht es darum, das Erfolgsstreben maximal zu verschleiern.


Hat das Drehbuch den größten Anteil am Erfolg eines Films?

Sagen wir es so, eine schlechte Geschichte können sie mit einem guten Kameramann und einem guten Schauspieler auf oberes Mittelmaß bekommen, aber nie an die Spitze.

Sie müssen für Ihre Arbeit mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen. Wissen Sie eigentlich, was die Jugend von heute so macht?

Durch meine Kinder bin ich da gut informiert, das wird mir täglich und systematisch beigebracht. Ich habe mit meiner Tochter das „Dschungelcamp“ geschaut, jeden Abend. Wenn zum ersten Mal eine Sendung von RTL „Wetten, dass…?“ schlägt, mit über 8 Millionen Zuschauern, dann hat das weniger mit der Sendung zu tun. Eher mit einem Phänomen. Das „Dschungelcamp“ ist faszinierend. Deswegen muss man sich das angucken, da kann man was von lernen. Es geht gar nicht um die Menschen. Es geht um die Inszenierung. Vor allem das Moderatorenpaar ist sensationell, weil sie die Sendung ironisieren, sich selber und das auf einem so hohen Niveau, dass niemand wirklich beleidigt ist. Die Leute schätzen diesen Spaß und diese Ironie der Sendung. „Wetten, dass…?“ hingegen, möchte ja richtig ernst Spaß machen. Das ist inzwischen anstrengend. Zuhause löse ich schwerste Krisen aus, wenn ich „Wetten, dass…?“ einschalte. Mittlerweile muss ich, wenn ich das mal schauen will, in den Keller gehen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Liane Jessen ist seit Ende 1999 Fernsehspielchefin des Hessischen Rundfunks und dort auch für die Produktion des Tatort Frankfurt verantwortlich. Für sie ermittelten unter anderem schon Andrea Sawatzki, Joachim Król und Ulrich Tukur.

Autor:

mauri

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Buchkritik: “Dieser Mensch war ich – Nachrufe auf das eigene Leben” http://wahrer-wortwert.de/buchkritik-dieser-mensch-war-ich-nachrufe-auf-das-eigene-leben/ http://wahrer-wortwert.de/buchkritik-dieser-mensch-war-ich-nachrufe-auf-das-eigene-leben/#comments Sun, 16 Feb 2014 15:08:46 +0000 http://wahrer-wortwert.de/?p=897 IMG_2057

Was bleibt von uns nach unserem Tod? Wie schauen wir rückblickend auf unser Leben, wenn wir wissen, dass uns nicht mehr viel Zeit bleibt? Wie möchten wir von anderen in Erinnerung behalten werden?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich Christiane zu Salm in ihrem Buch „Dieser Mensch war ich – Nachrufe auf das eigene Leben“. Bei der Suche nach dem „wahren Wert von Worten“ stieß ich auf die Autorin und ihr Buch. Im Detail beinhaltet das Buch, wie der Titel bereits aussagt, vor allem eine Ansammlung mündlicher Nachrufe auf das eigene Leben von Hospizbewohnern. Christiana zu Salm dokumentierte diese.

 

Beim Lesen fällt besonders die unglaubliche Offenheit auf, mit der die Menschen von ihrem Leben erzählen. Es geht um verpasste Chancen, aber auch um die Überzeugung, vieles richtig gemacht zu haben. Es geht um die Angst vorm Sterben aber auch um die Überzeugung, mit reinem Gewissen das Leben zu verlassen. Allgemein sind es keine Stereotypen, die über ihr Leben berichten, sondern alles miteinander Menschen mit Charakter und Persönlichkeit.
Dennoch: Viele von ihnen quälen Fragen, die (leider) nie beantwortet werden, und die sie zwangsläufig mit in ihren Tod nehmen werden müssen:

Ein sterbenskranker Mann möchte wissen, ob sein bereits verstorbener Vater stolz auf ihn gewesen ist. Er ist sich unsicher, hatte aber nie den Mut, diesen zu Lebzeiten darauf anzusprechen. Eine todkranke Kassiererin wiederum quält die Frage, warum ein Kunde Abend für Abend vorbeikam und Klopapier kaufte. Eine Lappalie, aber für sie ungemein wichtig.

Mir fiel es beim Leser häufig schwer, das Buch aus der Hand zu legen, und noch häufiger, es an bestimmten Stellen weiterzulesen, weil ich tief betroffen war.
Automatisch begann ich nach den ersten Geschichten damit, mein eigenes Leben zu überdenken und ein Resümee zu ziehen: „Wie würde mein Nachruf auf mein eigenes Leben aussehen, wenn ich jetzt sterben müsste?“ Welche Chancen habe ich verpasst? Welche Ziele aus den Augen verloren?

Unabhängig von der großen Emotionalität, die in jeder einzelnen Geschichte zu finden ist, vermitteln die Niederschriften auch viel Verständnis. Man lernt unterschiedlichste Lebenseinstellungen kennen und bekommt ein Gespür dafür, wie die Portraitierten ein erfolgreiches Leben definieren, welche Ideale sie verfolgen und wie sie sich im gesellschaftlichen Kontext sehen. Es ist also vielmehr eine Ode an das Leben, als eine Ode an den Tod.

 

In diesem Zusammenhang empfehle ich das Buch jedem, der sich grundsätzlich für verschiedene Denkmuster über den Sinn des Lebens interessiert, und jedem, der diese Denkmuster als Erinnerungsanstoß für sein eigenes Leben gebrauchen kann.

Autor:

paulmp

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Schreiben ohne Bezahlung: 3 Hobby-Schriftsteller erzählen http://wahrer-wortwert.de/schreiben-ohne-bezahlung-3-hobby-schriftsteller-erzaehlen/ http://wahrer-wortwert.de/schreiben-ohne-bezahlung-3-hobby-schriftsteller-erzaehlen/#comments Sun, 16 Feb 2014 11:16:02 +0000 http://blogs.hr-online.de/wahreworte/?p=510 Im ersten Teil habe ich mir allgemein die Frage gestellt, was Menschen dazu antreibt, ihre selbst verfassten Texte kostenlos in Online-Schreibforen einzustellen. Im zweiten Teil frage ich drei Schreiberlinge ganz konkret nach ihren Motivationen.

Schreiben am Laptop

Foto: Corinna Schuster

Sonja alias sacredZinja schreibt überwiegend Lyrik, die sie in verschiedenen Foren einstellt. Aber auch Kurzgeschichten aus dem Genre Märchen oder Fantasy kann man von ihr online lesen. Was sie dafür zurück bekommt? Mitgefühl, Anerkennung, Hilfestellung, Ermutigung und Meinungen.

 Warum stellst du deine Texte ins Internet?

Es geht darum, dass andere meine Texte lesen können. Wobei ich auf deviantArt auch ein wenig „Marktforschung“ betreibe. Zu sehen, welche Texte sofort Comments bekommen, ist schon sehr interessant.

Könntest du dir denn vorstellen, allein mit der Textproduktion dein täglich Brot zu verdienen?

Wenn ich irgendwann soweit komme, dass ich mit der Schreiberei genug verdiene, dann würde ich meinen jetzigen Job als Psychologin vermutlich trotzdem nicht komplett aufgeben, weil ich ihn mag. Aber schön wäre, wenn ich in beiden Bereichen unabhängig genug bin, die Zeit so zu verteilen, wie ich möchte.

 

 

 

Der Fantasy-Schreiber EINsamer-wANDERER hat auf deviantArt eine Gruppe gegründet, bei der sich deutschsprachige Mitglieder gegenseitig ihre Texte vorstellen. Gegenleistungen erwartet er dafür nicht, bekommt aber dennoch Lob und Anerkennung für seine Texte.

Seit wann schreibst du und aus welchen Gründen ?

Kurz nach meinen siebzehnten Geburtstag trat bei mir ein zwanghaftes Verhalten an den Tag, dass bis heute anhält und mich antreibt. Es ist ein Bedürfnis nach Ausdruck, das sich im Schreiben manifestiert. Ich weiß nicht, woher es kommt. Wahrscheinlich von einem tiefen Schmerz, den ich selbst nicht begründen kann.
Zwei Wochen später war mein erster Text fertig und aus einer Neugierde heraus schickte ich ihn zum Online-Magazin Geisterspiegel. So fing alles an.

Du leitest die Gruppe „deutsche Dichter“ auf DeviantArt. Warum ist der Aufwand das wert?

Mir ist die Gruppe wichtig, um damit den Zusammenhalt der Community auf dieser Website zu stärken und dadurch ein ständiges Geben und Nehmen im Bewusstsein der Autoren zu verankern. Dafür ist mir jeder Aufwand recht.

Wenn dir jemand Geld dafür bieten würde, würdest du es annehmen?

Nein, ich würde es nicht annehmen, da ich dadurch das Gefühl hätte, meine eigene Seele zu prostituieren.

 

Schreiben in einem Schreibforum

Foto: Corinna Schuster

Jan alias Thinking-Silence schreibt über sehr tiefgründige Themen wie Psychologie, Selbstwahrnehmung und Weisheitssuche.

Als Gegenleistung für das kostenlose Online-Stellen nennt er Lob und Anerkennung, Feedback und Kritik, Verständnis, philosophische Gespräche und die Anregung zu neuen Gedanken.

Dein Name klingt schon sehr philosophisch. Über was schreibst du und wo veröffentlichst du deine Texte?

Neuerdings schreibe ich zum Beispiel an einem dystopischen Roman, weil ich der Ansicht bin, dass diese Gesellschaft in eine wirklich schlimme Richtung steuert und dabei ist, jegliche Moral und Werte zu verlieren.
Die Texte sind entweder privat und werden nur an wenige Freunde weitergegeben. Oder ich veröffentliche sie auf meinem Blog. Hier sorge ich allerdings nicht dafür, dass viele Leute es lesen, das ist mir nicht so wichtig.

Seit wann schreibst du und was war der Anlass, damit anzufangen?

Ich schreibe eigentlich seit ich 17 Jahre alt bin. Damals habe ich angefangen, meine Gefühle in Gedichten zu verarbeiten, weil ich viel zu schüchtern war, um mit anderen darüber zu reden.
Aber nicht einmal 5 % von meinen Texten sind im Internet, gerade weil das meiste sehr persönlich ist und daher nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

Wenn dir jemand Geld fürs Schreiben bieten würde, würdest du es annehmen?

Wenn er meine Ideen verbreiten möchte, würde ich das eventuell annehmen. Wenn er damit Geld verdienen möchte und mir gleichzeitig weismachen wollte, dass ich daran auch verdienen könnte, so würde ich ihn davonjagen.

Deine Worte haben also einen ganz persönlichen Wert für dich.

Ich nutze meine geschriebenen Worte gerne zur Selbst-Reflexion, indem ich ältere Texte später wieder lese und analysiere, wie ich mich verändert habe und was ich damals gedacht habe. Dabei musste ich Folgendes des Öfteren feststellen: „Die Worte von gestern werden dich morgen beschämen.“

 

Du bist auch (Hobby-)Fotograf. Wo ist für dich der Unterschied, ein Bild zu verkaufen oder einen Text?

Da ich nun bereits einen enormen Pool an Fotos zusammen habe, ist es immer ein schönes Gefühl, wenn jene alten Werke wieder wertgeschätzt werden und ich da gar nichts mehr für tun muss. Texte verkaufe ich eigentlich nicht, sie sind für mich weniger Kunst und vielmehr private Gedanken oder Erkenntnisse. Würde ich Romane schreiben, sähe das aber sicher anders aus.
Bei Fotos teile ich Eindrücke mit der Welt, bei Texten sind es eher Gedanken.

Und welches Medium wird von den Rezipienten deiner Meinung nach als wertvoller angesehen?

Die Fotos werden eindeutig mehr geschätzt, zumal sie ja auch zum Großteil öffentlich sind. Mein Fokus wird sich aber in Zukunft ein wenig verschieben, sodass ich mehr Zeit zum Schreiben (und Lesen) aufwenden werde, und weniger zum Fotografieren. Das wird vielen Leuten nicht passen. Aber es wird mir helfen, meine Kreativität niemals von Beliebtheit oder von anderen Menschen abhängig zu machen.

Autorin:

Corinna

 

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Text Wert Worte Spielen http://wahrer-wortwert.de/text-wert-worte-spielen/ http://wahrer-wortwert.de/text-wert-worte-spielen/#comments Thu, 13 Feb 2014 11:19:19 +0000 http://wahrer-wortwert.de/?p=888 Beruf Schauspieler. Bedeutet das, den lieben langen Tag die Worte anderer zu interpretieren? Ist das so? Wie funktioniert das? Und geht es manchmal nicht auch ohne Worte? 3 Schauspielschüler, 7 Fragen, x Antworten.

Autoren:

katharina

vanessa

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Unpassende Hashtags http://wahrer-wortwert.de/unpassende-hashtags/ http://wahrer-wortwert.de/unpassende-hashtags/#comments Tue, 11 Feb 2014 22:58:23 +0000 http://wahrer-wortwert.de/?p=838 Unfassbar unpassende Hashtags #unangebrachtesverhaltenforlikes

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Autoren:

maren

tanja

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Die unmöglichsten Arten von Hashtaggern http://wahrer-wortwert.de/unmoegliche-hashtagger/ http://wahrer-wortwert.de/unmoegliche-hashtagger/#comments Tue, 11 Feb 2014 22:40:31 +0000 http://wahrer-wortwert.de/?p=834 Der Hashtag – Ein seltsames, praktisches und zugleich nerviges Element das im letzten Jahr zu unfassbarem Ruhm gelangt ist. An und für sich nur ein Stichwort (engl.: tag), das uns gemeinsam mit der Raute (engl.: hash) gleichermaßen hilft und behindert, die riesigen Datenmengen des Internets zu fassen.

Sicherlich sind Hashtags durchaus nützlich. Sie helfen uns dabei, Großereignissen (z.B. der Bundestagswahl #btw13) zu folgen, gemeinsam mit Tausenden Zuschauern den Tatort zu loben oder zu zerreißen, sie helfen uns Beiträge zu filtern, wenn wir etwas Bestimmtes suchen und mit Gleichgesinnten in Kontakt zu treten. Nehmen wir mal an, Sie möchten eine Reise nach Indien wagen. Um im Voraus einen kleinen Einblick zu kriegen, suchen Sie nach #indien. Dort finden Sie dann Bilder von Sehenswürdigkeiten, typischem Essen, einheimischen Bräuchen und überraschend viele Selfies von Leuten, die nicht wirklich wie Inder aussehen – doch dazu später mehr.

Hashtags sind ja eigentlich super.
Angefangen hat es mit ihnen im Jahr 2007 auf dem Microbloggingdienst Twitter. Doch obwohl es das Tool seit nunmehr fast sechs Jahren gibt, boomte der Gebrauch von Hashtags erst im vergangenen Jahr so richtig: Facebook, Instagram, Pinterest und Google+ bieten mittlerweile alle die Funktion an, seine Beiträge mittels Hashtags zu markieren. Sogar einzelne TV-Shows werden von ihren Machern mit eigenem Hashtag versehen und bieten somit den Zuschauern einen virtuellen, interaktiven Ort, an dem sie sich miteinander austauschen und neue Informationen zu der TV-Show bekommen können.

Anderer Meinung ist Raplegende Jay-Z, der auf seinem neuesten Album die Zeile: “Fuck hashtags and retweets!” verlauten lässt. Und auch wenn ich Hashtags als primäres Organisationstool und für den ein oder anderen Gag durchaus akzeptabel finde, spricht Jay-Z mir doch aus der Seele. Grund dafür ist der schamlose Missbrauch von Hashtags. Ein Selfie mit #banana, das Holocaustdenkmal mit #fun, oder einfach #alles # hashtaggen #was #einem #gerade #so #einfällt, entspricht nicht dem Grundgedanken von Hashtags und behindert schlichtweg die Nutzung von Hashtags als Themenfilter.

Bereits Justin Timberlake und TV-Host Jimmy Fallon machten sich in einem Video über die inflationäre und durchaus skurrile Nutzung von Hashtags lustig:

Um meinem Unbehagen gegenüber der heutigen Nutzung von Hashtags Ausdruck zu verleihen, stelle ich nun sieben verschiedene Typen von Hashtaggern vor. Bei all diesen Typen wünsche ich mir, dass ähnlich wie in Jimmy Fallons Video, der Drummer Questlove die Szenerie stürmt und mit einem „Guys? #shutthef*ckup“ versieht.

Nummer 1:
Der „Alles ist ein Hashtag“-Hashtagsetzer

Der „Alles ist ein Hashtag“-Hashtagsetzer setzt seine Markierungen frei nach dem Motto #alles #ist #ein #hashtag. Eine naheliegende Schlussfolgerung, da man relativ häufig (und ich meine nie) auf die Idee kommt, nichtssagende Füllwörter wie #würde, #war, #aber, #der, oder #nur zu suchen. An dem „Alles ist ein Hashtag“-Hashtagsetzer ist also eindeutig der Zug vorbeigegangen, in dem die Leute saßen, die ihm erklärt hätten, dass er auch einen normalen Satz schreiben kann, in dem er nur die aussagekräftigsten Wörter hashtaggt.

Nummer 1 (1)_Nummer 1 (2)

Nummer 2 (und ebenfalls ein wahres Genie):
Der „unfassbarlustigeundunfassbarlange“-Hashtagsetzer

Dieser Typ von Hashtaggern gehört zu den ganz Kreativen und etabliert sich auf seinen Social-Media Profilen a lá #heutzutagekannjajederstandupcomediansein. Was nicht nur unschön zu lesen ist und immer wieder für Verwirrungen beim Lesen sorgt, ist auch hier wieder absoluter Nonsens, da die Hashtags in keinster Art und Weise zur Themenfilterung beitragen könnten. Wenn ich nun meine Urlaubsreise nach Bali plane, dann ist es für mich logischer von Vornherein #bali einzugeben, anstatt #yoleutebaliissonice30gradwaslos.

Nummer 2 (1)_Nummer 2(2)

Nummer 3 (da ich gerade auf die Urlaubsreisen zu sprechen kam):
Der Länder-Hashtagsetzer

Dass ein Mensch heutzutage viele Ethnien besitzen kann, ist allgemein bekannt. Auf Instagram ist es häufig der Fall, dass Menschen ihre jeweilige Ethnie oder ihr Herkunftsland taggen. Das kann man machen und es leuchtet mir in gewisser Weise noch ein. Ich sollte erwähnen, dass es sich nicht um Bilder von Weltkarten handelt, sondern tatsächlich wieder einmal um Selfies. Doch ein Bild von einer Person mit fast 30 Ländern zu taggen, will mir nicht in den Kopf gehen. Wenn ich es mir erklären will, könnte die Person auf dem Bild beispielsweise gerade in einem der Länder sein, sie ist in einem anderen der Länder aufgewachsen, die Eltern kommen jeweils aus verschiedenen Ländern. Trotzdem gehen mir dann die Erklärungen für die anderen knapp 25 Länder aus. Fast genauso sinnvoll wie #hashtag.

Nummer 3

Nummer 4:
Der „Ich hashtagge einfach alles was mir grade einfällt“-Hashtagsetzer

Stellen Sie sich vor, Sie möchten etwas kochen, doch wissen nicht genau was. Eventuell kann Ihnen Instagram ja weiterhelfen, indem Sie die App benutzen, um gezielt nach #essen, einem #rezept oder einer bestimmten Zutat zu suchen. Wenn allerdings bei #banana das Selfie eines fremden Mannes erscheint, vergeht mir schnell der Appetit. An dieser Stelle möchte ich, wie natürlich den ganzen Artikel über, die Frage nach dem „Wieso nur? Wieso?“ in Ihre Gedächtnisse rufen. Ebenso gut könnte ich in diesem Moment auch ein Selfie von mir schießen und es mit #golfball #krone #kopfhörer taggen. #hä

Nummer 4

Zugegebenermaßen, bis zu diesem Punkt kann ich alles an sinnlosen und skurrilen Hashtags noch irgendwie tolerieren. Die letzten drei Arten von unmöglichen Hashtagsetzern allerdings lassen mich zu Jay-Z und Questlove in einer Person werden.

Nummer 5:
Der bedürftige Hashtagsetzer

#followmefollowback #likeforlike #likeforshoutout #shoutoutforshoutout blablabla! Mittlerweile gibt es sogar Apps, die speziell dafür konzipiert wurden, um standardisierte Auflistungen von Hashtags zu generieren. Diese versprechen den Nutzern reihenweise Abonnenten, Likes und Kommentare für ihre Bilder. Diese Form der Bedürftigkeit nimmt dank Instagram unheimliche Ausmaße aus. Sucht man beispielsweise nach #likeforlike wird man auf Instagram von unfassbaren 50267164 Beiträgen (mal wieder größtenteils Selfies) erschlagen.

Nummer 5

Nummer 6:
Der eingebildete Hashtagsetzer:

Auch hierfür gibt es wieder Apps, welche die Hashtags automatisch erstellen, die die User dann mit Copy and Paste unter den eigenen Selfies platzieren. Natürlich ist ein gesundes Selbstbewusstsein eine lobenswerte Eigenschaft. Doch der Grat zwischen starkem Selbstbewusstsein und Arroganz ist schmal. Dass man diesen Grat weit überschreitet wird allein schon mit der Zusammenstellung der Hashtags #me #cute #model #gorgeous #stunning deutlich.

Nummer 6

Nummer 7 (und wahrscheinlich der schlimmste von allen):
Der unangebrachte Hashtagsetzer:

Jugendliche, die in Berlin im Holocaustdenkmal posieren. Ich weiß nicht, ob ich wirklich noch eine große Standpauke darüber halten soll, auf wie vielen Ebenen die Zusammensetzung der gewählten Hashtags unpassend ist. #holocaustdenkmal #liebe #fun #loooove. Hier kann ich nur noch den Kopf schütteln, und hoffen, dass die Kleinen recht bald von ihrem Geschichtslehrer im Holocaustdenkmal abgeholt werden. Höchstwahrscheinlich beziehen sich die Hashtags auf die beiden und ihre niemals endende Freundschaft #bff. Dass das trotzdem wirklich nicht in Ordnung ist, da das Holocaustdenkmal nicht als Ort für Selfies, Spaß und Poserei gedacht ist, sondern als Gedenkstätte, lässt mich sowohl an den Jugendlichen als auch an ihren Geschichtslehrern zweifeln.

Nummer 7

Autorin:

maren

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Folgen eines Herrenwitzes http://wahrer-wortwert.de/folgen-eines-herrenwitzes/ http://wahrer-wortwert.de/folgen-eines-herrenwitzes/#comments Tue, 11 Feb 2014 00:43:15 +0000 http://wahrer-wortwert.de/?p=799 FDP- Bundesvorstand

Anfang 2013 bestimmte die „Sexismusdebatte“ die Schlagzeilen in Deutschland. Ausgelöst durch einen Spruch des FDP-Politkers gegenüber der Journalistin Laura Himmelreich wurde in der Folge in jeder großen Talkrunde über das Thema debattiert. Das Thema wurde auch von namhaften Zeitungen in Europa und den USA aufgegriffen. Es bildeten sich schnell verschiedene gemischtgeschlechtliche Gruppierungen. Manche, die die Debatte für richtig und wichtig hielten, die möglicherweise selbst auch schon mit sexueller Belästigung konfrontiert wurden und die, die Journalistin unterstützen. Andererseits auch Menschen, die die Diskussion auf die Frustration einer Männer hassenden Journalistin/Feministin zurückführten und dem „Stern“ vorwarf, einen Politker bewusst nieder zu schreiben, obwohl dieser ja aus ihrer Sicht nichts getan hatte.

Auf wessen Seite man sich in dieser Diskussion stellen möchte ist jedem selbst überlassen. Wie nachhaltig die Debatte Brüderle im Wahlkampf geschadet hat, ist wohl genauso wenig zu klären, wie die Frage nach positiven Auswirkungen der Diskussion. Nachstehend die Ereignisse und die Folgen von Brüderles Worten zusammen gefasst.

5. Januar 2012 – Am Tag vor dem offiziellen FDP-Dreikönigstreffen in Stuttgart treffen sich Rainer Brüderle und die Stern-Journalistin Laura Himmelreich an einer Hotelbar für ein Interview. Im Laufe des Abends wird Brüderle zu Frau Himmelreich sagen: „Sie können ein Dirndl auch ausfüllen.“

21. Januar 2013 – Parteichef Rösler bietet Brüderle sein Amt als FDP-Parteivorsitzender an; dieser lehnt ab. Brüderle geht jedoch als FDP Spitzenkandidat in den Wahlkampf.

24. Januar 2013 – Stern-Porträt „Der Herrenwitz“ über Rainer Brüderle erscheint. Das über ein Jahr zurückliegende Treffen zwischen ihm und Himmelreich wird zum „Tatort“. Brüderle wird von der Journalistin als Säufer und Sexist dargestellt.

Am gleichen Tag richtet die Netzfeministin Anne Wizorek mit anderen jungen Frauen bei Twitter den Hashtag #aufschrei ein. Der Hashtag löst eine Lawine von Geschichten verschiedener Frauen aus, die sich im Alltag verschiedenster Übergriffe ausgesetzt sehen und diese als sexistisch empfinden.

27. Januar 2013 – der Hashtag kommt auf über 57.000 Twitter-Nachrichten, von denen aber nicht alle das Anliegen der Initiatorin unterstützten.

28. Januar 2013 – Günther Jauch diskutiert in seiner Talkshow unter anderem mit Anne Wizorek, Alice Schwarzer und dem Stern-Chefredakteur Thomas Osterkorn. Ergebnis: „Sexuelle Belästigung empfindet jeder unterschiedlich.“ Laura Himmelreich lehnt die Einladung zur Talkrunde ab.

30. Januar 2013 – Die erste öffentliche Begegnung zwischen Himmelreich und Brüderle bei einem Pressetermin in Berlin. Brüderle vermeidet eine öffentliche Klarstellung: „Ich habe mich bisher nicht zu dem Thema geäußert und werde das auch nicht tun. Ich bitte einfach, meine persönliche Entscheidung zur Kenntnis zu nehmen“

In der ZDF-Talkshow “Markus Lanz” wird öffentlich diskutiert, wer Opfer und wer Täter ist. Der Kulturjournalist Matthias Matussek kritisiert den angewendeten journalistischen Standard wie folgt: „Sind Sie nicht zu alt für so einen Spitzenjob? Und da ist er natürlich gefordert als Mann und will beweisen, dass er nicht zu alt ist. Sie hat ihn angesprochen.“ Laura Himmelreich lehnt die Einladung zur Talkrunde ab.

31. Januar 2013 – Im ARD-Deutschlandtrend verliert der Spitzenkandidat der Liberalen für den Bundestagswahlkampf im Vergleich zu Anfang Januar neun Punkte und kommt nur noch auf eine Zustimmung von 28 Prozent.

Februar/März 2013 – Bundespräsident Gauck bezeichnet die Affäre in einem Gespräch mit dem Spiegel als „Tugendfuror“.

Brüderles Parteifreundin und damalige Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger äußert sich ebenfalls zu den Vorwürfen: „Ein Kompliment ist doch was anderes, als wenn jemand tatsächlich übergriffig ist.“

Der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki wirft dem „Stern“ vor, Brüderle politisch schaden zu wollen: „Bislang waren abendliche Gespräche ob beim Essen oder nach einem Parteitag an der Hotelbar ein durch Vertraulichkeit geschützter Bereich.“

21. Juni 2013 – #aufschrei wird mit dem „Grimme Online Award“ in der Kategorie „Spezial“ ausgezeichnet. Begründung: Keine, in einem sozialen Medium angestoßene, öffentliche Diskussion stieß zuvor auf ein derart breites Echo in Medien und Politik.

22. September 2013 – Bei der Bundestagswahl 2013 scheitert die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde.

22. Oktober 2013 – Rainer Brüderle scheidet aus dem Deutschen Bundestag aus.

Heute: Der #aufschrei ist nach wie vor aktiv. Eine repräsentative Umfrage für „ZEIT ONLINE“ hatte jedoch zum Ergebnis, „dass eine klare Mehrheit der Deutschen angibt, trotz der Sexismus-Diskussion von vor einem Jahr nicht über das eigene Verhalten gegenüber dem anderen Geschlecht nachgedacht zu haben.“

Rainer Brüderle ist Ehrenvorsitzender der FDP in Rheinland-Pfalz, erhebt laut eigener Aussage in der Bundespartei seine Stimme für liberale Grundsätze ohne jedoch ein Amt anzustreben.

Autoren:

frank

benny

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Wahre Worte?! http://wahrer-wortwert.de/wahre-worte/ http://wahrer-wortwert.de/wahre-worte/#comments Mon, 10 Feb 2014 12:25:39 +0000 http://blogs.hr-online.de/wahreworte/?p=743 Seit sieben Jahren schreibt Selim Zillich-Ünal Gedichte. Er ist Autor des 2013 erschienenen Gedichtebandes „Gedichte-edichte-dichte“ und nimmt immer mal wieder an Wettbewerben teil, das Dichten ist für ihn allerdings noch mehr ein Hobby als ein Beruf. Wir sind froh, mit dem Archäologiestudenten und seinem Gedicht mit dem passenden Titel „Wahre Worte?!“ eine tolle Eröffnung für unsere Projektpräsentation „Vom wa(h)ren Wert der Worte“ gefunden zu haben.

 Link zur Slideshow: Wahre Worte?! 

Im Interview erzählt Selim, warum die Dichtkunst ihm solchen Spaß bereitet und wie er dazu gekommen ist.

Selim Zillich-Ünal

Selim Zillich-Ünal

Was hat dich dazu gebracht, Gedichte zu schreiben?

Ich habe damit angefangen, weil meine Gedanken mich nicht losgelassen haben – das war immer sehr nervtötend, die mit sich herum zu tragen. Dann hab ich angefangen, die Dinge auf Papier zu schreiben und es hat einfach geholfen, das loslassen zu können.

Wie lässt du dich inspirieren?

Das können manchmal ganz banale Dinge sein wie zum Beispiel eine Zugfahrt. Da passieren auch sehr lustige Dinge. Oder ich hör irgendwas im Radio, sehe was im Fernsehen und davon werde ich inspiriert oder ich kann mich daran aufhängen. Dann komm ich auf Ideen und die entwickeln sich dann weiter und kommen dann zu Papier.

Was ist das für ein Gefühl, auf der Bühne zu stehen und Gedichte vorzutragen?

Es ist ein sehr interessantes Gefühl. Erstmal hat man natürlich ein bisschen Lampenfieber, wie bei allen Dingen, die auf der Bühne passieren. Man gibt etwas von sich preis, man zeigt seine nackten Gefühle und das ist eine Überwindungssache. Wenn man die aber überwunden hat und auf der Bühne ist und seinen Flow gefunden hat, dann kommt es auch beim Publikum an – wenn man möglichst mit Gefühlen arbeitet und nicht versucht, irgendetwas zu spielen, denn das funktioniert nicht.

Wie zeigt das Publikum seine Anerkennung?

Da muss man nur in die Gesichter schauen. Entweder sie (die Zuschauer) sind auf den Kopf gestoßen, weil sie mit etwas nicht gerechnet haben oder sie sind begeistert und ihre Augen leuchten, weil sie eine Passage richtig cool finden. Aber es gibt auch Momente, wenn sie ihre Augenbrauen zusammenziehen und man weiß, dass es nicht so gut angekommen ist. Ich denke, nicht jeder kann auf jeden Text anspringen.

Selim Zillich-Ünal: Hände

Selim Zillich-Ünal

Ist dir diese Anerkennung wichtig oder stehst du aus anderen Gründen auf der Bühne?

Mit den Gedichten verbinde ich schon sehr viel. Es hat auch dazu beigetragen, dass ich mich in meiner Persönlichkeit gefestigt habe und dass ich mich selbst reflektieren konnte. Ein bisschen Autor steckt ja in jedem Gedicht. Das kommt bei den Leuten ganz gut an, wenn man seine Gefühle preisgibt. Wenn sie sagen “Voll cool!” gibt einem das natürlich etwas zurück – da gewinnt man auch viel draus.

Gibt es Worte, die wirkungsvoller sind als andere?

Worte können auch viel zerstören. Wenn Worte aufgebauscht werden oder man besonders auf dieses Wort pocht oder es besonders geil findet, dann verliert es seine Wirkung. Worte, die eine besondere Wirkung hervorrufen und eine Stimmung erzeugen, sind die, die nicht gesagt werden. Diese kann man dann auch wieder mit einem Wort beschreiben, aber die besondere Atmosphäre schafft man nicht mit einem Wort.

Benutzt du ein bestimmtes Wort besonders häufig?

Ja, es gibt ein Wort, das ich sehr häufig verwende: “Massen” oder “massenhaft”. Keine Ahnung, wie ich auf dieses Wort gekommen bin und warum ich das auch so oft in Gedichten verwende. Jemand hat mal gesagt, ich soll das bitte wegstreichen. Massenhaft, das klingt immer so abgedroschen und wahrscheinlich klingt das auch so. Ich bin nicht unbedingt stolz auf dieses Wort und vielleicht streiche ich es auch irgendwann aus meiner Wortkette.

Selim Zillich-Ünal: Hände

Selim Zillich-Ünal

 

Geht es in deinen Texten mehr darum, dich selbst von deinen Gedanken los zu machen oder willst du den Zuhörern auch etwas geben?

Sowohl als auch. Erstmal natürlich um einen klaren Kopf zu bekommen, um sich nicht mehr damit auseinander setzen zu müssen. Das klingt jetzt so negativ – es ist nicht so, dass ich meine Gedichte als Müllhalde benutzen würde. Da bleibt schon was hängen und wenn man das später nochmal liest, dann findet man das auch gut. Anderen Menschen möchte ich vielleicht eine kleine Stütze geben, eine Anregung, mal über Sachen nachzudenken. Nicht immer alles hinzunehmen und einfach mal Fragen zu stellen.

Gibt es sonst noch etwas, was du gerne los werden möchtest?

Ja, vielleicht. Ich finde, jeder Mensch kann schreiben. Es gibt immer Leute, die sagen: Ich kann das nicht, ich kann keine Gedichte schreiben… Wieso? Lyrik fängt da an, wo es aufhört: nämlich beim Wort. Und wenn man Wörter aneinanderreiht und sie in Versform bringt, ist das nichts anderes als Lyrik. Ob die sich jetzt reimen oder nicht, egal. Ich finde, das kann jeder. Wozu haben wir die Sprache, wenn wir sie nicht nutzen. Jeder sollte sich animiert finden, was zu schreiben, egal in welcher Form.

 

 

 

Autoren:

Lea

simon

Corinna

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How I Met Goethe http://wahrer-wortwert.de/how-i-met-your-goethe/ http://wahrer-wortwert.de/how-i-met-your-goethe/#comments Mon, 10 Feb 2014 11:34:11 +0000 http://blogs.hr-online.de/wahreworte/?p=774 Viele kennen die moderne amerikanische Erfolgsserie “How I Met Your Mother“. Die meisten haben auch in der Schule Johann Wolfgang von Goethes Werk „Faust“ gelesen. Die Charaktere der TV-Serie sprechen locker-flockige Alltagssprache, ihre Dialoge sind unterhaltsam, der Humor deftig. Die Figuren aus der Faust-Tragödie hingegen reden in Versen, benutzen eine gehobene, dichterische, ja, gar anmutige Sprache. Nicht umsonst ist Goethes Drama das meist zitierte Werk der deutschen Literatur.

Aber was geschieht, wenn man beides kombiniert? Lassen sich Goethes Verse auf moderne Fernsehkomik übertragen? Wie viele Gags bleiben erhalten? Können wirklich alle Dialoge inhaltlich passend „synchronisiert“ werden? Das Ergebnis präsentieren wir hier: Eine Sitcom des 21. Jahrhunderts angereichert mit Dialogen aus dem 19. Jahrhundert. Goethe hätte sicher mitgelacht. Pardon – er hätte sich vorzüglich amüsiert.

Autoren:

anna

julia

sonjap

Lea

paulsw

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Heilung durch Worte – Ein Interview mit Jörg Henkel http://wahrer-wortwert.de/heilung-durch-worte-ein-interview-mit-joerg-henkel/ http://wahrer-wortwert.de/heilung-durch-worte-ein-interview-mit-joerg-henkel/#comments Sun, 09 Feb 2014 14:18:14 +0000 http://blogs.hr-online.de/wahreworte/?p=729 Stress, Depressionen, Burnout – diese Stichworte sind in den Medien mit einer fast schon störenden Häufigkeit anzutreffen. Wenn die Seele nicht gesund ist, wird auch der Körper krank. Doch sich gesund reden – ist das überhaupt möglich? Wir sprachen mit dem Heilpraktiker Jörg Henkel über die Wirkung von Worten und über die Frage, warum Worte allein nicht viel ausdrücken.

Heilpraktiker Jörg Henkel

Heilpraktiker Jörg Henkel

Inwieweit hat der Beruf des Heilpraktikers mit Worten zu tun?

JH: Worte schaffen Vertrauen. Man muss als Behandler in der Lage sein, gut zu kommunizieren, damit der Patient sich wohl fühlt. Es ist ganz wichtig herauszuhören, welche Worte der Patient wählt, wie er etwas sagt und wie er sein Leiden beschreibt.
Zuhören ist die erste Basis, die zweite Basis ist, die richtigen Fragen zu stellen. Das ist eine Kunst und es bedarf einer gewissen Erfahrung, um das richtig zu machen.

Wie kommen Sie mit Patienten ins Gespräch?

JH: Das kommt ganz auf den Patienten an. Ist er zum ersten Mal da oder hat er schon mehrere Behandlungen hinter sich? Ist die Person gestresst oder entspannt? Man muss sie in dem Zustand abholen, in dem sie sich befindet. Von da aus gibt es verschiedene Behandlungswege.

Die Patienten kommen ja nicht „nur zum Reden“, sondern oft auch, um körperliche Beschwerden behandeln zu lassen. Wie passt das zusammen?

JH: Auch hier muss man ja erst einmal zuhören, woran derjenige leidet. Wenn jemand mit Beschwerden kommt, hat er erstmal was zu erzählen. Worte sind immer eine Einleitung, wenn es um physische Probleme geht. In unserer Praxis ist es wichtig, mit Berührungen zu arbeiten, denn sehr viel kann man ertasten. Den Zustand der Wirbelsäule und der Organe zum Beispiel, oder Verspannungen. Da ist Tasten ganz wichtig. Es ist eine Kommunikation ohne Worte, die aber von Worten begleitet werden muss, um ins Bewusstsein des Patienten zu gelangen.

Das heißt, dadurch dass der Patient über sein Leiden spricht, merkt er, wo es zwickt oder was ihn belastet?

JH: Ich gebe mal ein ganz einfaches Beispiel: Ein Patient kommt mit Schmerzen in der Schulter und im Arm. Der Patient schildert mir seine Beschwerden, aber das ist noch keine Diagnose. Diese entsteht erst, indem ich den Patienten berühre und dadurch ertaste, wo die Schmerzen herkommen. Vielleicht zieht es ja aus der Hüfte in den Arm, und das war dem Patienten gar nicht bewusst. Es ist wichtig, dabei auf seine Empfindungen zu achten. Der Klient muss an der Behandlung teilnehmen. Seine Wahrnehmung muss durch Fragen gelenkt werden.

Können Worte auch negativ wirken?

JH: Die Wortwahl ist in der Behandlung sehr wichtig. Das Wort „nicht“ wird in der Kommunikation nachweislich nicht abgespeichert. Das heißt, es ist ein Unterschied, ob ich sage: das ist schlecht gelungen oder das ist nicht gut gelungen. Dafür schwingt das Wort „gelungen“ positiv mit.

Worte transportieren eine Empfindung. Interessant ist, dass Worte für jeden eine verschiedene Bedeutung haben. Deshalb ist es in der Therapie wichtig, sich auf die Wahrnehmungswelt des Patienten einzustellen.

Bekommt man schnell ein Gefühl für die Worte des Patienten, oder muss man gezielt nachfragen?

JH: Eine ganz wichtige Methodik ist das aktive Zuhören. Das heißt, ich versuche, die Botschaft, die ich vom Patienten erhalte in meinen eigenen Worten noch einmal zu wiederholen. Ich spiegele sie ihm, um dann zu hören, ob ich es richtig verstanden habe. So kann er korrigieren, wenn er eine andere Empfindung ausdrücken wollte. Damit können Missverständnisse gelöst werden. Die Kommunikation muss klar sein. Missverständnisse können sehr schnell
entstehen.

Das heißt, ein Wort drückt nicht das aus, was es per Definition bedeutet?

JH: Auch. Beides ist wichtig. Es gibt natürlich immer eine Sachbotschaft, die mit Worten ausgedrückt wird. Allerdings schwingt viel da mit, und das muss man heraushören. In welchem Kontext die Worte stehen ist ebenso wichtig. Welche Dinge die Person damit über sich selbst zeigt.
Als Beispiel: ein Patient redet sehr negativ über andere Menschen. Als geschulter Betrachter hat man so die Möglichkeit, den Patienten auf verscheidenen Ebenen kennenzulernen: Welche Werte hat er? Was ist wichtig für ihn? Wie möchte er nicht sein?

Bespricht man dann auch mit dem Patienten, was für einen Eindruck man über ihn gewonnen hat?

JH: Ja. Alles was er sagt, kann man ihm spiegeln und herausfinden, was dies mit seinen momentanen Problemen zu tun hat. Daraufhin kann man schauen, was ihn gerade belastet und warum er vielleicht zum Beispiel gerade ein Schulterproblem hat. Psychosomatik spielt dabei manchmal eine Rolle.

Das heißt, es ist Ihre Aufgabe, aus den Worten zu lesen und die Verbindung zwischen Worten, Wortwahl und körperlichen Beschwerden zu sehen?

JH: In erster Linie ist es meine Audgabe, den Menschen ernst zu nehmen und zu versuchen, ihn zu verstehen. Dadurch, dass ich achtsam zuhöre und wirklich da bin in dem Moment, ist eine gute Basis zum Verstehen da. Wenn es um körperliche Dinge geht, muss ich das mit dem ganzen Körper in Verbindung bringen. Nicht immer sind psychische Probleme die Ursache.
Genausogut kann es sein, dass körperliche Beschwerden auf die Psyche schlagen. Diese Verbindung zwischen dem Menschen und dem Körper herzustellen, das ist meine Aufgabe.

Kann man sagen, dass Sie ihr Geld mit Worten verdienen?

JH: Nicht mit Worten, sondern mit Kommunikation. Und dazu gehört auch die Behandlung durch Berührung, denn Berührung ist auch eine Art der Kommunikation.

Autoren:

gina

mary

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Wörter, die wir lieben. Wörter, die wir hassen http://wahrer-wortwert.de/woerter-die-wir-lieben-woerter-die-wir-hassen/ http://wahrer-wortwert.de/woerter-die-wir-lieben-woerter-die-wir-hassen/#comments Sun, 09 Feb 2014 13:48:30 +0000 http://blogs.hr-online.de/wahreworte/?p=677 Lieblings-
und Hasswörter aufzuschreiben. Spannende Sache!]]> Bei unserer Veranstaltung am vergangenen Montag im Darmstädter hoffART Theater haben wir die Teilnehmer gebeten, ihre Lieblings- und Hasswörter aufzuschreiben. Spannende Sache! Hier das Ergebnis:

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Autoren:

tanja

fauzia

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http://wahrer-wortwert.de/woerter-die-wir-lieben-woerter-die-wir-hassen/feed/ 0 Magischer Wortwert – wie aus einem Buch Gold wurde http://wahrer-wortwert.de/magischer-wortwert-wie-aus-einem-buch-gold-wurde/ http://wahrer-wortwert.de/magischer-wortwert-wie-aus-einem-buch-gold-wurde/#comments Sat, 08 Feb 2014 16:28:47 +0000 http://blogs.hr-online.de/wahreworte/?p=602 Reich werden nur mit der eigenen Fantasie. Ohne Chef, fiese Bürokollegen und feste Arbeitszeiten. Einen Bestseller schreiben und mit dem Autorenhonorar im Monat mehr verdienen, als andere im Jahr − ein Traum den jeder, der gerne liest und schreibt, schon hatte.

Harry Potter Neu

Die meisten Schriftsteller sind nicht reich, auch nicht wohlhabend, viele schreiben eher an der Armuts- als an der Beitragsbemessungsgrenze. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung nennt Zahlen der Künstlersozialkasse: 1.241 Euro Netto Durchschnittsverdienst im Monat. Reich werden nur wenige, sagenhaft reich nur eine Handvoll.

Joanne K. Rowling ist eine davon. Und ihre Geschichte eines verwaisten Zauberschülers, ausgebreitet in sieben Bänden, ist solch ein Traum. Dieses (kommerziell) größte Literaturphänomen hat viele monströse Zahlen erzeugt. Rowling war – bis sie einige Großspenden tätigte − die erste Literatur-Milliardärin der Geschichte, reicher als die Queen. Bis heute hat Rowling schätzungsweise 500 Millionen Harry Potter-Bücher verkauft. Um das Jahr 1600 hätte jeder Erdenbürger ein Exemplar besessen.

Einen tieferen Einblick erhält der, der Rowlings Erfolg nicht in Büchern misst, sondern in Worten. Rowling schrieb über 1 Million Worte um Harry erwachsen werden und über Lord Voldemort siegen zu lassen. Gewitzte Fans haben mit ihren E-Books genau nachgezählt und kommen auf 1.084.170 Wörter im englischen Original. Wüsste man jetzt noch, was Rowling an den Büchern bislang verdient hat, wäre der monetäre Wert eines jeden Wortes aus Harry Potter zu beziffern. Bislang geht man von 570 Millionen Pfund Autorenhonorar aus, umgerechnet 690 Millionen Euro. Somit verdiente die Autorin bis heute mit jedem einzelnen Wort, jedem „he“, „and“ und „I“, 630 Euro. Zum Vergleich: Für den ersten Potter-Band bekam sie 1997 von ihrem Hausverlag Bloomsburry einen Vorschuss von umgerechnet 1.800 Euro – die hat sie heute mit drei Worten verdient.

Aber damit nicht genug. Es gibt schließlich weitere Geldquellen, wie die Verfilmung, das Merchandising und den Harry Potter-Freizeitpark in Florida. Aus ihnen fließen Rowling beständig neue Einnahmen zu. Trotz dieser Blüten, die das Potter-Marketing über die Jahre treibt: Das ganze Potter-Universum basiert auf den Büchern, auf jedem einzelnen Wort. Auf ihr Gesamtvermögen gerechnet, das laut des US-Wirtschaftsmagazins „Forbes“ etwa 776 Millionen Euro beträgt, steigert sich der Wortwert gar auf 715 Euro.

Und das Tolle daran: Der Wortwert steigt weiter Jahr um Jahr. Allein von der deutschsprachigen Ausgabe, die im Carlsen Verlag erscheint, werden jedes Jahr pro Band etwa 70.000 Exemplare verkauft. Rowlings Fantasie muss riesig sein, wie sonst hätte sie sich Hogwarts und den Zauberkosmos bis ins letzte Detail ausdenken können. Ob sie sich, nachdem sie das erste Wort getippt hatte, vorstellen konnte zu was dies alles führen wird, ist zu bezweifeln.

Autoren:

mauri

diana

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Verblasst – Worte, die aus dem Alltag verschwinden http://wahrer-wortwert.de/verblasst-worte-die-aus-dem-alltag-verschwinden/ http://wahrer-wortwert.de/verblasst-worte-die-aus-dem-alltag-verschwinden/#comments Fri, 07 Feb 2014 16:20:25 +0000 http://blogs.hr-online.de/wahreworte/?p=656 Kaum jemand von uns benutzt heute noch Wörter wie „Hagestolz“ oder „Tingeltangel“ und niemand holt mehr seine „Holde“ vom Bahnhof ab. Schade eigentlich finden wir, dass so viele Worte in Vergessenheit geraten. Ein Grund mehr, einige von ihnen in Erinnerung zu rufen und ihre Bedeutung zu erklären.

Autoren:

juliam

paulsw

vanessa

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„Die Gedanken mache ich mir nie“ http://wahrer-wortwert.de/die-gedanken-mache-ich-mir-nie-ein-interview-mit-einem-profi-des-gesprochenen-wortes/ http://wahrer-wortwert.de/die-gedanken-mache-ich-mir-nie-ein-interview-mit-einem-profi-des-gesprochenen-wortes/#comments Thu, 06 Feb 2014 22:02:28 +0000 http://blogs.hr-online.de/wahreworte/?p=615


Ein Interview mit einem Profi des gesprochenen Wortes

Maja Wolffs Kunstfigur „Anton Le Goff“ besitzt als Moderator des Frankfurter Grüne Soße Festivals Kultstatus. Erfüllen seine Worte also Kriterien, die sie für sein Publikum besonders wertvoll machen? Für die Schauspielerin und Kabarettistin stellt sich die Frage gar nicht. Der Wert dessen, was sie sagt, hängt für Maja Wolff vor allem von einem ab: Authentizität.

Frau Wolff, in die Rolle des Anton Le Goff schlüpfen sie schon seit 15 Jahren. Werden Sie ihm langsam ähnlich?

Maja Wolff Foto

Maja Wolff ist vor allem mit ihrer Kunstfigur „Anton Le Goff“ bekannt. Dieses Jahr organisiert und moderiert sie das Grüne Soße Festival in Frankfurt zum siebten Mal. Foto: © Hans Keller

(Lacht) Ja, ganz bestimmt. Also, Ich werde ihm nicht nur ähnlich, sondern ich bin ihm schon vom ersten Tag an ähnlich. Denn es ist auf der einen Seite eine Rolle, die so weit weg von mir ist, wie es weiter gar nicht geht: Er ist ein Mann und ich bin eine Frau. Auf der anderen Seite ist mir die Figur aber sehr nah, denn die Verwandlung findet ja komplett in mir und durch mich statt. Anton ist ja auch ein sehr besonderer Mann dadurch, dass er von einer Frau gespielt wird.

Sie beschreiben Anton Le Goff sinnbildlich als eine „Krise in Person.“ Kommt er deswegen so gut an?

Wahrscheinlich! (Lacht) Aber Anton ist auch wirklich ein total sympathischer Macho: Er ist wahnsinnig von sich überzeugt, hat‘s aber nicht so drauf. Er ist einer, der immer nach einer Frau sucht, ganz viele Alltagsprobleme auch irgendwie bewältigen muss. Und er ist natürlich einer der wenigen Männer, die über sich selbst sprechen können.

Inzwischen ist er als Kunstfigur für Sie ein festes Standbein. Wie war es vor Anton? War es nach Ende der Schauspielausbildung leicht, Fuß zu fassen?

Ich hatte mir erst einmal wirklich überlegt: Fremdsprachenkorrespondentin könnte auch schön sein. Aber einen Monat später habe ich durch Zufall ein Engagement bei einem Kinder-Tourneetheater gehabt. Da war ich dann auch erst einmal ein paar Jahre und habe “ordentlich Bretter gekriegt”, wie man das so nennt, wenn man erst einmal richtig Bühnenerfahrung sammelt. Das war eine tolle Zeit.

Wie überlebt man als Schauspielerin, ist es die viel beschriebene brotlose Kunst?

Also am Anfang…Ich habe nebenher immer in Kneipen gearbeitet, habe gejobbt, alles Mögliche nebenher gemacht. Es ist auch ein bisschen Glückssache, wie man finanziell zurechtkommt. Weil ich mich auch nie auf Film kapriziert hatte, wo es mehr Geld zu verdienen gibt, wenn man gute Rollen bekommt, war es schwierig. Es kommt aber natürlich auch darauf an, wie bekannt man ist. Man denke nur an große Comedy-Stars, die mit gesprochenem Wort ganze Hallen füllen. Theater ist halt auch immer – so wie Kultur es eben ist – ein Sponsoring-Geschäft. So ist es erst einmal auch auf der Bühne. Es sind einfach nicht die Riesengagen drin.

Sind dem Publikum die Worte, die aus dem Mund eines Schauspielers kommen, zu wenig wert?

Nein, das würde ich so nicht sagen. Ich denke, dass es eher eine Frage dessen ist, welchen Stellenwert Kultur in einer Gesellschaft hat. Es ist inzwischen ja auch bekannt, dass Kultur die Wirtschaft ankurbelt und dass da eine Wechselwirkung besteht. Ich würde das jetzt gar nicht so individualisieren und sagen, Schauspieler auf Bühnen sind zu schlecht bezahlt. Die Bühne ist ja nur einer von vielen Wegen durch den Wald. Schauspieler sind ja auch – mehr oder weniger oft – selbstständig. Ich selbst arbeite schon immer als freie Künstlerin. Es gibt andere Jobs – viele, viele andere Jobs – in denen das genauso ist. Andere Selbstständige haben es auch nicht immer leicht.

Gibt es denn ein Kriterium, an dem Sie festmachen können, was das, was aus Ihrem Mund kommt, für Ihr Publikum wert ist?

Die Gedanken mache ich mir nie. Ich überlege immer: Bin ich damit einverstanden, was da aus meinem Mund kommt? Ich habe einen Autor, der für mich schreibt. Das heißt: Ganz am Ende, bevor ich eine Premiere habe, muss ich damit einverstanden sein, was ich da transportiere. Ansonsten würde ich es nicht sagen. Das fragen mich Leute oft: Wie machst du das, wenn das doch alles jemand anderes geschrieben hat? Ich gehe vor der Premiere wirklich alles minutiös durch. Auch Kompromisse, die man dann macht, müssen immer so sein, dass es am Schluss von mir ist.
Was es den Leute wert ist, Eintritt zu zahlen, richtet sich danach: Habe ich eine Band auf der Bühne, bin ich nur mit meinem Keyboarder unterwegs, oder mache ich nur eine einfache nackte Moderation? Muss ich mich darauf vorbereiten? Muss ich es vielleicht noch ins Englische übersetzen? Danach richten sich die Gagen. Letztendlich geht es auch darum, wie gut die Leute verstehen, dass Kultur – Theater, Musik – ein wunderbares, ein vielschichtiges Medium ist. Ich mache mir keine Gedanken darüber, was mein gesprochenes Wort an sich wert ist. Der Wert entsteht dadurch, dass ich das, was ich sage, auch meine. Und, dass ich damit einverstanden bin. Mein Herz steckt drin. Es muss für mich authentisch sein, es muss für mich stimmen.

Klare Botschaften – so klingt Maja Wolff

Hier erklärt die Schauspielerin und Moderatorin, was hinter ihrer Authentizität steckt. Profitiert man auch abseits der Bühne von einer Schauspielausbildung?


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Autor:

Autor: Paul Schedelbeck

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Schreiben ohne Bezahlung: Der Wert der Worte in Schreibforen http://wahrer-wortwert.de/schreiben-ohne-bezahlung-der-wert-der-worte-in-schreibforen/ http://wahrer-wortwert.de/schreiben-ohne-bezahlung-der-wert-der-worte-in-schreibforen/#comments Thu, 06 Feb 2014 17:31:01 +0000 http://blogs.hr-online.de/wahreworte/?p=508 Was verleitet Menschen dazu, geschriebene Worte kostenlos im Internet zu zeigen? Ob es Gedichte sind, philosophische Geschichten oder Fanfiction – auf diversen Online-Schreibforen stellen Menschen aus der ganzen Welt ihre Texte ein. Wer mit dem Schreiben kein Geld verdient, muss also eine andere Gegenleistung bekommen – oder?

Ich habe mich auf der internationalen Künstler-Website DeviantART an deutsche Hobby-Schreiberlinge gewandt und sie nach ihren Motivationen gefragt.

Schreiben in einem Online-Forum

Foto: Corinna Schuster

AggroMiau: „Ich möchte gehört werden. Die Worte kommen ganz tief aus meiner Seele: Anstatt an stummen Schreien zu ersticken, rufe ich aus dem Fenster. Das hat für mich persönlich einen gewaltigen, ja sogar unermesslichen Wert.“

Für viele Hobby-Schriftsteller liegt der Sinn der kostenlosen Veröffentlichung auf der Hand: Entweder man zeigt seine Texte im Internet, oder sie vermodern in der dunklen Schublade (oder Festplatte). Dafür erhalte ich Anerkennung, Lob und Hoffnung. Für viele steht der Spaß am Schreiben im Vordergrund. Worte werden als etwas Persönliches angesehen, dass durch die Veröffentlichung an Wert gewinnt.

Metal-loving-Rebel: „Im Gegensatz zu einigen sehr lieben Freunden würde ich Geld durchaus annehmen, sofern ich dafür nichts ändern muss. Wichtig finde ich nur, dass Geld nicht die Motivation für das Erschaffen von Kunst ist, weil das natürlich extrem verfälschen würde.“

Außerdem gibt es einige Genres, die sich einfach schlecht vermarkten lassen. Fanfictions zum Beispiel sind schon allein aus urheberrechtlichen Gründen meist unverkäuflich, da die verwendeten Charaktere und Welten oft aus bekannten Romanen oder Filmen stammen. Als Forum-Schreiber dagegen muss man sich über den „Mainstream“ keine Gedanken machen – man schreibt, was und wie man möchte. Ganz ohne einen bestimmenden Verlag im Nacken zu haben und gesellschaftlichen Standards entsprechen zu müssen. Dabei bieten Online-Plattformen die Möglichkeit, sich mit anderen Schreibern auszutauschen und von ihnen eine objektivere und ehrlichere Kritik als von Freunden oder Familie zu erhalten.

DuchesseOfDusk: „Was vielleicht ein bisschen ungewöhnlich ist: Ich schreibe an einem Roman, weil ich der Meinung bin, der Hauptcharakter verdient es, dass ich mir Mühe gebe.“

Doch nicht nur aus eigennützigen Gründen stellen die Schreiberlinge ihre Texte ins Internet. Viele wollen auch andere dazu anregen, kreativ zu sein oder sich Gedanken zu einem bestimmten Thema zu machen. Ein Hobby-Schriftsteller nennt sogar das Motiv, dem „Internet etwas zurück zu geben“, da dort viel kostenlos angeboten wird, wie zum Beispiel Flash-Spiele. Das World Wide Web ist also ein Ort des Gebens und Nehmens und auch ohne monetäre Gegenleistung gibt es zahlreiche Motivationen, seine erdachten Texte dort zu veröffentlichen:

sacredZinja: “Ich persönlich bin davon überzeugt, dass man keinen Profit verliert, wenn man etwas einfach so veröffentlicht. Falls dazwischen ein Werk sein sollte, das gut (oder „mainstreamig“) genug ist, um auch als gedrucktes Buch Erfolg zu haben – dann wird man hier Ermutigung und Rückhalt finden… Das ist Hilfe, kein Verlust. Und wenn ein Werk eher für eine kleine Minderheit ist, dann hat man hier die Chance, die zwei Leser zu finden, die man damit wirklich begeistert. Wie wunderbar!”

 

Im zweiten Teil habe ich drei Hobby-Schriftsteller genauer befragt, welchen Wert ihre Worte haben und warum sie sie ohne finanzielle Gegenleistung ins Netz stellen.

Autorin:

Corinna

 

 

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Eine Welt ohne Worte http://wahrer-wortwert.de/eine-welt-ohne-worte/ http://wahrer-wortwert.de/eine-welt-ohne-worte/#comments Mon, 03 Feb 2014 12:11:00 +0000 http://blogs.hr-online.de/wahreworte/?p=570 Folgende Fotos wurden mit Photoshop bearbeitet. Fällt euch etwas auf? Mit diesen Bildern wollen wir zeigen, wie wichtig Worte sind. Wir wollen zeigen, wie unrealistisch und unmöglich eine Welt ohne Worte wäre. Wir wollen zum Nachdenken anregen und Mut machen, Worte wieder schätzen zu lernen – sowohl das schriftliche, als auch das mündliche Wort. Was heutzutage zwischen Smartphones und Co. passiert, hat für viele Menschen kaum noch Bedeutung. Sie schätzen weder informierenden Worte, wie in Kleidungsetiketten, in digitalen Textnachrichten, noch die Worte im Fernsehen, Radio oder in Packungsbeilagen von Medikamenten.

Dabei sind sie so wichtig und unverzichtbar. Worte führen uns durch unser Leben, helfen uns bei der Verständigung miteinander, erzählen Geschichten, informieren, lassen uns glauben, hoffen und bringen uns zum Lachen. Worte können Leben retten, Leben schaffen und können uns berühren. Worte sind überall.

Mit dieser Fotoreihe wollen wir euch motivieren, euch eine Welt ohne Worte vorzustellen und die starke Häufung von Worten, die sich überall befinden, auf euch wirken zu lassen. Sind Worte tatsächlich nur noch eine kaum beachtete Begleiterscheinung? Sind uns Worte noch wichtig oder nur noch selbstverständlich?

Ausweise_Cola_Kleidungsetikett

Magazin_Quittung_Schmuck

Speisekarte_Zeitung_Zigaretten

Ampel_Bahn_Gebäude

Glascontainer_Helfer_Obststand

Pony_Prospekt_Säule

Autorinnen:

tanja

fauzia

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“Es kommt nicht darauf an, was man sagt, sondern wie man es sagt” http://wahrer-wortwert.de/es-kommt-nicht-darauf-an-was-man-sagt-sondern-wie-man-es-sagt/ http://wahrer-wortwert.de/es-kommt-nicht-darauf-an-was-man-sagt-sondern-wie-man-es-sagt/#comments Sun, 02 Feb 2014 14:13:03 +0000 http://blogs.hr-online.de/wahreworte/?p=438 Ein Interview mit einer Synchronsprecherin

Man hört sie überall: In Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main oder Düsseldorf, wenn man an Haltestellen wartet, im Hotel geweckt oder am Flughafen zum Gate gerufen wird. Ingrid Metz-Neun gehört zu den bekanntesten Sprecherinnen Deutschlands. Dennoch hat sie nie verstanden, wieso gerade ihre Stimme etwas Besonderes ist. Heute betreibt die 63-Jährige ein Synchronstudio in Offenbach und bildet Nachwuchskünstler aus. Seit 1968 ist sie zudem als Werbesprecherin tätig und verlieh Jacobs-Kaffee, Pfanni, Pirelli und Campari ihre Stimme.

Mit 63 Jahren ist noch lang nicht Schluss: Synchronsprecherin Ingrid Metz-Neun

Mit 63 Jahren ist noch lang nicht Schluss: Synchronsprecherin Ingrid Metz-Neun

Seit mehr als 40 Jahren arbeiten Sie als Sprecherin und Synchronschauspielerin. Was war der damalige Auslöser? Wie kamen Sie zum Synchronsprechen?

Der Auslöser war, dass ich eine Schauspielschule besucht habe und auch fertige
Schauspielerin bin. Auch am Theater und im Fernsehen habe ich alles ausprobiert. Aber schon sehr, sehr früh stellte ich fest, dass ich beim Theater die Probe immer toll fand, die ersten zehn Aufführungen waren auch gut, aber dann wurde es langweilig. Beim Fernsehen ist das Problem, dass Du viel Leerlauf hast, bis zum Beispiel das Licht und der Ton eingerichtet ist – was eine Ewigkeit dauert. Beim Sprechen habe ich gemerkt: „Boah, Synchronsprechen ist genau das, was Du machen möchtest.“ Das Synchronsprechen ist wie Theaterspielen, aber ohne sechs Wochen Probe zu haben. Und für mein Temperament war das genau das Richtige.

Was ist das Besondere an Ihrer Stimme?

Ende der 1960er-Jahre habe ich einfach nicht in das damalige Frauenbild am Theater, wo ich hin wollte, gepasst. Ich habe dann schnell festgestellt, welch vielfältige Möglichkeiten ich mit meiner Stimme habe. Besonders schön an meiner Stimme ist, dass sie nicht so schnell altert wie ich selbst. Ich kann heute noch in Rollen schlüpfen, die ich vor 20 Jahren gesprochen habe.

Sie standen mal vor der Entscheidung zwischen Modedesignerin oder
Synchronstudiochefin. Warum haben Sie sich für letzteres entschieden?

Das war jetzt nicht nur das Synchronsprechen, sondern grundsätzlich die Entscheidung gegen die Schneiderei. Ich habe seit meinem 12. Lebensjahr alles selbst genäht habe und später auch einen Laden gehabt. Mir hätte der Beruf der Kostümbildnerin auch Spaß gemacht. Da hätte ich aber eine komplette Schneiderlehre absolvieren müssen. Eine zusätzliche Ausbildung, die zu lange gedauert hätte. Und das Synchronsprechen funktionierte bereits so gut. Von daher fiel es mir leicht, mich gegen die Schneiderei zu entscheiden.

Verfolgt Sie ihre eigene Stimme im Alltag?

Natürlich verfolgt sie mich. Inzwischen habe ich mich mit ihr aber auch abgefunden.

Was bedeutet abgefunden? Das klingt so negativ.

Ich habe nie verstanden, dass mir Menschen Geld für meine Stimme gegeben haben. Ich fand meine Stimme nie als etwas Besonderes. Auf der anderen Seite ist es aber auch so: Wenn man mit sich selbst unzufrieden ist, entwickelt man sich immer wieder weiter. Aber früher bin ich schon manchmal vor meiner Stimme erschrocken. Eine Geschichte dazu: Neben dem Synchronsprechen spreche ich auch viele Straßenbahnlinien ein und über diese Schiene kamen ganz, ganz viele Anfragen für Telefonanrufbeantworterschleifen und Weckrufe. Einmal habe ich in einem Hotel übernachtet und dem Portier gesagt, er solle mich um halb sieben aufwecken. Als am nächsten Morgen das Telefon klingelte und ich den Hörer abnahm, sagte da meine eigene Stimme: „Es ist halb sieben, Sie wollten geweckt werden.“ Da hätte ich mir am liebsten die Decke über den Kopf gezogen.

Wie schwierig ist es, Emotionen durch das Synchronisieren zu transportieren? Ist es mit der Schauspielerei gleichzusetzen?

Beim Synchronsprecher steht das Schauspielern im Vordergrund steht. Er muss
Abrufbereit sein, um eine Szene mit zum Beispiel schwerem Atmen drauf haben. Wenn Du das nicht geübt hast, ist es sehr schwierig. Außerdem ist die Authentizität eine wichtige Sache, die man auch raushört. Wobei auch der ein oder andere Radiomoderator schafft, ein guter Synchronsprecher zu werden. Ich kenne aber nur ganz wenige Kollegen, die alle Genres abdecken. Es gibt welche, die sind super für Actionfilme, aber zum Beispiel für eine Liebeskomödie nicht. Es kann aber kaum jemand alles.

Wer setzt überhaupt fest, welcher Hollywood-Schauspieler welchen Synchronsprecher bekommt?

Wir synchronisieren seit zwei Jahren prozentual mehr Filme, die nicht in Hollywood produziert wurden. Diese Filme werden eher in Berlin synchronisiert. Aber Du musst nicht unbedingt bei unbekannten Filmen, die aus dem kanadischen oder australischen Raum kommen, so viel Wert auf die Auswahl der Synchronsprecher legen. Der entsprechende Filmregisseur sucht meist die Synchronsprecher aus. Aber wer das entscheidet? Das ist ganz unterschiedlich. In erster Linie sind es die deutschen Rechteinhaber, sprich Firmen, die die Rechte für das deutschsprachige Fernsehen erwerben. Diese Firmen haben dann wiederum ihre Synchronstudios und Lieblingsregisseure, die für die Auswahl der Sprecher verantwortlich sind. Aber hier wird oft auf die „vertraute“ Stimme gesetzt.

Und wonach richtet sich die Gage für Synchronsprechern? Verhandelt jeder für sich?

In Frankreich England und den USA bekommst du als Synchronsprecher eine Grundgage. Außerdem wirst Du am Erfolg des Filmes beteiligt. In Deutschland ist das nicht so, was zum Beispiel bei „Fluch der Karibik“ spürbar wurde. Da wurden die Sprecher nicht beteiligt. Zudem haben wir auch keine Gewerkschaft, sondern nur Vereinigungen, die schon versucht haben, einen flächendeckenden Vertrag auszuhandeln.

Stichwort computergenrierte Ansagen: Hat das digitale Zeitalter dazu beigetragen, dass die Qualität vom Synchronsprechen gelitten hat?

Absolut, aber nicht nur da. Ich finde es schrecklich, wenn ich im Rundfunk, Fernsehen oder bei Durchsagen unprofessionelle Stimmen höre. Es ist sehr schade, dass viele Menschen nicht den Wert einer guten Stimme erkennen. Man kann damit so viel erreichen. Winston Churchill hat einmal gesagt: „Es kommt nicht darauf an, was man sagt, sondern wie man es sagt.“

Haben sich schon Menschen in Ihre Stimme verliebt und sich
gemeldet?

Ja, ganz viele haben sich gemeldet. Aber das kam in erster Linie immer durch diese Straßenbahnanfragen. Körbeweise kamen Briefe an wie: „Es ist so toll, wie Sie die Haltestellen ansagen“. Sie kannten diese Ansagen nur von mürrischen Fahrern und fanden die Freundlichkeit meiner Stimme schön.

Autoren:

frank

benny

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Vom Wert der Wörter und Unwörter des Jahres http://wahrer-wortwert.de/vom-wert-der-woerter-und/ http://wahrer-wortwert.de/vom-wert-der-woerter-und/#comments Sun, 02 Feb 2014 12:38:11 +0000 http://blogs.hr-online.de/wahreworte/?p=345

Nach langen Sitzungen mit vielen Diskussionen, haben Hessens Sprachkritiker es wieder einmal geschafft: Das Wort und das Unwort des Jahres 2013 sind bestimmt. Die „Wort-des-Jahres-Jury“ in Wiesbaden, bestehend aus Mitarbeitern der „Gesellschaft für deutsche Sprache“ (GfdS), erklärte schon im Dezember 2013 GroKo (Große Koalition) zum Wort des Jahres. Am 14. Januar 2014 zog nun Sozialtourismus als Unwort nach.

Unwörter und Wörter des Jahres

Unwörter und Wörter des Jahres

Da haben die hessischen Sprachkomitees es uns doch leicht gemacht. Sozialtourismus streichen wir einfach komplett aus unserem Wortschatz und in jeden zweiten Satz lassen wir das Wort GroKo einfließen. So sollte der Wert der Worte erhalten bleiben, oder? Nein, denn die jeweiligen Aktionen der Sprachwissenschaftler haben keinesfalls den Anspruch, Worte zu bewerten, zu feiern oder zu diskreditieren. „Wir wollen mit unserer Aktion lediglich ein allgemeines Nachdenken über Sprache erreichen“, erklärt Sprachwissenschaftlerin und Sprecherin der Aktion „Unwort des Jahres“, Prof. Dr. Nina Janich. „Und das schaffen wir glaube ich auch“, sagt die 45-Jährige weiter. Die Vielzahl an Rückmeldungen nach der Bekanntgabe des Unwortes belegten das zur Genüge. „Die Beschwerdemails gehen immer am schnellsten ein. Aber später kommen auch die ersten Anerkennungen“, teilt Frau Dr. Janich mit. Ebenso wie die Darmstädter „Unwort-Jury“ verfolgt die Jury der GfdS ein klares sprachliches Ziel mit ihren Wortnominierungen: „Wir wollen einfach bestimmte sprachliche Phänomene, die das Jahr geprägt haben, erfassen und abbilden“, so eine der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen der GfdS, Nicola Frank.

Auch die Öffentlichkeit hat ihre Rolle im Plan der hessischen Wort-Jurys für mehr Sprachreflexion in der Gesellschaft. „Wir wollen, dass durch die Berichterstattung nachvollziehbar wird, warum wir das Wort genommen haben“, sagt Dr. Nina Janich stellvertretend für die Darmstädter Aktion „Unwort des Jahres“. Und das ist auch gut so! Denn ohne Diskussion in der Gesellschaft sind das allgemeine Nachdenken über Sprache, Sprachreflexion und Sprachaufmerksamkeit reines Wunschdenken. So sieht das auch Nicola Frank: „Aus meiner Sicht ist es gar nicht so wichtig, ob die Leute die Wahl nun gut oder schlecht finden. Es ist wichtig, dass sie darüber reden.“ Und damit sie darüber reden, wird die gesamte Gesellschaft immer zu Beginn des Jahres von den jeweiligen Jurys dazu aufgerufen, ihre Vorschläge für das Wort beziehungsweise das Unwort des Jahres einzusenden. Die Zahl der Einsendungen von außen schwanke jährlich, so beide Jurysprecherinnen. Aber klar sei immer, dass vor der finalen Sitzung, in der über das Wort beziehungsweise das Unwort des Jahres entschieden wird, eine Vorauswahl der eingesendeten Wörter stattfinden muss. Bei der Darmstädter „Unwort-des-Jahres-Aktion“ werden die Einsendungen beispielsweise auf Listen verteilt. Es gibt eine „heiße Liste“, eine „B-“ und eine „C-Liste“. Die Jurymitglieder bekommen alle Listen zugeschickt. Jedoch würden die Wörter auf der „heißen Liste“ am ehesten gewählt. Denn diese entsprächen den Kriterien der Jury für die Unwörter am Meisten und seien durch ihre Einsender im Vorfeld ausreichend belegt worden. Voraussetzungen für ein Unwort des Jahres sind für die Darmstädter Jury eine diskriminierende oder verschleiernde Bedeutung oder ein Verstoß gegen die Menschenwürde oder demokratische Prinzipien.

Sucht die sprachkritische Aktion „Unwort des Jahres“ also ausdrücklich nach Euphemismen, um auf deren verschleiernden Gebrauch aufmerksam zu machen, so ist es der GfdS hingegen wichtiger herauszustellen, was für sprachliche Phänomene sie in einem jeweiligen Jahr beobachtet hat. Trotz unterschiedlicher Herangehensweisen, eint beide Aktionen der Wille um mehr Sprachreflexion und das Nachdenken über Sprache im Allgemeinen.

Wer sich näher mit den Wörtern oder Unwörtern der vergangenen Jahre beschäftigen möchte, findet auf folgenden Internetseiten Informationen dazu:

Wörter des Jahres: www.gfds.de/aktionen/wort-des-jahres
Unwörter des Jahres: www.unwortdesjahres.net


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Autorin:

diana

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Was Schimpfworte kosten http://wahrer-wortwert.de/was-schimpfworte-kosten/ http://wahrer-wortwert.de/was-schimpfworte-kosten/#comments Sat, 01 Feb 2014 20:17:29 +0000 http://blogs.hr-online.de/wahreworte/?p=251 Wer in Deutschland eine andere Person beleidigt und angezeigt wird, muss eine Geldstrafe zahlen oder gar mit einer einjährigen Haftstrafe nach § 185 StGB rechnen. Allerdings gibt es keine Regelsätze, keinen „Beleidigungskatalog“, der das Strafmaß festlegt. Die Höhe der Strafe ist situationsabhängig (Zusammenhang, Tonfall, Person des Beleidigten) und muss – je nach Gehalt – in 20-30 Tagessätzen abgestottert werden. Dabei ist es oftmals gar nicht so einfach zu urteilen, wer im Streit anfing zu beleidigen und was zuvor geschah. Gibt es jedoch schlagende Beweise oder wird gar ein Polizeibeamter beleidigt, kann es sehr viel teurer werden als man denkt. Im Wiederholungsfall droht dem Täter sogar ein Freiheitsentzug von bis zu zwei Jahren!

Wir präsentieren Euch ein Dutzend der häufigsten Beleidigungen und deren preisliche Folgen.

Schlampe – ein Klassiker unter den Schimpfworten. Meist gegenüber Frauen ausgesprochen zielt die eigentliche Bedeutung auf die vermeintlich übertriebene sexuelle Freizügigkeit. Doch wie jedes andere Schimpfwort auch kann es, hier besonders unter Männern, ebenfalls im ironischen Sinn gebraucht werden. Da die Beleidigung Menschen auf persönlicher Ebene verletzt, kann sie sehr teuer werden. Preis – 1900 Euro

Schlampe – ein Klassiker unter den Schimpfworten. Meist gegenüber Frauen ausgesprochen zielt die eigentliche Bedeutung auf die vermeintlich übertriebene sexuelle Freizügigkeit. Doch wie jedes andere Schimpfwort auch kann es, hier besonders unter Männern, ebenfalls im ironischen Sinn gebraucht werden. Da die Beleidigung Menschen auf persönlicher Ebene verletzt, kann sie sehr teuer werden.
Preis – 1900 Euro

Wichser – ist eine unter Männern gebräuchliche Beleidigung. Die Bedeutung steht für sich, doch es ist und bleibt eines der schlimmsten Schimpfworte. Das zeigt sich auch in der Höhe der Strafe, die – wie nur in wenigen anderen Fällen – im vierstelligen Bereich liegen kann. Man sollte also gleich dreimal überlegen, jemanden Wichser zu nennen.

Wichser – ist eine unter Männern gebräuchliche Beleidigung. Die Bedeutung steht für sich, doch es ist und bleibt eines der schlimmsten Schimpfworte. Das zeigt sich auch in der Höhe der Strafe, die – wie nur in wenigen anderen Fällen – im vierstelligen Bereich liegen kann. Man sollte also gleich dreimal überlegen, jemanden Wichser zu nennen.
Preis – 1000 Euro

Dumme Kuh – eine bei streitenden Kindern besonders beliebte Beleidigung. In diesem Fall ohne schlimme Folgen, doch es kann auch brisant werden. Fallen diese vermeintlich harmlosen Worte nicht im freundschaftlichen Kreis, können sie auch Menschen kränken und ernsthafte Folgen nach sich ziehen. Preis – 300 Euro

Dumme Kuh – eine bei streitenden Kindern besonders beliebte Beleidigung. In diesem Fall ohne schlimme Folgen, doch es kann auch brisant werden. Fallen diese vermeintlich harmlosen Worte nicht im freundschaftlichen Kreis, können sie auch Menschen kränken und ernsthafte Folgen nach sich ziehen.
Preis – 300 Euro

Leck mich – dieser Ausdruck verliert wohl nie an Missachtung. Besonders als „Schwäbischer Gruß – Leck mich am Arsch“, ist es ein sehr dreckiges Schimpfwort, das die Würde des Opfers verletzt. Bereits Wolfgang Amadeus Mozart schrieb den Kanon „Leck mich im Arsch“ und lange Zeit wurde ihm auch der Kanon „Leck mir den Arsch fein recht schön sauber“ zugeschrieben. Und damit nicht genug: Auch das berühmte „Götz-Zitat“ Johann Wolfgang von Goethes lautet „Er aber, sag’s ihm, er kann mich im Arsche lecken!“ Große schmutzige Worte der größten Deutschen. Preis – 300 Euro

Leck mich – dieser Ausdruck verliert wohl nie an Missachtung. Besonders als „Schwäbischer Gruß – Leck mich am Arsch“, ist es ein sehr dreckiges Schimpfwort, das die Würde des Opfers verletzt. Bereits Wolfgang Amadeus Mozart schrieb den Kanon „Leck mich im Arsch“ und lange Zeit wurde ihm auch der Kanon „Leck mir den Arsch fein recht schön sauber“ zugeschrieben. Und damit nicht genug: Auch das berühmte „Götz-Zitat“ Johann Wolfgang von Goethes lautet „Er aber, sag’s ihm, er kann mich im Arsche lecken!“ Große schmutzige Worte der größten Deutschen.
Preis – 300 Euro

Bei Dir piept’s wohl – oft verbunden mit der Geste „Vogel zeigen“. Von der Kindheit bis ins Alter tippt sich wohl jeder Mensch mehr als einmal an die Schläfe. Diese Beleidigung kann als harmlos gelten, in einer unglücklichen Situation aber auch teuer werden. Denn wer auf eine Anzeige wegen Beleidigung aus ist, macht auch vor diesem Satz keinen Halt. Preis – 750 Euro

Bei Dir piept’s wohl – oft verbunden mit der Geste „Vogel zeigen“. Von der Kindheit bis ins Alter tippt sich wohl jeder Mensch mehr als einmal an die Schläfe. Diese Beleidigung kann als harmlos gelten, in einer unglücklichen Situation aber auch teuer werden. Denn wer auf eine Anzeige wegen Beleidigung aus ist, macht auch vor diesem Satz keinen Halt.
Preis – 750 Euro

Blödes Schwein – hier wird das Opfer gleich doppelt beschimpft. An der Intelligenz des Beleidigten zweifeln und ihn oder sie gleichzeitig als Tier bezeichnen ist ganz und gar nicht die feine englische Art. Dabei sind Schweine sehr schlaue Tiere. Man kann also mit einem Schmunzeln darüber hinwegsehen… oder den in diesem Fall tatsächlich blöden Beleidiger anzeigen. Preis – 500 Euro

Blödes Schwein – hier wird das Opfer gleich doppelt beschimpft. An der Intelligenz des Beleidigten zweifeln und ihn oder sie gleichzeitig als Tier bezeichnen ist ganz und gar nicht die feine englische Art. Dabei sind Schweine sehr schlaue Tiere. Man kann also mit einem Schmunzeln darüber hinwegsehen… oder den in diesem Fall tatsächlich blöden Beleidiger anzeigen.
Preis – 500 Euro

Holzkopf – hier wird es etwas teurer. Das Schimpfwort ist bedeutungsgleich mit dem bekannteren/beliebteren „Dummkopf“ - in der Ehre kränken beide Worte. Dabei muss man bei dieser Beleidigung auch erst einmal überlegen: Nichts im Kopf haben, einen Kopf aus Holz, folglich kein Gehirn besitzen – dabei wäre Dummkopf so schön einfach, wenn auch nicht besser! Preis - 760 Euro

Holzkopf – hier wird es etwas teurer. Das Schimpfwort ist bedeutungsgleich mit dem bekannteren/beliebteren „Dummkopf“ – in der Ehre kränken beide Worte. Dabei muss man bei dieser Beleidigung auch erst einmal überlegen: Nichts im Kopf haben, einen Kopf aus Holz, folglich kein Gehirn besitzen – dabei wäre Dummkopf so schön einfach, wenn auch nicht besser!
Preis – 760 Euro

Bekloppter – ein Wort, das schnell ausgesprochen ist. Wenn die Gemüter sich erhitzen fallen schnell Sätze wie „Sie sind doch bekloppt, wie können Sie ohne Rücksicht einfach rückwärts aus Ihrer Ausfahrt fahren!?“ Niemand möchte allzu gerne als Bekloppter gelten, zumal das Wort mittlerweile im deutschen Sprachgebrauch sogar eine weitere Bedeutung erhält: Klopp, Jürgen – Trainer von Borussia Dortmund, auffallend wegen Grimassen und aggressiven Worten dem 4. Offiziellen gegenüber, mehrere Geld- und Sperrstrafen, Wiederholungstäter – und nicht nur Schalker schreckt das „bekloppte“ Verhalten des BVB-Trainers mittlerweile ab… Preis – 250 Euro

Bekloppter – ein Wort, das schnell ausgesprochen ist. Wenn die Gemüter sich erhitzen fallen schnell Sätze wie „Sie sind doch bekloppt, wie können Sie ohne Rücksicht einfach rückwärts aus Ihrer Ausfahrt fahren!?“ Niemand möchte allzu gerne als Bekloppter gelten, zumal das Wort mittlerweile im deutschen Sprachgebrauch sogar eine weitere Bedeutung erhält: Klopp, Jürgen – Trainer von Borussia Dortmund, auffallend wegen Grimassen und aggressiven Worten dem 4. Offiziellen gegenüber, mehrere Geld- und Sperrstrafen, Wiederholungstäter – und nicht nur Schalker schreckt das „bekloppte“ Verhalten des BVB-Trainers mittlerweile ab…
Preis – 250 Euro

Arschloch – jeder kennt die Beleidigung, die meisten benutzen sie regelmäßig. Das Wort ist weit verbreitet - leicht rutscht es jemandem in einem Streit heraus. Je nach genauer Wortwahl („Was bist Du nur für ein großes Arschloch“) kostet einen dieses Wort sehr viel Geld. Dieses Schimpfwort wird eigentlich so häufig im Alltag verwendet, dass es oft kaum noch als Beleidigung angesehen wird. Man stelle sich einmal vor, bei jedem gesagten „Arschloch“ müsse man Geld zahlen, als Wiederholungstäter könnte man bereits im Gefängnis sitzen. Wer könnte dann noch diesen Text hier lesen!? Preis - 1500 Euro

Arschloch – jeder kennt die Beleidigung, die meisten benutzen sie regelmäßig. Das Wort ist weit verbreitet – leicht rutscht es jemandem in einem Streit heraus. Je nach genauer Wortwahl („Was bist Du nur für ein großes Arschloch“) kostet einen dieses Wort sehr viel Geld. Dieses Schimpfwort wird eigentlich so häufig im Alltag verwendet, dass es oft kaum noch als Beleidigung angesehen wird. Man stelle sich einmal vor, bei jedem gesagten „Arschloch“ müsse man Geld zahlen, als Wiederholungstäter könnte man bereits im Gefängnis sitzen. Wer könnte dann noch diesen Text hier lesen!?
Preis – 1500 Euro

Am liebsten würde ich jetzt Arschloch sagen – ist doch eigentlich freundlich, wenn man lediglich darauf hinweist, dass das eigene Gemüt erregt ist und man deshalb gerade in der Lage wäre, eine Beleidigung auszusprechen. Doch weit gefehlt: Sobald ein Schimpfwort geäußert wird, ist es beleidigend. Der diffamierende Gedanke ist sogar teurer als das einfachere „Arschloch“, aber generell gilt: Niemand wird gerne mit diesen Worten angeredet. Kleiner Tipp: Um Strafen vorzubeugen, sollte man lieber den Gedanken für sich behalten! Preis – 1600 Euro

Am liebsten würde ich jetzt Arschloch sagen – ist doch eigentlich freundlich, wenn man lediglich darauf hinweist, dass das eigene Gemüt erregt ist und man deshalb gerade in der Lage wäre, eine Beleidigung auszusprechen. Doch weit gefehlt: Sobald ein Schimpfwort geäußert wird, ist es beleidigend. Der diffamierende Gedanke ist sogar teurer als das einfachere „Arschloch“, aber generell gilt: Niemand wird gerne mit diesen Worten angeredet. Kleiner Tipp: Um Strafen vorzubeugen, sollte man lieber den Gedanken für sich behalten!
Preis – 1600 Euro

Fieses Miststück  – wir alle kennen jemanden, der oder die sich hinterhältig und fies verhält. Aussprechen der Person gegenüber sollte man diese Worte allerdings nicht. Allein für das Wort „Schlampe“ zahlt man bereits rund 1900 Euro. Dabei finden wir, ist „fieses Miststück“ auch ein Stück hohe Anerkennung der „Charakterstärke“ und viel subtiler ausgedrückt als ein nur beleidigend gemeintes „Schlampe“. Allerdings sollte dementsprechend beachtet werden, dass man sehr tief in die Tasche greifen muss. Preis – 2500 Euro

Fieses Miststück – wir alle kennen jemanden, der oder die sich hinterhältig und fies verhält. Aussprechen der Person gegenüber sollte man diese Worte allerdings nicht. Allein für das Wort „Schlampe“ zahlt man bereits rund 1900 Euro. Dabei finden wir, ist „fieses Miststück“ auch ein Stück hohe Anerkennung der „Charakterstärke“ und viel subtiler ausgedrückt als ein nur beleidigend gemeintes „Schlampe“. Allerdings sollte dementsprechend beachtet werden, dass man sehr tief in die Tasche greifen muss.
Preis – 2500 Euro

Bullenschwein – Beamtenbeleidigungen kosten viel. Schließlich wird nicht nur die Person, sondern darüber hinaus auch das Amt beleidigt! Und das spürt die Brieftasche. Ein Polizist fühlt sich in seiner Ehre gekränkt: Der “Freund und Helfer” wird er als Tier bezeichnet – dabei möchte niemand gerne „Schwein“ genannt werden. Auch das Wort „Bulle“, das heute oft synonym für „Polizist“ gebraucht wird, gilt - anders als ursprünglich - heute als beleidigend und trägt seinen Teil zum hohen Preis bei. Noch teurer wird es für denjenigen, der einen Polizist derart degradierend beleidigt und ihn einen „Trottel in Uniform“ nennt - dafür muss der Angeklagte noch einmal 500 Euro drauflegen. Preis – 1000 Euro

Bullenschwein – Beamtenbeleidigungen kosten viel. Schließlich wird nicht nur die Person, sondern darüber hinaus auch das Amt beleidigt! Und das spürt die Brieftasche. Ein Polizist fühlt sich in seiner Ehre gekränkt: Der “Freund und Helfer” wird er als Tier bezeichnet – dabei möchte niemand gerne „Schwein“ genannt werden. Auch das Wort „Bulle“, das heute oft synonym für „Polizist“ gebraucht wird, gilt – anders als ursprünglich – heute als beleidigend und trägt seinen Teil zum hohen Preis bei. Noch teurer wird es für denjenigen, der einen Polizist derart degradierend beleidigt und ihn einen „Trottel in Uniform“ nennt – dafür muss der Angeklagte noch einmal 500 Euro drauflegen.
Preis – 1000 Euro

Fazit

In den meisten Fällen geht es gut und der oder die Beleidigte verzichtet auf eine Anzeige. Doch im falschen Moment, einer falschen Person gegenüber oder im falschen Tonfall kann es passieren, dass der Geldbeutel gleich mehrmals geleert werden muss. Die genannten Preise sind Richtwerte und sollen vor Augen führen, welche Auswirkungen ein einziges Wort haben kann, auch wenn sie extrem erscheinen. Auch wenn die deutschen Gesetze wohl niemanden hindern können, mit Schimpfworten um sich zu werfen, so stellen sie zumindest Regeln und Strafen auf, an die man im schlimmsten Fall gebunden ist. Die Gesetze sorgen für Recht und Ordnung und unterstreichen Eines/eines: Eine Beleidigung lohnt sich nie. Andere Personen fühlen sich gekränkt, Beziehungen zerbrechen und im Nachhinein fühlen sich wirklich alle schlecht.

Wie viel würdet Ihr für ein Schimpfwort bezahlen? Die Preise richten sich nach ungefähren Angaben, sind wie erwähnt situationsbedingt und variieren je nach Gerichtsurteil.

Autoren:

paulsw

simon

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Trigger-Worte: „Schmeiß die Teller nicht runter!“ http://wahrer-wortwert.de/trigger-worte-schmeiss-die-teller-nicht-runter/ http://wahrer-wortwert.de/trigger-worte-schmeiss-die-teller-nicht-runter/#comments Sat, 01 Feb 2014 13:02:23 +0000 http://blogs.hr-online.de/wahreworte/?p=208 "Schmeiß die Teller nicht runter!"

„Schmeiß die Teller nicht runter!“ – Trigger-Worte

Wenn wir Worten mehr Gewicht geben als wir sollten

Es gibt mehr als einen Satz, der Debora seit ihrer Kindheit und frühen Jugend in Rage versetzt. Ein Wort jedoch, mit allen seinen Bedeutungen, schafft es immer, einen wunden Punkt bei ihr zu treffen. Egal ob „Schmeißen“ im Sinne von Werfen oder im Sinne von „etwas hinschmeißen“, also aufgeben, etwas unvollendet lassen.

„Schmeiß die Teller nicht runter!“ Ein Teller wird nicht geschmissen. Jedenfalls nicht, wenn man ihn abspült, abtrocknet oder ihn auf den Tisch stellt. Geschmissen wird ein Teller nur dann, wenn eine Absicht vorliegt. „Hier fang, ich schmeiß dir den Teller zu“ – Ein Teller als Frisbee-Ersatz. Oder: „Ich bin so wütend, deswegen schmeiß ich jetzt den Teller gegen die Wand!“ In Rage und mit vollem Bewusstsein der Wirkung wird ein Geschirrstück zu Boden geworfen. Dieses Beispiel muss sich nicht unbedingt auf den Teller beziehen. Es kann jedes beliebige Geschirrstück sein, oder noch besser ein zerbrechlicher Einrichtungsgegenstand, wie eine teure Vase.

Manche Ausdrucksweisen ärgern uns ein Leben lang

In Deboras Fall sind es nun einmal die Teller, die im Gedächtnis haften geblieben sind. Denn ihre Eltern hatten große schwere Teller aus schwarzem Glasporzellan und mit abgerundeten Rändern. Teller, die danach schreien, einem kleinen Mädchen aus den Fingern zu rutschen und danach als Scherben den Boden zu zieren. Dass durch Deboras Schuld die Teller zerstört wurden, muss wohl mehr als einmal vorgekommen sein. Erstens sind nach eigenen Angaben nur noch zwei der schwarzen Ungetüme im Schrank und zweitens erdachten Mutter und Vater eine präventive Maßnahme, um die Teller vor dem Scherbentod zu bewahren. Diese lautete: „Schmeiß die Teller nicht runter!“ – Eine Warnung, auf die mehr als einmal der Folgesatz „Hast du schon wieder die Teller runtergeschmissen?“ zu hören war.  Als Kind fühlte sich Debora der Tat bezichtigt, das edle Geschirr absichtlich zu Boden geworfen zu haben. Dies entsprach, meistens, nicht der Tatsache. Und auch heute ärgert sie sich noch über diese Ausdrucksweise.

Der „biographische Trigger“

Dr. Vesna Marinovic´ ist Diplompsychologin. Sie hat in Heidelberg studiert und promoviert. Derzeit forscht sie an der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Uniklinikums Frankfurt am Main über sozial-kognitive Entwicklungen bei Kleinkindern.

Dr. Vesna Marinovic´ ist Diplompsychologin. Sie hat in Heidelberg studiert und promoviert. Derzeit forscht sie an der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Uniklinikums Frankfurt am Main über sozial-kognitive Entwicklungen bei Kleinkindern.

In einem Gespräch mit Psychologin Marinović, widmen wir uns Deboras Fragen. Sind diese Trigger-Worte bei jedem gleich? Wie brennen sich einige Schlüsselwörter oder -Sätze so in unser Gedächtnis ein?  Welche Methoden gibt es, um in solchen Situationen nicht aus der Haut zu fahren?

Dieses Phänomen können wir den „biographischen Trigger“ nennen. Anders als unbedachte Ratschläge tritt dieser Trigger nur unter bestimmten Voraussetzungen auf. Diese Voraussetzungen liegen in unserer Vergangenheit. Wurde eine Situation häufig erlebt? Habe ich mich unverstanden gefühlt, oder ungerecht behandelt? Die Wörter, die uns zu einer übermäßigen emotionalen Reaktion bringen, sind daher individuell. Wenn Deboras Vater jetzt sagt, sie solle die Teller nicht schmeißen, so schwingt für sie automatisch ein Vorwurf mit. Das bereits erlebte sorgt dafür, dass sie die Botschaft immer gleich aufnimmt. Schließlich bedeutet ein wiederholter Satz für den Sender: der Empfänger hat ihn nicht verstanden. „Nur wenn ich den Satz oft genug wiederhole, tritt der erwünschte Effekt ein.”, denkt sich der Vater. In den wenigsten Fällen funktioniert diese Maßnahme.

 Was passiert mit uns, wenn wir eines unserer Trigger-Worte hören?

Wir versetzen uns zurück in den Gefühlszustand von damals. Ein Trigger ist gekoppelt an eine emotionale Reaktion, die mit dem Abruf von Erinnerungen einhergehen kann. Jeder Mensch hat ein oder mehrere Themen, die ihn auf seinem Lebensweg verfolgen. Bei Debora wird das wohl die Ungeschicklichkeit sein oder das fehlende Durchhaltevermögen. Auf diese speziellen Themen reagiert sie besonders emotional. Aus der Verbindung Thema plus Wiederholung plus das Gefühl ungerecht behandelt worden zu sein, entsteht ein starker Trigger.  An alle emotionalen Inhalte erinnern wir uns schneller und tiefer. Impulsive und übermäßig emotionale Handlungen sind meist die Folge daraus.

Eine Art mit Trigger-Situationen umzugehen, wäre sich selbst zu vergegenwärtigen. Wir müssen uns selbst erklären, dass wir jetzt erwachsen sind und solche Situationen in der Vergangenheit liegen. Inzwischen sind wir durch viele neue Erfahrungen reifer geworden. Weder sind wir kleine Kinder, denen Teller runterfallen, noch unkonzentrierten Jugendlichen, die ihre Hausaufgaben nicht gründlich machen. Welches Thema auch immer es sein mag, das uns verfolgt: Es ist in der Kindheit entstanden und kann durch das Kommunizieren von Reife abgeschwächt werden.

Eine Botschaft hat immer mehr als eine Ebene. Das, was gesagt wird, sowie eine emotionale Komponente. Kommunikationswissenschaftler unterscheiden zwischen Sach- und Beziehungsebene. Manchmal werden auf der Beziehungsebene weitreichendere Botschaften gesendet, als es die Sachebene zu erkennen gibt. Dies kann uns emotional aufwühlen oder zu Konflikten führen, die wiederum mittels achtsamer Kommunikation gelöst werden können.

Autorin:

sonjap

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Der wa(h)re Wert des Lokaljournalisten http://wahrer-wortwert.de/der-wahre-wert-des-lokaljournalisten/ http://wahrer-wortwert.de/der-wahre-wert-des-lokaljournalisten/#comments Sat, 01 Feb 2014 11:09:32 +0000 http://blogs.hr-online.de/wahreworte/?p=199 Freie Journalisten arbeiten in Deutschland an jeder Lokalzeitungsausgabe mit und sind unersetzbar. Trotzdem werden sie von den Redaktionen so schlecht bezahlt, dass sie von ihrem Gehalt nicht leben können.

Foto: Stefanie Oemisch

Foto: Stefanie Oemisch

Jahreshauptversammlungen, Kerwe-Umzüge und die Kreisschau des Kleintierzuchtvereins. So sieht der gewöhnliche Tag eines freien Lokaljournalisten aus. Dem Ortsvorsteher von Unner-Schimmeldewog (zu deutsch: Unter-Schönmattenwag) die Hand schütteln, Bauerntheater lauschen und so tun, als würde es einen tatsächlich interessieren, wie viele Wandregale sich die Freiwillige Feuerwehr im vergangenen Jahr gekauft hat. Aus den vielen kleinen Veranstaltungen und Vorgängen brauchbare Artikel zu schreiben, ist manchmal ein wirklich anstrengender Job, der leider immer schlechter bezahlt wird.

Zunächst einige Fakten: Die Zeilenhonorare der deutschen Lokalzeitungen liegen zwischen 0 und bestenfalls 35 Cent. Das heißt, dass man für einen durchschnittlich langen Artikel mit 100 Zeilen, zwischen 10 und 35 Euro bekommt. Manch einer wird sagen, das sei doch genug Geld für die paar Zeilen. Doch viele bedenken nicht, wie viel Zeit und Aufwand mit so einem kleinen Artikel verbunden ist.

In den ländlichen Gegenden fährt es sich zu einem Termin meist eine halbe bis dreiviertel Stunde. Dann müssen Sitzungen angehört, Interviews geführt, oder zwei Stunden lang den trivialen Klängen des Kirchenchors gelauscht werden. Im Anschluss wieder Heimfahrt und nun folgt die eigentliche Arbeit: das Schreiben des Artikels. Wird dieser unnötig in die Länge gezogen, kürzt der Redakteur alle überflüssigen Zeilen wieder heraus. Insgesamt kommen die Journalisten so für ihre 10 – 35 Euro auf eine Arbeitszeit von drei bis vier Stunden. Abzüglich Fahrtkosten und Geschäftsausstattung, wie Laptop und Auto, bleibt kaum etwas übrig. So mancher Angestellte verlässt für einen Stundenlohn von weniger als zwölf Euro gar nicht erst das Haus.

Theoretisch ist es möglich, sich als freier Lokaljournalist mit einem Umsatz von 2000 Euro über Wasser zu halten. Dies würde bedeuten, wöchentlich mindestens 20 Termine abklappern zu müssen. Praktisch sieht es aber leider so aus, dass derart viele Termine nicht an einen einzelnen Schreiberling vergeben werden. Unter der Woche übernehmen die Redakteure die anstehenden Veranstaltungen und Gespräche meist selbst und in den Ferienzeiten kann es durchaus sein, dass ein Lokaljournalist drei Wochen lang gar keinen Auftrag bekommt.

Deshalb herrscht unter den freien Mitarbeitern einer Lokalzeitung starke Konkurrenz. Keiner will, dass ein anderer ihm seine Termine wegschnappt oder sich im eigenen Revier breit macht. Vor allem die alten Hasen beschweren sich regelmäßig in den Redaktionen und sorgen dafür, dass neue Mitarbeiter kaum Aufträge bekommen.

Für viele ein echter Traumberuf

Der Lokaljournalismus hat nichts mehr mit den romantischen Vorstellungen vieler Menschen zu tun. Die Schreibenden fahren nicht vom späten Frühstück mit dem Landrat zum Theater, um anschließend in einem gemütlichen Straßencafé ihre literarischen Ergüsse zu verfassen. Als freier Mitarbeiter hat man einen stressigen Job, keine geregelten Arbeitszeiten und ein so geringes Einkommen, dass sich keine Familie davon ernähren lässt.

Trotzdem bleibt im ganzen Lokalzirkus doch noch Spaß. Man kennt sich und wird meist freundlich und dankbar empfangen. Die Leser sind neugierig, wollen sich immer wieder über die neueste Ausgabe unterhalten und loben auch gerne die Arbeit der Journalisten. Nach der vierten Essenseinladung an einem Nachmittag sparen die Schreiber sich das Abendessen — besser so, sie haben sowieso keine Zeit zum Kochen.

Bei so viel Freundlichkeit lässt es sich auch über die regelmäßigen Beschwerdeanrufe der Leser hinwegsehen. “Mein Name wurde falsch geschrieben, ich fordere eine offizielle Richtigstellung”, “Der Postbote hat meine Zeitung nicht richtig in den Briefkasten gesteckt” oder “Niemand hat über meinen Akkordeon-Auftritt berichtet, obwohl ich einen Pressevertreter eingeladen hatte.”

Die Lokaljournalisten kommen rum und treffen täglich interessante Menschen. Für viele ein echter Traumberuf – wenn man denn von ihm Leben könnte.

Autorin:

steffi

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Facebook und Twitter kann tödlich sein – für Worte und Sprache http://wahrer-wortwert.de/facebook-und-twitter-kann-toedlich-sein-fuer-worte-und-sprache/ http://wahrer-wortwert.de/facebook-und-twitter-kann-toedlich-sein-fuer-worte-und-sprache/#comments Sat, 01 Feb 2014 03:45:14 +0000 http://blogs.hr-online.de/wahreworte/?p=465 Im digitalen Zeitalter verlieren wir unsere Sprache. Wir achten in Chats, in schnell getippten SMS oder bei Kommentaren auf Facebook immer weniger auf unsere Ausdrucksweise. Als noch Briefe zur zwischenmenschlichen Kommunikation über weite Entfernungen genutzt wurden, war das anders.

Foto: Tim Pritlove - Creative Commons

Foto: Tim Pritlove – Creative Commons

Wer mit Stift und Papier Worte niederschreibt, muss auf seine Handschrift achten. Die Worte müssen mit Bedacht gewählt und Fehler mit Tintenkiller oder Tipp-Ex ausgebessert werden. Außerdem sollten bei solch einer schicken Kommunikationsmethode Rechtschreibung und Grammatik möglichst perfekt sein.
Wer Worte mittels Handy oder Computer über Twitter, Facebook oder Whats-App in die Welt versendet, kann die hässlichste Handschrift haben – „Arial“ sieht überall gleich leserlich aus. Fehler können mit der Deletetaste in Nullkommanichts ausradiert werden. Die Auto-Korrektur übernimmt die Rechtschreibung und Grammatik ist zweitrangig, wenn man – wie auf Twitter – nur 140 Zeichen für eine Aussage zur Verfügung hat. Aber Stift und Papier erscheinen heutzutage Handys und Laptops gegenüber ebenso veraltet, wie Pfeil und Bogen gegenüber einem Maschinengewehr. Das Maschinengewehr schießt im Gegensatz zum Bogen unheimlich schnell und vor allem viel. So ist es auch in der Online- und Mobilkommunikationswelt. Dank des Internets werden Worte in riesigen Massen veröffentlicht. Pro Tag wird beispielsweise weltweit rund 400 Millionen mal getwittert.

Worte werden zum Wegwerfartikel.

So erfreulich es ist, dass die Menschheit so viel kommuniziert und es dank Autokorrektur weniger Rechtschreibfehler gibt, die neuen Möglichkeiten bringen eine große Gefahr mit sich: Worte werden zum Wegwerfartikel. Hashtags und Abkürzungen wie „YOLO“ ersetzen ganze Wortmassen. Wer auf englisch schreibt, kann extrem werden und aus einzelnen Worten wie „are“ oder „you“ einzelne Buchstaben machen. Dann fragt es sich viel einfacher und schneller: „ Where r u?“ Auch der Einsatz von Smileys oder Icons ermöglicht es, zu kommunizieren und gleichzeitig der Nutzung von Sprache und Worten aus dem Weg zu gehen.
Manchmal schaltet sich die Autokorrektur des Handys so entscheidend ein, dass die Worte gar nicht mehr von einem selbst, sondern direkt vom Handy kommen. Worte und Sprache werden misshandelt zugunsten von Zeit- und Platzersparnis. Selbstverständlich kommen die eben genannten sprachlichen Mängel bei Weitem nicht bei jedermann vor. Es gibt glücklicherweise noch genügend Nutzer, die auch auf Facebook und Co. auf korrekte Kommasetzung und Groß- und Kleinschreibung achten. Doch zwei Dinge sind unvermeidlich und beunruhigend:

1. Es gibt sehr viele Menschen auf unserem Planeten, die Worte und Sprache auf noch schlimmere Arten und Weisen behandeln, als die oben genannten. Als Beweis finden Sie hier eine Liste mit Abkürzungen, die im Internet genutzt werden: wikipedia.de

2. Kinder wachsen heute mit Smartphones und Internet und dementsprechend mit allen möglichen modernen Kommunikationsmöglichkeiten auf.
Wenn sie dort lernen mit Worten umzugehen, ist dem Sprachverfall Tür und Tor geöffnet.

Deshalb ist Vorsicht geboten. Denkt an die Kinder und achtet auch online und in Instant Messaging-Diensten auf eure Sprache und den angemessenen Gebrauch von Worten. Oder schreibt trotz aller Unannehmlichkeiten mal wieder einen Brief. Wie erfreulich das sein kann, zeigt uns Mr. Bean hier: youtube.com.

Autor:

herold
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Selbstversuch: Ein Tag ohne Worte http://wahrer-wortwert.de/selbstversuch-ein-tag-ohne-worte/ http://wahrer-wortwert.de/selbstversuch-ein-tag-ohne-worte/#comments Fri, 31 Jan 2014 23:34:51 +0000 http://blogs.hr-online.de/wahreworte/?p=185 Was habe ich mir nur dabei gedacht? Ausgerechnet ich, die Quasselstrippe, hat sich freiwillig gemeldet, einen Tag lang die Klappe zu halten. Nicht reden und nichts schreiben. Das bedeutet auch, dass Facebook-Posts, Chats und Tweets einen Tag lang tabu sind. Wie soll ich das nur schaffen? Schon die Nacht „davor“ kann ich kaum schlafen vor Aufregung. Doch es gibt kein Zurück mehr, ich werde das durchziehen!

Als ich meinem Freund noch vor ein paar Wochen von diesem Experiment erzählte, war er begeistert („Ein Tag, an dem du schweigst? Da müssen wir uns unbedingt sehen!“). Sehr witzig. Seine Einstellung änderte sich allerdings, als es dann wirklich soweit war. Doch dazu später mehr.

Es geht los: Mein Schweige-Tag

Foto: Corinna Schuster

Mit einem Apfel und einer Trinkbewegung gelingt es mir, der Verkäuferin zu zeigen, was ich will: Apfelsaftschorle.
Foto: Corinna Schuster

Bevor es in die Uni geht, führt mich mein Weg erst einmal zu meiner Stammbäckerei. Bis auf die Tatsache, dass ich mich extrem unfreundlich fühle, läuft es besser als gedacht. Ohne ein „Guten Morgen“ oder ein „Danke“ zeige ich stumm auf die Rosinenbrötchen und forme die Zahl zwei mit meinen Fingern. Die Verkäuferin versteht sofort. Auch, als ich auf meinen Apfel zeige und eine Trink-Bewegung mache, komme ich mir zwar superdämlich vor, aber sie weiß sofort, was ich will: Apfelsaftschorle. Juhu! Ein erster Erfolg!
Meine Kommilitonin Corinna begleitet mich heute als Fotografin – und ist als Einzige eingeweiht. Das erste Zusammentreffen mit ihr ist lustig. Sie begrüßt mich freudestrahlend, ich winke ihr nur zu. Die 30-minütige Busfahrt mit ihr verläuft ungewohnt – schließlich ist sie die einzige, die redet. Ich hingegen nicke nur oder schüttele den Kopf, wenn sie mir eine Frage stellt. Auch für sie eine seltsame Situation. „Ich vermisse deine Stimme jetzt schon“, sagt Corinna und fährt dann lachend fort: „Das Problem ist, dass ich meine Stimme jetzt zu viel höre. Ich hätte gerne mehr Abwechslung.“ Was wohl die übrigen Fahrgäste denken angesichts dieses doch sehr einseitigen Gesprächs?

Foto: Corinna Schuster

Sprechen darf ich nicht, Wörter benutzen eigentlich auch nicht. Für meine Dozentin mache ich eine Ausnahme. Schließlich soll sie wissen, warum ich heute im Unterricht nicht mitmache.
Foto: Corinna Schuster

In der Uni angekommen, muss ich der Dozentin die Situation erklären. Es wäre schon ziemlich auffällig, wenn ich im Blockseminar – das sieben Stunden lang dauert – nur schweigend dasitze. Eigentlich darf ich nichts schreiben, doch das ist eine von drei Ausnahmen, die ich mir selbst „gönne“. Mit Zeichensprache deute ich an, dass ich heute nicht sprechen kann. Ich entfalte mein Blatt Papier, auf das ich mit großen Worten „Für Uni-Projekt“ geschrieben habe. Sie lacht. Gut, dass meine Dozentin so verständnisvoll ist.
Die beiden anderen Ausnahmen: Ich schreibe im Unterricht mit und beantworte eine Anfrage von meinem Chef. Meinen Nebenjob will ich schließlich behalten.

Manchmal braucht man auch keine Wörter, wie zum Beispiel beim Mensa-Essen. Foto: Corinna Schuster

Manchmal braucht man auch keine Wörter, wie zum Beispiel beim Mensa-Essen.
Foto: Corinna Schuster

„Und? Was sagst du dazu, Sonja?“

Nicht alle Mitstudenten wissen vom Experiment und es dauert lange, bis einige mich darauf ansprechen, „was denn mit mir los“ sei. Mit Mimik und Gestik versuche ich, auf die Frage zu antworten, bis mein Gegenüber völlig entnervt aufgibt: „Also an deiner Gebärdensprache musst du noch arbeiten“. Na danke.
Je länger der Tag andauert, desto frustrierter werde ich. Nicht nur, weil ich mich in keinster Weise am Unterricht beteiligen kann – obwohl mir so viel auf der Zunge liegt. Sondern auch, weil ich nicht wie sonst immer kleine Scherze am Tisch mit meinen Kommilitonen reißen kann. Dennoch: Es ist auffällig, dass die Mitstudenten, die am meisten mit mir zu tun haben, meine Zeichensprache am besten verstehen. „Das Raten macht ja richtig Spaß“, so das Fazit einiger. Ja, wenn man nicht derjenige ist, der sich nicht ausdrücken kann, bestimmt. Denn die Verständigung gelingt trotz aller Anstrengung nicht immer. Bis zur Pause hat sich mein Experiment herumgesprochen. So manche fangen jetzt an, mich zu necken mit Sprüchen wie „Und? Was sagst du dazu, Sonja?“. Tja, nicht viel…zumindest nicht heute. Und während die Gespräche am Mensa-Tisch weitergehen, fällt mir immer mehr auf, wie isoliert ich bin. So viele Fragen, die ich gerne stellen würde, so viele Themen, bei denen ich gerne mitreden oder etwas erzählen würde – und kann es nicht. Nur bei der Abschlussbesprechung, bei der unsere Dozentin Feedback von uns haben möchte, kann ich mich äußern: Ich strecke ihr zwei Daumen nach oben entgegen.

Erst belustigt, dann genervt

„Du ziehst das echt durch?!“, stellt mein Freund fest, als ich ihn am Abend sehe und er merkt, dass ich mein Schweige-Gelübde wirklich ernst nehme. Zuerst findet er es lustig und zieht mich am laufenden Band mit Fragen wie „Und? Wie war dein Tag heute?“ auf. Doch auch bei ihm ist irgendwann Schluss mit lustig und er stöhnt: „Hoffentlich ist dieser Tag bald vorbei, das ist echt anstrengend.“ Vorbei ist der Tag dann tatsächlich wenige Stunden später. Und ganz ehrlich? Ich bin richtig froh darüber.

Fazit: Ein Tag ohne Worte kann sehr lang sein und Kommunikation ohne Worte ist verdammt schwierig. Der Wert von Worten? Unbezahlbar.

sonjan

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Es kann nur einen geben http://wahrer-wortwert.de/es-kann-nur-einen-geben/ http://wahrer-wortwert.de/es-kann-nur-einen-geben/#comments Fri, 31 Jan 2014 22:45:34 +0000 http://blogs.hr-online.de/wahreworte/?p=450 Wenn Gummibärchen einen Schokoladenteddy abschaffen wollen und ein Apple den anderen verklagt, dann wird klar, wie wichtig den Firmen ihre Wort- und Bildmarken sind. Die Rechte an diesen lässt sich der ein oder andere Konzern schon mal ein paar Millionen kosten.

Der Gummibär geht dem Schokoteddy an den Kragen

Gelbes Gummibärchen vor Schoko-Teddy von Lindt

Quelle: dpa

Wer hätte gedacht, dass ein kleiner goldener Schokobär für so viel Ärger sorgen kann? Der Schweizer Schokoladenfabrikant Lindt Sprüngli, Hersteller des süßen Teddys, sicher nicht. Eigentlich sollte der in Goldfolie eingepackte Schokoladenbär, als weihnachtliches Gegenstück zum Lindt-Goldhasen, die Kassen ordentlich zum Klingeln bringen. Stattdessen gab es eine Klage von Haribo und ein monatelanger Rechtsstreit begann. Dessen Ende ist noch lange nicht in Sicht. Der Süßwarenhersteller sah seine eingetragene deutsche Wortmarke „Goldbär“ bedroht. Und bekam 2012 Recht vom Kölner Landgericht. Die Richter untersagten den weiteren Verkauf. Die Richter kamen zu dem Schluss, der Teddy sei die bildliche Darstellung eines „Goldbären“ auch wenn Lindt selbst auf eine solche Bezeichnung verzichte. Es sei für den Verbraucher einfach der nächstliegende Name für einen goldfoliierten Bären. Dass der Gold-Teddy trotzdem weiterverkauft wird, liegt an einer außergerichtlichen Vereinbarung zwischen Haribo und Lindt. Der Schokoladenhersteller darf seinen Teddy solange weiterverkaufen, bis ein Urteil in letzter Instanz gefällt wurde.

Eine Insel legt sich mit Facebook an

Die Facebox auf Norderney

Quelle: dpa

Ein alter Badekarren, ausgestattet mit einer Videokamera, einem Tisch und einer Bank, das ist die „Facebox”. Sie steht auf dem Kurplatz der Insel Norderney und gibt Besuchern die Möglichkeit, kostenlos Videobotschaften aufzunehmen, die dann auf YouTube und Facebook hochgeladen werden. Kurzum, wunderbare PR für die Insel. Nur hatten die Betreiber nicht daran gedacht, dass sich das soziale Netzwerk Facebook an Name und Schriftzug der Werbe-Idee stoßen könnte. Der Internet-Riese meldete sich beim Staatsbad wegen seiner Markenrechte und wenig später trat auch noch das Deutsche Patent- und Markenamt auf den Plan. Laut der Behörde standen die Buchstaben des Schriftzuges zu eng beieinander. Außerdem würden sich die dunkel klingenden Vokale „o“ und „u“ stark ähneln, was leicht zu Verwechslungen führen könne. Die Marketingabteilung der Insel musste die „Facebox“ aufgeben. Trotzdem können Inselbesucher auch weiterhin aus dem Badekarren Videobotschaften versenden. Jetzt unter dem Namen „neybox” – aber immer noch mit Facebook-Seite.

Daniel gegen Google

Das Logo von Google Mail bzw. Gmail

Quelle: dpa

Meist sind es die großen Konzerne, die ihre Markenrechte gegenüber kleinen Firmen schützen. Genau anders herum war es im Fall Daniel Giersch gegen Google. Giersch gründete im Jahr 2000 einen E-Mail-Dienst, den er „G-Mail“ nannte, und sicherte sich beim Deutschen Patent- und Markenamt die Namensrechte. Er staunte nicht schlecht, als er 2004 von Googles E-Mail-Dienst „Gmail“ erfuhr. Seinen Hinweis auf die starke Ähnlichkeit und seine Rechte an der Wort-Bild-Marke „G-Mail“ ignorierte Google. Besonders ärgerlich war für Giersch, dass er ständig Anrufe von der Polizei bekam. Die Beamten wollten von ihm Auskünfte über kriminelle E-Mail-Nutzer. Diese waren eigentlich Kunden von Googles E-Mail-Dienst, aber in Deutschland hatte ja Giersch die Rechte an „G-Mail“. 2005 erwirkte der Jungunternehmer mithilfe der Gerichte, dass Google in Deutschland die Endungen ihrer E-Mail-Adressen in „@googlemail.com“, die Adresse der Internetseite sowie die Bezeichnung ihres E-Mail-Dienstes in „Google Mail“ abändern musste. Google blieb nur noch die Möglichkeit einer außergerichtlichen Einigung, da das Gericht eine Revision nicht zugelassen hatte. 2012 konnten sich beide Parteien einigen. Seitdem besitzt Google in Deutschland die Rechte an „G-Mail“ bzw. „Gmail“. Über Preis und Bedingungen wurde Stillschweigen vereinbart.

Apple Wars

Schallplatte mit dem Apfel-Logo von Apple Corps

Quelle: dpa

Rund, knackig und gesund: Der Apfel ist nicht nur als Obst sehr beliebt, sondern auch als Name und Logo. So beliebt, dass sich die Plattenfirma Apple Corps und der Computerhersteller Apple Inc seinetwegen einen jahrelangen Rechtsstreit lieferten. Apple Corps wurde bereits 1968 gegründet und vereint in sich alle kommerziellen Aktivitäten der Beatles. Den Computerkonzern Apple Inc gibt es seit 1976. Aber sie teilen sich nicht nur den Namen, auch ihre Logos ähneln sich. Das Logo der Plattenfirma ist ein natürlicher grüner Apfel. Das Obst des Computerherstellers ist stilisiert und angebissen. 1981 verklagte die Beatles-Firma Apple Inc erstmals. Von da an sollte der Computerhersteller die Finger vom Musikgeschäft lassen. Zehn Jahre später einigten sich beide Firmen außergerichtlich. Apple Corps bekam die Rechte auf kreative Werke musikalischen Inhalts und Apple Inc durfte nun Dienste zur Reproduktion und Wiedergabe von Musik veröffentlichen. Im Jahr 2006 ging der Streit erneut vor Gericht. Apple Corps warf seinem Namensvetter vor, dessen Musikdienst iTunes verstoße gegen die Vereinbarung. Das sah der Richter aber anders. Ein Jahr danach gingen in einem Vergleich alle Markenrechte in Bezug auf den Namen „Apple“ auf den Computerkonzern über. Seit 2010 gibt es die Musik der Beatles nun auch als Download bei iTunes.

Das „T” ist ihnen nicht genug

Die Logos der Deutschen Telekom und 01051 Telecom

Quelle: dpa

Den magentafarbenen Buchstaben „T“ hatte sich die Deutsche Telekom bereits gesichert. Das war ihr aber noch nicht genug. Um sich den kompletten Namen „Telekom“ oder auch „Telecom“ zu sichern, verklagte der Konzern einen Konkurrenten namens 01051 Telecom GmbH. Die Klage ging zunächst vor das Oberlandesgericht Düsseldorf, wurde dort aber abgewiesen. Grund: Die Richter waren nicht der Meinung, dass man das Wort „Telekom“ automatisch mit dem rosa Unternehmen in Verbindung bringen würde. Die Deutsche Telekom hatte das als Begründung für die Klage angegeben. Noch gab diese sich aber nicht geschlagen und zog 2003 vor den Bundesgerichtshof – vergeblich. Die Karlsruher Richter begründeten ihr Urteil damit, dass „Telekom“ lediglich eine Abkürzung für Telekommunikationsdienstleistungen sei und somit nur den Tätigkeitsbereich eines Unternehmens beschreibe. Wäre die Deutsche Telekom mit ihrer Klage erfolgreich gewesen, hätten sämtliche andere Unternehmen den Zusatz „Telekom“ aus ihrem Namen streichen müssen.

Starbucks zwingt „Konkurrenz” in die Knie

Kaffeestand mit dem Schild "Starbung Coffee"

Quelle: dpa

Wer hat Angst vor einem kleinen Kaffee-Stand in Bangkok? Starbucks. Jedenfalls sah der Weltkonzern in dem Straßenverkauf von Damrong Maslee unerlaubte Konkurrenz. Der Thailänder hatte über seinem Stand ein Schild mit der Aufschrift „Starbung Coffee“ angebracht. Dieses ähnelte dem Logo von Starbucks. Das kaffeeverkaufende Weltunternehmen verstand das Schild als Verletzung seiner Patentrechte und forderte von Damrong Schadenersatz in Höhe von 300.000 Baht (rund 7.000 Euro). Das ist deutlich mehr als dieser in einem Jahr verdient. Am Ende konnten Starbucks und er sich aber doch noch gütlich einigen. Der Straßenverkäufer hängte das umstrittene Schild ab, Starbucks ließ dafür die Schadenersatzforderung fallen. Heute heißt Damrongs Laden „Bung´s Tears“.

Mein Appstore, dein App Store

Die Logos von Apples "App Store" und von Amazons "AppStore"

Quelle: Martin Brandt

2011 startete Amazon eine Plattform mit Zusatzprogrammen für Android-Geräte und nannte sie „Appstore“. Der Name kommt Ihnen bekannt vor? Kein Wunder, schließlich heißt auch die Plattform von Apple „App Store“. Nur eben mit einem Leerzeichen dazwischen. Grund genug für Apple Amazon wegen der Namensrechte zu verklagen. Zusätzlich warf Apple dem Online-Händler irreführende Werbung vor. Das Gericht wies den Vorwurf ab. Der Streit um den Namen blieb. Amazon wandte ein, dass „Appstore“ inzwischen eine allgemeine Bezeichnung für eine Download-Plattform für Apps sei. Dennoch scheiterten sämtliche Schlichtungsgespräche. Zwei Jahre später legte die zuständige Richterin, auf Bitten der beiden Unternehmen, den Fall zu den Akten. Wie es zu dieser plötzlichen Einigung kam, ging nicht aus den Gerichtsunterlagen hervor.

Der Bierkrieg

Budweiser-Flaschen von Budejovický Budvar und Anheuser-Busch

Quelle: dpa

Wenn es um Bier geht, verstehen die Deutschen keinen Spaß. Dass es den Amerikanern und den Tschechen damit auch sehr ernst ist, zeigt der jahrelange Rechtsstreit von Anheuser-Busch und Budejovický Budvar. Grund dafür ist der Name ihrer Produkte, denn beide Brauereien nennen ihren Gerstensaft „Budweiser“. In den 1990er Jahren ließ die amerikanische Anheuser-Busch ihre Marke in der Europäischen Union eintragen. Ab sofort gab es in der EU also zwei Biermarken mit dem Namen „Budweiser“. Da das in vielen Ländern aufgrund der exklusiven Vergabe von Namensrechten nicht möglich war, ging der Fall vor Gericht. Das amerikanische „Budweiser“ gibt es seit 1878. Das Bier aus der böhmischen Stadt Budweis wird hingegen schon seit dem 13. Jahrhundert gebraut. Aufgrund der älteren Rechte entschied das Gericht im Jahr 2010, dass in der EU nur noch das Bier aus Tschechien die Bezeichnung „Budweiser“ tragen darf. Was die Brauereien aber nicht davon abhielt, sich auch weiterhin gegenseitig vor Gericht zu zerren. Es war schließlich noch nicht geklärt, wer die Rechte an der Abkürzung „Bud“ hatte. 2013 konnte auch dieser Streit endlich beigelegt werden. Seitdem darf nur noch das amerikanische Bier „Bud“ heißen. Die beiden Brauereien standen einander insgesamt über 100 Mal vor Gericht gegenüber.

Autorin:

svea


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Worte, die meine Welt verändert haben http://wahrer-wortwert.de/worte-die-meine-welt-veraendert-haben/ http://wahrer-wortwert.de/worte-die-meine-welt-veraendert-haben/#comments Fri, 31 Jan 2014 22:31:49 +0000 http://blogs.hr-online.de/wahreworte/?p=179

 

Wir haben Passanten in der Darmstädter Innenstadt gefragt: Welche Worte haben Ihre Welt verändert?

Autoren:

corinna

sonjan

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Was kosten Worte? http://wahrer-wortwert.de/was-kosten-worte/ http://wahrer-wortwert.de/was-kosten-worte/#comments Thu, 30 Jan 2014 22:36:13 +0000 http://blogs.hr-online.de/wahreworte/?p=128 JUSTIN FASHANUNotts County FC and England Under-21 International... Justin Fashanu

„I am gay“, titelte die englische Zeitung „The Sun“ im Oktober 1990. Das Outing Justin Fashanus, das Erste eines noch aktiven Profifußballers, hat vermutlich bis heute noch eine abschreckende Wirkung im Sport-Bereich. Fashanu wurde von Trainer und Mitspielern verspottet, von der eigenen Familie als „Ausgestoßener“ bezeichnet und von der Presse zu Unrecht der Vergewaltigung eines Minderjährigen bezichtigt. Am 2. Mai 1998 erhängte sich Fashanu in seiner Garage. In seinem Abschiedsbrief schrieb er: „Schwul und eine Person des öffentlichen Lebens zu sein, ist hart.“

Viktoria Pilsen - FC Bayern M¸nchen 0:1 Lothar Matthäus

Der beste deutsche Fußballspieler seit Beckenbauer. Der einzige deutsche Weltfußballer. Der Kapitän des Weltmeisterteams 1990. Sportlich kann man einem Lothar Matthäus nur huldigen. Leider tritt ein Lothar Matthäus abseits des Platzes nicht vergleichbar souverän auf. Ein Lothar Matthäus trägt heutzutage seine diversen Rosenkriege in die Öffentlichkeit aus. Da kann es auch schon mal sein, dass er das Geld für eine Brust-OP von der 20-jährigen Ex-Freundin zurückfordert. Mit Aussagen wie „Ich bin bereit“ zu so ziemlich jedem freigewordenen Trainerposten in der 1. und 2 Bundesliga, schießt ein Lothar Matthäus sich leider immer weiter ins Abseits. Als Beispiel sei die Dokumentation „Lothar immer am Ball“ wärmstens empfohlen.

FDP- Bundesvorstand Rainer Brüderle

Ein Klassiker des Herrenwitzes löste am 24. Januar 2013 eine monatelange Debatte über Sexismus in der Öffentlichkeit aus. Die “Stern”-Journalistin Laura Himmelreich beschuldigte den FDP-Spitzenkandidaten Rainer Brüderle, ein Jahr zuvor zu ihr gesagt zu haben: „Sie können ein Dirndl auch ausfüllen.“ Der Begriff „sexuelle Belästigung“ war zwar seitens des „Opfers“ niemals gefallen, dennoch schaltete sich die selbsternannte Netzfeministin Anne Wizorek ein. Aufgrund von Brüderles Schandtat rief sie unter #Aufschrei zu Tweets über allerlei sexuelle Belästigung auf. Brüderle schweigt bis heute zu diesem Thema.

Berlins Regierender B¸rgermeister Klaus Wowereit Klaus Wowereit

„Ich bin schwul und das ist auch gut so!“, mit diesen Worten machte Klaus Wowereit, amtierender Bürgermeister Berlins, auf einem Sonderparteitag im Juni 2001 seine Homosexualität öffentlich. Er war der erste deutsche Spitzenpolitiker, der sich so offen zu seiner Sexualität bekannte. Geschadet hat ihm das nicht. Wowereit ist aktuell der dienstälteste Regierungschef eines deutschen Bundeslandes.

´Bildª: Ex-´Tagesschauª-Sprecherin meldet Privatinsolvenz an Eva Hermann

Gründlich schiefgelaufen ist Eva Hermans Publicity für ihr Buch „Das Eva Prinzip“ im Jahr 2007. Mehrfach musste die damalige NDR-Moderatorin auf öffentlichen Veranstaltungen ihre Thesen zur Familienpolitik der NS-Zeit erklären. Unglückliche Formulierungen wie „Aber es ist eben das, was gut war, das sind Werte, Kinder, Mütter, Familie, Zusammenhalt – das wurde abgeschafft, es durfte nichts mehr stehen bleiben.“ rückten sie in ein rechtes Licht. Der NDR entließ Herman im Laufe dieser Debatte fristlos, aus der Talkshow von Johannes B. Kerner flog die Moderatorin nach 53 Minuten raus. Die “BILD-Zeitung” mit kaum reißerischen Überschriften wie „Eva Herman lobt Hitlers Familienpolitik“ stempelten Herman auch in der Öffentlichkeit ab. Immerhin landete das Buch auf der Bestsellerliste.

SPD-Landesparteitag

Andrea Ypsilanti

Der Wortbruch der Andrea Ypsilanti. Vor der hessischen Landtagswahl 2008 schloss die Spitzenkandidatin der SPD jedwede Zusammenarbeit mit der Linken aus. Die SPD wurde mit 0,1 Prozentpunkten Abstand zweitstärkste Partei nach der CDU, was Ypsilanti veranlasste, doch eine Rot-Grüne Minderheitsregierung unter Tolerierung durch die Partei “Die Linke” anzustreben. Vier Mitglieder der SPD-Landtagsfraktion kündigten an, bei der geplanten Wahl zur Ministerpräsidentin nicht für Ypsilanti zu stimmen. Am Ende musste sie ihren Stuhl räumen und Thorsten Schäfer-Gümbel übernahm.

Bayer Leverkusen : VFB Stuttgart 2-1

Christoph Daum

Es war einer der größten Skandale des deutschen Fußballs: die Kokain-Affäre um Christoph Daum. Stein des Anstoßes war Daums Erzfeind, Uli Hoeneß, der gegenüber der Münchener Abendzeitung im Herbst 2000 in einem Interview sagte: „Der DFB kann doch keine Aktion ‚Keine Macht den Drogen‘ starten und Herr Daum hat vielleicht damit etwas zu tun.“ Der „verschnupfte Daum“, der zu dieser Zeit als künftiger Trainer der deutschen Nationalmannschaft gehandelt wurde, wollte diesen ungeheuerlichen Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen und erklärte auf einer Pressekonferenz, dass er sich einer Haaranalyse unterziehen will: „Ich tue dies, weil ich ein absolut reines Gewissen habe.“ Lüge! Nachdem ihm der Kokainkonsum nachgewiesen wurde, wurde Daum als Vereinstrainer fristlos entlassen, außerdem sein ab 1. Juni 2001 laufender Vertrag als Bundestrainer der deutschen Fußballnationalmannschaft vom DFB aufgelöst.

Walter Ulbrich

Walter Ulbricht

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Der wohl bekannteste Satz des Walter Ulbricht, den er am 15. Juni 1961 auf einer Pressekonferenz gegenüber Journalisten äußerte. Zwei Monate später, am 13. August 1961, veranlasste Ulbricht mit sowjetischem Einverständnis den Bau der Berliner Mauer. Eine Lüge, die tragische Folgen hatte und erst 1989 eingerissen wurde.

China Philanthropy Forum 2013

Bill Clinton

„I did not have sexual relations with that woman, Miss Lewinsky.“ Gelogen, Herr Präsident. Der 42. Präsident der Vereinigten Staaten, Bill Clinton, scheute sich nicht, seine Frau, seine Tochter und die gesamte Öffentlichkeit anzulügen. Die Folgen? Keine. Der Senat im Kongress der USA sprach sich dafür aus, dass Clinton im Amt bleiben durfte. Auch seine Frau Hillary verzeihte ihrem Ehegatten die Affäre.

Uwe Barschel

Uwe Barschel

„Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort.“ Ist das Ehrenwort doch nichts mehr wert? Uwe Barschel, seines Zeichens Ministerpräsident Schleswig-Holsteins von 1982 bis 1987, log die gesamte deutsche Öffentlichkeit an. Dem CDU-Politiker wurde manipulatorische Maßnahmen gegen seinen politischen Gegner zur Last gelegt. In den Medien wurde sie auch als Kieler Affäre gehandelt und mit der Watergate-Affäre verglichen. Barschel trat schließlich am 2. Oktober 1987 vom Amt des Ministerpräsidenten zurück. Neun Tage später wurde er tot in der Badewanne seines Hotelzimmers in Genf aufgefunden.

Konrad Adenauer / Foto um 1960 - Konrad Adenauer / Photo c.1960 -

Konrad Adenauer

„Es ist die Schicksalsfrage Deutschlands. Wir stehen vor der Wahl zwischen Sklaverei und Freiheit. Wir wählen die Freiheit!“ Dieser Ausspruch des ersten Bundeskanzlers der Bundesrepublik, Konrad Adenauer, beweist, dass Worte in schweren Zeiten helfen, um in eine bessere Zukunft zu blicken und die Vergangenheit zu verarbeiten.

´Rudi und ichª: Hosea Dutschke erinnert sich

Rudi Dutschke

Mit seinen Reden zum Krieg in Vietnam polarisierte der damals bekannteste Wortführer der westdeutschen und West-Berliner Studentenbewegung, Rudi Dutschke. Durch seine Worte erfuhr er zunehmend Ablehnung und Hass. Die Zeitungen des Springerverlags und viele Regionalzeitungen setzten ihn – wie die 68er insgesamt – mit Hinweisen auf sein „ungepflegtes Äußeres“ und seine DDR-Herkunft herab. Die Folgen: Dutschke starb 1979 an den Spätfolgen eines Attentats, bei dem er 1968 schwere Hirnverletzungen davongetragen hatte.


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Bush und Powell

George W. Bush und Colin Powell (Irakkrieg)

Um den zweiten Irakkrieg zu begründen, logen der damalige US-Präsident, George W. Bush, und sein Außenminister, Colin Powell, Vertreter der Vereinten Nationen an und legten Beweise für Massenvernichtungswaffen vor, die gefälscht waren. Mit seiner bekannten Irak-Rede sorgte Powell dafür, dass nicht nur der Diktator des Landes, Saddam Hussein, getötet wurde, nein, auch zig Zivilisten bezahlten mit ihrem Leben. Powell und Bush wurden bis heute nicht für ihre Vorgehen angeklagt.

Germany, Berlin: Ronald Pofalla at CDU event

Ronald Pofalla

„Es ist ein erstaunlicher Vorgang, dass ein deutscher Bundeskanzler (Gerhard Schröder, A. d. R.) schon Wochen nach seinem Ausscheiden die Reputation seines früheren Amtes für eine kommerzielle Tätigkeit nutzt!“ Mit diesen Worten kritisierte der CDU-Politiker und ehemalige Kanzleramtsminister, Ronald Pofalla, den Wechsel vom ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder in die Wirtschaft. Ob ihm diese Worte bald zum Verhängnis werden und seinen bevorstehenden Wechsel in den Vorstand der Deutschen Bahn gefährden?

1. Weltkrieg /Dolchstosslegende

Deutsche Oberste Heeresleitung im 1. Weltkrieg (Dolchstoßlegende)

Um dem Volk glaubhaft zu machen, dass das deutsche Heer im ersten Weltkrieg im Feld unbesiegbar wäre, log die deutschen Oberste Heeresleitung seine Mitbürger schamlos an. Dank einer Verschwörungstheorie wurde die Schuld an der militärischen Niederlage des Deutschen Reichs vor allem auf die Sozialdemokratie und andere demokratische Politiker abgewälzt. Die Worte zündeten und die Dolchstoßlegende war geboren.

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Autoren:

frank

benny

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Trigger-Worte: „Reiß dich zusammen!“ http://wahrer-wortwert.de/trigger-worte-reiss-dich-zusammen/ http://wahrer-wortwert.de/trigger-worte-reiss-dich-zusammen/#comments Wed, 29 Jan 2014 14:56:57 +0000 http://blogs.hr-online.de/wahreworte/?p=87 Reiß dich zusammen!

Reiß dich zusammen!

Wenn wir Worten mehr Gewicht geben als wir sollten

Ein Paradoxon in sich: die Floskel „Reiß dich zusammen!“  Wie kann etwas zusammen gerissen werden? Etwas zusammenfügen, indem jemand daran reißt, klingt unmöglich. Trotzdem sind diese drei Worte ein Ratschlag, den so ziemlich jeder schon einmal gehört hat. Die Widersprüchlichkeit sehen die Geber des Rates meist nicht.

Oft genug hat Jutta in einer, für sie, aussichtslosen Situation eben jene Floskel als missglückte Aufmunterung zu hören bekommen. Das erhoffte Ergebnis dieser Empfehlung verkehrte sich zu meist ins Gegenteil. Sie fühlte sich viel hilfloser als zuvor und war zusätzlich noch deprimiert. Sie fühlte sich wie ein kleines Kind, das zu zurechtgewiesen werden muss. Jutta, drei Jahre, ist hingefallen und hat eine kleine Schürfwunde am Knie – „Reiß dich zusammen!“ Juttas Familie ist umgezogen und in der neuen Schule findet sie keine Freunde – „Reiß dich zusammen!“ Ihr gerade begonnenes Studium macht ihr keinen Spaß und sie zweifelt an ihren Begabungen – „Reiß dich zusammen!“

Was bedeutet „Reiß dich zusammen?“

Wer ihr diesen Ratschlag gab, meinte vielleicht so viel wie die Zähne zusammen beißen, nicht locker lassen. Es könnte einem aber auch sagen, dass die Person an Jutta glaubte und dachte, sie könne mit diesem klugen Rat jede Situation überdauern. Wieder andere sehen den Ratschlag als  „Tritt in den Hintern“. Sie schließen von sich auf andere und gehen davon aus, dass der Rat genau das Richtige sei, um andere anzuspornen.

Für Jutta allerdings bedeutet „Reiß dich zusammen“  nur: „Die Person möchte oder kann sich nicht mit meinen Problemen befassen. Sie wünscht sich, dass ich sie nicht weiter mit meinen Wehwehchen belästige.“ Als wäre Jutta wieder fünf Jahre alt und hätte sich die Finger in der Autotür eingeklemmt. Es tat zwar weh, aber es war kein Blut zu sehen. Deshalb galt es, die Erwachsenen nicht mit solchen Lappalien zu stören.

Erst vor einigen Wochen hat sich Jutta, nach eigenen Angaben, selbst dabei erwischt, wie sie den verhassten Ratschlag jemand anderem gab. „Und ich habe mich genauso gefühlt, wie ich dachte – überlegen und genervt. Ich war mir zu fein, um mich mit der wehleidigen Darbietung einer Mimose abzugeben.“

Bei unbedachten Ratschlägen ist eine negative emotionale Reaktion programmiert

Gemeinsam mit einer Psychologin begebe sich Jutta nun auf die Suche nach dem Ursprung und der Bedeutung ihres Triggers. Wie kommt es, dass der Mensch sich solcher Ratschläge bedient? Was genau regt Jutta an genau diesen drei Worten überhaupt so auf? Wie kann sie ihre übermäßig emotionale Reaktion auf solche Schlüsselworte abstimmen?

Die Floskel „Reiß dich zusammen!“ ist, in den meisten Fällen, ein unbedachter Ratschlag. Der Grund, weshalb wir derartige Phrasen gerne aussprechen:  Der Mensch ist ein Wesen, das auf Probleme eine möglichst schnelle Lösung haben will. Dies bringt uns oft dazu, voreilig mit Empfehlungen um uns zu werfen. Mit der Artikulation des Rates sehen wir das Problem als gelöst an. Die Motive dahinter sind oft eigene Hilflosigkeit gegenüber dem Leiden anderer, Unaufmerksamkeit oder Desinteresse.

Dr. Vesna Marinovic´ ist Diplompsychologin. Sie hat in Heidelberg studiert und promoviert. Derzeit forscht sie an der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Uniklinikums Frankfurt am Main über sozial-kognitive Entwicklungen bei Kleinkindern.

Dr. Vesna Marinovic´ ist Diplompsychologin. Sie hat in Heidelberg studiert und promoviert. Derzeit forscht sie an der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Uniklinikums Frankfurt am Main über sozial-kognitive Entwicklungen bei Kleinkindern.

Dahinter kann trotzdem der aufrichtige Wunsch stehen, jemandem helfen zu wollen. Die Person denkt schnell, sie überblicke die ganze Situation und helfe mit einem Ratschlag.

Wer auf Floskeln “allergisch” reagiert, fühlt sich meist unverstanden. Psychologin Marinovic´ erklärt: „Für sie steht fest: Der gegenüber möchte nicht wissen, WARUM es mir schlecht geht und speist mich deshalb mit einer leeren Worthülse ab.” Ein Rat wie „Reiß dich zusammen“ erlaubt außerdem den Schluss, das angesprochene Problem wäre nicht als solches anzuerkennen. Wer keine Anerkennung bekommt, fühlt sich nicht ernst genommen.

Wenn wir genau das Gegenteil tun…

In der systemischen Psychotherapie gibt es den Ansatz der „Paradoxen Intervention“. Dabei werden die Patienten aufgefordert, das Gegenteil vom eigentlich Erwünschten zu tun. Personen mit Schlafstörungen wird beispielsweise zur Aufgabe gestellt, die Nacht über wach zu bleiben. Dies nimmt den Druck, unbedingt einschlafen zu müssen und führt meistens zu Entspannung und letztendlich zum Einschlafen. Ein Rat, der Jutta dazu ermuntert, ihre Sorgen fallen zu lassen und gegebenenfalls nicht ihr Ziel zu erreichen, könnte also unter gegebenen Umständen hilfreicher sein. Der Druck würde weichen, das Ziel unter allen Umständen zu erreichen und dadurch sogar für neue Motivation sorgen. Bei unbedachten Ratschlägen ist eine negative emotionale Reaktion programmiert.

Wie kann Jutta in Zukunft damit umgehen?  Eine allgemeingültige Methode gegen fahrlässige Empfehlungen gibt es nicht. Jeder reagiert anders auf Empfehlungen in unterschiedlichen Situationen. So muss auch jeder seinen eigenen Weg finden, damit umzugehen. Eine Möglichkeit wäre, sich präventiv eine pfiffige Antwort auf Trigger-Worte zu überlegen. Eine gute Taktik, um mit Floskeln umzugehen: das Ganze mit Humor nehmen, aber seinem Gegenüber trotzdem zeigen, dass man sich nicht verstanden fühlt. Als Ratgeber gilt sich zu merken: Ratschläge sind auch Schläge.

Ein Berater sollte keine unbedachten Ratschläge geben. Es ist stattdessen üblich, die Situation des Klienten genau zu beleuchten, um zu verstehen, worin das Problem liegt. Dies geschieht, indem der Berater seinem Gegenüber genau zuhört und spezifische Fragen stellt, während er sich stets vergewissert, die Situation richtig verstanden zu haben. Diese Art von Problembearbeitung macht einen expliziten Ratschlag häufig unnötig. Durch das genaue Hinschauen gewinnen Berater und Klient ein klares Bild. Der Betroffene kann dadurch leichter entscheiden, wie er in zukünftigen Situationen handeln wird.

Autorin:

sonjap

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