Facebook und Twitter kann tödlich sein – für Worte und Sprache

Im digitalen Zeitalter verlieren wir unsere Sprache. Wir achten in Chats, in schnell getippten SMS oder bei Kommentaren auf Facebook immer weniger auf unsere Ausdrucksweise. Als noch Briefe zur zwischenmenschlichen Kommunikation über weite Entfernungen genutzt wurden, war das anders.

Foto: Tim Pritlove - Creative Commons

Foto: Tim Pritlove – Creative Commons

Wer mit Stift und Papier Worte niederschreibt, muss auf seine Handschrift achten. Die Worte müssen mit Bedacht gewählt und Fehler mit Tintenkiller oder Tipp-Ex ausgebessert werden. Außerdem sollten bei solch einer schicken Kommunikationsmethode Rechtschreibung und Grammatik möglichst perfekt sein.
Wer Worte mittels Handy oder Computer über Twitter, Facebook oder Whats-App in die Welt versendet, kann die hässlichste Handschrift haben – „Arial“ sieht überall gleich leserlich aus. Fehler können mit der Deletetaste in Nullkommanichts ausradiert werden. Die Auto-Korrektur übernimmt die Rechtschreibung und Grammatik ist zweitrangig, wenn man – wie auf Twitter – nur 140 Zeichen für eine Aussage zur Verfügung hat. Aber Stift und Papier erscheinen heutzutage Handys und Laptops gegenüber ebenso veraltet, wie Pfeil und Bogen gegenüber einem Maschinengewehr. Das Maschinengewehr schießt im Gegensatz zum Bogen unheimlich schnell und vor allem viel. So ist es auch in der Online- und Mobilkommunikationswelt. Dank des Internets werden Worte in riesigen Massen veröffentlicht. Pro Tag wird beispielsweise weltweit rund 400 Millionen mal getwittert.

Worte werden zum Wegwerfartikel.

So erfreulich es ist, dass die Menschheit so viel kommuniziert und es dank Autokorrektur weniger Rechtschreibfehler gibt, die neuen Möglichkeiten bringen eine große Gefahr mit sich: Worte werden zum Wegwerfartikel. Hashtags und Abkürzungen wie „YOLO“ ersetzen ganze Wortmassen. Wer auf englisch schreibt, kann extrem werden und aus einzelnen Worten wie „are“ oder „you“ einzelne Buchstaben machen. Dann fragt es sich viel einfacher und schneller: „ Where r u?“ Auch der Einsatz von Smileys oder Icons ermöglicht es, zu kommunizieren und gleichzeitig der Nutzung von Sprache und Worten aus dem Weg zu gehen.
Manchmal schaltet sich die Autokorrektur des Handys so entscheidend ein, dass die Worte gar nicht mehr von einem selbst, sondern direkt vom Handy kommen. Worte und Sprache werden misshandelt zugunsten von Zeit- und Platzersparnis. Selbstverständlich kommen die eben genannten sprachlichen Mängel bei Weitem nicht bei jedermann vor. Es gibt glücklicherweise noch genügend Nutzer, die auch auf Facebook und Co. auf korrekte Kommasetzung und Groß- und Kleinschreibung achten. Doch zwei Dinge sind unvermeidlich und beunruhigend:

1. Es gibt sehr viele Menschen auf unserem Planeten, die Worte und Sprache auf noch schlimmere Arten und Weisen behandeln, als die oben genannten. Als Beweis finden Sie hier eine Liste mit Abkürzungen, die im Internet genutzt werden: wikipedia.de

2. Kinder wachsen heute mit Smartphones und Internet und dementsprechend mit allen möglichen modernen Kommunikationsmöglichkeiten auf.
Wenn sie dort lernen mit Worten umzugehen, ist dem Sprachverfall Tür und Tor geöffnet.

Deshalb ist Vorsicht geboten. Denkt an die Kinder und achtet auch online und in Instant Messaging-Diensten auf eure Sprache und den angemessenen Gebrauch von Worten. Oder schreibt trotz aller Unannehmlichkeiten mal wieder einen Brief. Wie erfreulich das sein kann, zeigt uns Mr. Bean hier: youtube.com.

Autor:

herold
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