„Die Gedanken mache ich mir nie“


Ein Interview mit einem Profi des gesprochenen Wortes

Maja Wolffs Kunstfigur „Anton Le Goff“ besitzt als Moderator des Frankfurter Grüne Soße Festivals Kultstatus. Erfüllen seine Worte also Kriterien, die sie für sein Publikum besonders wertvoll machen? Für die Schauspielerin und Kabarettistin stellt sich die Frage gar nicht. Der Wert dessen, was sie sagt, hängt für Maja Wolff vor allem von einem ab: Authentizität.

Frau Wolff, in die Rolle des Anton Le Goff schlüpfen sie schon seit 15 Jahren. Werden Sie ihm langsam ähnlich?

Maja Wolff Foto

Maja Wolff ist vor allem mit ihrer Kunstfigur „Anton Le Goff“ bekannt. Dieses Jahr organisiert und moderiert sie das Grüne Soße Festival in Frankfurt zum siebten Mal. Foto: © Hans Keller

(Lacht) Ja, ganz bestimmt. Also, Ich werde ihm nicht nur ähnlich, sondern ich bin ihm schon vom ersten Tag an ähnlich. Denn es ist auf der einen Seite eine Rolle, die so weit weg von mir ist, wie es weiter gar nicht geht: Er ist ein Mann und ich bin eine Frau. Auf der anderen Seite ist mir die Figur aber sehr nah, denn die Verwandlung findet ja komplett in mir und durch mich statt. Anton ist ja auch ein sehr besonderer Mann dadurch, dass er von einer Frau gespielt wird.

Sie beschreiben Anton Le Goff sinnbildlich als eine „Krise in Person.“ Kommt er deswegen so gut an?

Wahrscheinlich! (Lacht) Aber Anton ist auch wirklich ein total sympathischer Macho: Er ist wahnsinnig von sich überzeugt, hat‘s aber nicht so drauf. Er ist einer, der immer nach einer Frau sucht, ganz viele Alltagsprobleme auch irgendwie bewältigen muss. Und er ist natürlich einer der wenigen Männer, die über sich selbst sprechen können.

Inzwischen ist er als Kunstfigur für Sie ein festes Standbein. Wie war es vor Anton? War es nach Ende der Schauspielausbildung leicht, Fuß zu fassen?

Ich hatte mir erst einmal wirklich überlegt: Fremdsprachenkorrespondentin könnte auch schön sein. Aber einen Monat später habe ich durch Zufall ein Engagement bei einem Kinder-Tourneetheater gehabt. Da war ich dann auch erst einmal ein paar Jahre und habe “ordentlich Bretter gekriegt”, wie man das so nennt, wenn man erst einmal richtig Bühnenerfahrung sammelt. Das war eine tolle Zeit.

Wie überlebt man als Schauspielerin, ist es die viel beschriebene brotlose Kunst?

Also am Anfang…Ich habe nebenher immer in Kneipen gearbeitet, habe gejobbt, alles Mögliche nebenher gemacht. Es ist auch ein bisschen Glückssache, wie man finanziell zurechtkommt. Weil ich mich auch nie auf Film kapriziert hatte, wo es mehr Geld zu verdienen gibt, wenn man gute Rollen bekommt, war es schwierig. Es kommt aber natürlich auch darauf an, wie bekannt man ist. Man denke nur an große Comedy-Stars, die mit gesprochenem Wort ganze Hallen füllen. Theater ist halt auch immer – so wie Kultur es eben ist – ein Sponsoring-Geschäft. So ist es erst einmal auch auf der Bühne. Es sind einfach nicht die Riesengagen drin.

Sind dem Publikum die Worte, die aus dem Mund eines Schauspielers kommen, zu wenig wert?

Nein, das würde ich so nicht sagen. Ich denke, dass es eher eine Frage dessen ist, welchen Stellenwert Kultur in einer Gesellschaft hat. Es ist inzwischen ja auch bekannt, dass Kultur die Wirtschaft ankurbelt und dass da eine Wechselwirkung besteht. Ich würde das jetzt gar nicht so individualisieren und sagen, Schauspieler auf Bühnen sind zu schlecht bezahlt. Die Bühne ist ja nur einer von vielen Wegen durch den Wald. Schauspieler sind ja auch – mehr oder weniger oft – selbstständig. Ich selbst arbeite schon immer als freie Künstlerin. Es gibt andere Jobs – viele, viele andere Jobs – in denen das genauso ist. Andere Selbstständige haben es auch nicht immer leicht.

Gibt es denn ein Kriterium, an dem Sie festmachen können, was das, was aus Ihrem Mund kommt, für Ihr Publikum wert ist?

Die Gedanken mache ich mir nie. Ich überlege immer: Bin ich damit einverstanden, was da aus meinem Mund kommt? Ich habe einen Autor, der für mich schreibt. Das heißt: Ganz am Ende, bevor ich eine Premiere habe, muss ich damit einverstanden sein, was ich da transportiere. Ansonsten würde ich es nicht sagen. Das fragen mich Leute oft: Wie machst du das, wenn das doch alles jemand anderes geschrieben hat? Ich gehe vor der Premiere wirklich alles minutiös durch. Auch Kompromisse, die man dann macht, müssen immer so sein, dass es am Schluss von mir ist.
Was es den Leute wert ist, Eintritt zu zahlen, richtet sich danach: Habe ich eine Band auf der Bühne, bin ich nur mit meinem Keyboarder unterwegs, oder mache ich nur eine einfache nackte Moderation? Muss ich mich darauf vorbereiten? Muss ich es vielleicht noch ins Englische übersetzen? Danach richten sich die Gagen. Letztendlich geht es auch darum, wie gut die Leute verstehen, dass Kultur – Theater, Musik – ein wunderbares, ein vielschichtiges Medium ist. Ich mache mir keine Gedanken darüber, was mein gesprochenes Wort an sich wert ist. Der Wert entsteht dadurch, dass ich das, was ich sage, auch meine. Und, dass ich damit einverstanden bin. Mein Herz steckt drin. Es muss für mich authentisch sein, es muss für mich stimmen.

Klare Botschaften – so klingt Maja Wolff

Hier erklärt die Schauspielerin und Moderatorin, was hinter ihrer Authentizität steckt. Profitiert man auch abseits der Bühne von einer Schauspielausbildung?


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Autor:

Autor: Paul Schedelbeck